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Kardinal Parolin bei dem Festakt an der französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl Kardinal Parolin bei dem Festakt an der französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl  (AFP or licensors)

Frankreich/Vatikan: Volle Zusammenarbeit im gegenseitigen Respekt

Für die Friedenssicherung im Nahen Osten ist die Zusammenarbeit zwischen dem Vatikan und der französischen Diplomatie besonders fruchtbar. Das sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei einem Festakt zum 100. Jahrestag der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan.

Auch auf die Bedeutung der Zusammenarbeit von Kirche und Staat bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch ging die Nummer 2 des Vatikans bei dieser Gelegenheit ein.

Frankreich und der Heilige Stuhl teilten den Wunsch, „zu Frieden und Stabilität in einem multireligiösen Nahen Osten beizutragen, der die Religionsfreiheit und die grundlegenden Menschenrechte respektiert“, betonte Parolin an der Französischen Botschaft beim Heiligen Stuhl. „Jeder von uns möchte in seinem Zuständigkeitsbereich seinen Beitrag zum Wiederaufbau der von Krieg und Gewalt geplagten Länder der Region leisten, in denen verschiedene Religionsgemeinschaften seit Jahrhunderten zusammenleben“, sagte der Kardinal, der in diesem Zusammenhang die besondere Stellung des Libanon betonte. „Im Grunde genommen teilen Frankreich und der Heilige Stuhl die globale Verantwortung in der Welt, auch wenn wir sie mit unterschiedlichen Mitteln und Zielen ausüben“, fügte er hinzu.

Bei Missbrauchsaufarbeitung vollständige Zusammenarbeit

Doch auch die Aufarbeitung von Missbrauch war, nur wenige Tage nach Veröffentlichung des CIASE-Berichtes in Frankreich, Thema bei der Ansprache. Kardinal Parolin bekräftigte, dass das Engagement der Kirche in Frankreich „noch stärker und entschlossener“ sein und dabei vollständig „mit den zivilen Behörden“ zusammengearbeitet werde. Allerdings sei für diese Zusammenarbeit auch wesentlich, dass sie „unter Wahrung des Wesens, der Sendung und der sakramentalen Struktur der Kirche, die ihr eigen sind“ geschehe. Der französische Premierminister Castex, der am Vormittag von Papst Franziksus empfangen worden war, bemerkte bei seiner Ansprache in diesem Zusammenhang, dass es nun an der Kirche liege, „die notwendigen Antworten zu finden“. Die Trennung von Kirche und Staat sei „keineswegs die Trennung von Kirche und Recht“.

Frankreichs Premier Jean Castex
Frankreichs Premier Jean Castex

Seit 1921, als sie nach 17-jähriger Unterbrechung wieder aufgenommen worden waren, seien die gegenseitigen diplomatischen Beziehungen von einem „Klima der Herzlichkeit“ geprägt, hob Parolin weiter hervor. Dies sei ein Beweis für die „Wertschätzung“, die zwischen dem Heiligen Stuhl und der Französischen Republik „seit jeher besteht und die zweifellos auf Gegenseitigkeit beruht“. Diese Beziehungen hätten positive Konsequenzen gehabt: Achtung der Menschenrechte, Förderung von Frieden und Stabilität, Schutz religiöser Minderheiten und Förderung des interreligiösen Dialogs. Mit Blick auf die Umwelt erinnerte Kardinal Parolin daran, dass die Enzyklika Laudato si' viel dazu beigetragen habe, Frankreichs Bemühungen während der Klimakonferenz COP 21 zu unterstützen.

Bei dem Festakt wurde Kardinalstaatssekretär Parolin im Rang eines Kommandeurs in die französische Ehrenlegion aufgenommen. Wie Premierminister Castex in seiner Ansprache hervorhob, habe die Kirche sich immer geweigert, „in Frankreich auch nur indirekt die Saat des Hasses und der Spaltung aufrechtzuerhalten“. Er erinnerte auch an die Einladung Leos XIII. im Jahr 1892 an die französischen Katholiken, der Republik beizutreten.

„Es geht nicht um einen Transzendenzkonflikt“

Ausführlich ging der französische Politiker auf die Frage des Laizismus ein und erinnerte daran, dass das Gesetz von 1905 zur Trennung von Kirche und Staat sieben Jahrhunderte des Gallikanismus beendete und der Kirche völlige Freiheit zurückgab. Der Säkularismus sei „keineswegs, wie manche behaupten, ein Mittel, um die Religion aus dem sozialen Raum und der öffentlichen Debatte auszuschließen“, sondern grenze „lediglich die Interventionsbereiche des Staates auf der einen und der Religion auf der anderen Seite“ ab. „Es geht nicht um einen Transzendenzkonflikt“, betonte er, „sondern einfach darum, der Republik zurückzugeben, was der Republik gehört, und Gott, was Gott gehört“. Mit Bezug auf das im vergangenen Jahr in Frankreich verabschiedete Separatismus-Gesetz, das durch die Kirchen kritisiert worden war, erklärte Castex, dass damit das Statut der religiösen und diözesanen Vereinigungen modernisiert und gestärkt worden sei.

(vatican news - cs)

19 Oktober 2021, 14:02