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Via Crucis: „Schenk uns die Hoffnung von Ostern“

Papst Franziskus hat am Freitagabend auf dem Petersplatz die traditionelle Kreuzwegandacht geleitet. Die Meditationen stammten in diesem Jahr von Kindern und Jugendlichen. Einige Kinder kamen zum Abschluss auch vor zum Papst.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Wie im vergangenen Jahr konnte die Via Crucis mit dem Papst wegen der Corona-Pandemie nicht am Kolosseum mit Tausenden Gläubigen stattfinden. Franziskus beging die Andacht wieder auf dem Petersplatz, begleitet von wenigen Kindern, Jugendlichen und Betreuern, die das Kreuz von Station zu Station trugen. Auf dem Sagrato links und rechts des Papstes waren zudem auch einige - distanzierte - Stuhlreihen aufgebaut. So konnten weitere Gläubige, Kardinäle und Bischöfe unter Beachtung der Corona-Schutzmaßnahmen vor Ort an der Via Crucis teilnehmen.

Hier zum Hören:

„Lieber Jesus, du weißt, dass auch wir Kinder Kreuze zu tragen haben, die weder leichter noch schwerer sind als die Kreuze der Erwachsenen“, so die Einleitung zum Kreuzweg, dessen 14 Meditationen und Gebete in diesem Jahr auf Einladung des Papstes Kinder und Jugendliche verfassten. Ihre Texte beleuchten die Kreuzwegstationen aus dem Blickwinkel von Erlebnissen, kleinen Karfreitags-Situationen, wie Kinder sie erleben: ein Schweigen zu einer Ungerechtigkeit aus Feigheit vor der Klasse, das Auslachen einer Kameradin, die schlecht liest, eine verlorene Partie Fußball, eine Unehrlichkeit. Gemeinsam ist diesen Episoden die Einbettung in den Kreuzweg Jesu, in das Leid, aber auch in die Auferstehung: Jede dieser kleinen Erzählungen mündet in eine größere, befreiende, gleichsam österliche Perspektive.

„Meine Enttäuschung hatte dazu gedient, einem anderen Menschen zu helfen“

„In der vierten Klasse der Grundschule wollte ich unbedingt den Hauptdarsteller in der Aufführung am Ende des Schuljahres spielen“, heißt es beispielsweise in der siebten Station, „Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz“. Doch die Lehrerin entscheidet anders, gibt die Hauptrolle Giovanni, einem Kind aus der letzten Reihe. „In diesem Moment fühlte ich mich gedemütigt und war wütend auf mich selbst, auf die Lehrerin und auf Giovanni. Die Aufführung war ein Erfolg, und von diesem Moment an öffnete sich Giovanni mehr der ganzen Klasse gegenüber. Meine Enttäuschung hatte dazu gedient, einem anderen Menschen zu helfen. Die Entscheidung der Lehrerin hatte jemandem eine Chance gegeben, der sie wirklich brauchte.”

Papst Franziskus am Ende des Kreuzwegs mit einigen Kindern
Papst Franziskus am Ende des Kreuzwegs mit einigen Kindern

Reflex der Coronapandemie 

Auch die allgegenwärtige Coronapandemie hat eine Rolle bei diesem Kreuzweg. In der 13. Station, „Jesus wird vom Kreuz abgenommen“, heißt es:

„Aus dem Krankenwagen stiegen Männer, die wie Astronauten aussahen, bekleidet mit Schutzanzügen, Handschuhen, Masken und Visieren, und nahmen meinen Großvater mit, der seit ein paar Tagen mit dem Atmen Mühe hatte. Das war das letzte Mal, dass ich meinen Großvater gesehen habe. Er starb ein paar Tage später im Krankenhaus und litt, denke ich, auch an der Einsamkeit. Ich konnte ihm nicht physisch nahe sein, mich nicht verabschieden oder ihm Trost spenden. Ich habe jeden Tag für ihn gebetet, so konnte ich ihn auf seiner letzten irdischen Reise begleiten.“

Das letzte Gebet der Kinder, ehe Papst Franziskus den Segen erteilte, erbat eine Gnade: „Herr, guter Vater, wenn wir auf unserem Lebensweg schwierige Geschichten sehen, dann schenk uns die Hoffnung von Ostern,  dem Übergang vom Tod zur Auferstehung.“

Mehr als 600 Kinder und Jugendliche eingebunden

Zum ersten Mal hatten Kinder im Grund- und Mittelschulalter die Meditationen für den Karfreitags-Kreuzweg mit dem Papst mit erarbeiteten. Neu war auch, dass es Kinder waren, zwei Jungen und zwei Mädchen, die die Texte und Gebete am Mikrofon vortrugen. Zum Abschluss durften vier kleinere Kinder, die als Kreuzträger an der Via Crucis teilnahmen, zu Papst Franziskus. Er sprach mit ihnen und mit den Ordensfrauen, die sie betreuen. 

Insgesamt mehr als 600 Kinder und Jugendliche waren in den Schreibprozess der Kreuzwegmeditationen eingebunden: Pfadfinder und Pfadfinderinnen aus Foligno in Umbrien sowie Erstkommunion- und Firmkinder aus der römischen Pfarrei der Heiligen Märtyrer von Uganda. Die Bilder, die während der Übertragung eingeblendet waren, stammten von Jungen und Mädchen, die in zwei römischen Einrichtungen für benachteiligte Kinder betreut werden.

Die 14 Stationen des Kreuzwegs waren rund um den Obelisken auf dem sonst leeren Petersplatz eingerichtet. Von oben betrachtet, bildeten die Fackeln, die den Weg rahmten, ein Kreuz. Die „Via Crucis“ als geistliche Vergegenwärtigung des Leidens und Sterbens von Jesus ist eine Andachtsform, die in Jerusalem entstand und vom Franziskanerorden verbreitet wurde. Seit den Zeiten des heiligen Paul VI. leiten die Päpste jeweils am Karfreitag einen Kreuzweg, der traditionell am römischen Kolosseum stattfand.

(vatican news)

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02. April 2021, 22:29