Suche

Vatican News
Papst Franziskus und Jennifer Wortham am 28. Dezember 2016 Papst Franziskus und Jennifer Wortham am 28. Dezember 2016 

Kinderschutz: „Wege für besseres Vorbeugen und Heilen finden“

Wie kann sexueller Missbrauch verhindert und Überlebenden geholfen werden? Darüber tauschen sich im Rahmen einer internationalen Vatikan-Konferenz ab diesem Donnerstag zahlreiche Teilnehmer aus. Dass es möglich ist, auch Frieden im Glauben wiederzufinden, berichtet Organisatorin Jennifer Wortham im Interview mit uns.

Stefanie Stahlhofen und Devin Watkins - Vatikanstadt 

Der Vatikan hat sich für das virtuelle Symposium zu Prävention und Heilung von sexuellem Kindesmissbrauch mit der Harvard University zusammengetan. Für die renommierte Universität ist Jennifer Wortham vom Human Flourishing Program dabei. Sie berichtet im Interview mit Radio Vatikan auch von Missbrauchserfahrungen in ihrer eigenen Familie und wie es ihr gelang, dieses Trauma zu überwinden. 

Prävention und Heilung über die katholische Kirche hinaus

Das Online-Symposium steht unter dem Motto: „Faith and Flourishing: Strategies for Preventing and Healing Child Sexual Abuse" (Glaube und Aufblühen: Strategien zur Vorbeugung und Heilung bei Kindesmissbrauch). Die internationale Konferenz sieht die Teilnahme von Experten aus Politik und Gesundheitswesen, Priestern, Ordensleuten und Klerikern, Kinderschutzbeauftragten und Anwälten sowie verschiedener Glaubensführer. Unter anderen nehmen etwa der Präsident der Päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Seán Patrick O’ Malley, sowie weitere Mitglieder des vatikanischen Gremiums teil. 

Hier im Audio: Jennifer Wortham im Interview mit Radio Vatikan zu Kinderschutz und der Überwindung des Traumas sexueller Gewalt

Jennifer Wortham betont im Gespräch mit uns, dass es bei der Konferenz nicht nur um Missbrauchsbekämpfung und Kinderschutz in der katholischen Kirche geht:

„Vor allem ist es eine Konferenz, die sich auf das Thema des Kindesmissbrauchs konzentriert und das Engagement von Glaubensgemeinschaften dagegen. Es geht darum, wie sie vorbeugen und Überlebenden von Kindesmissbrauch Heilung bringen können – egal ob dieser daheim, in der Schule, bei Pfadfindern oder in Ferienlagern erfolgte. Es geht darum, Wege für besseres Vorbeugen und Heilen zu finden.“   

Mitte der 90-er Jahre erfuhr die Familie vom Missbrauch

Sexueller Kindesmissbrauch sei ein globales Phänomen, und eine Reihe von glaubensbasierten Gruppen beschäftige sich mit dem Thema, berichtet Wortham. Bei der dreitägigen internationalen Konferenz, die diesen Donnerstag begann, sollen so auch mehr als 70 Redner aus der ganzen Welt zu Wort kommen. Bisher registrierten sich mehr als  1.300 Teilnehmer. Jennifer Wortham kann dabei aus eigener trauriger Erfahrung sprechen:

„Eine sehr traumatische Erfahrung für mich und meine Familie“

„Es war Mitte der 90-er Jahre, als meine Familie herausfand, dass zwei meiner Brüder als Kinder von unserem Pfarrer missbraucht wurden. Es ging los, als sie etwa zehn Jahre waren und dauerte drei bis vier Jahre. Das war eine sehr traumatische Erfahrung für mich und meine Familie. Ich habe mich dann von der Kirche abgewendet, auch meine Mutter hat die Kirche verlassen“, berichtet Jennifer Wortham im Interview mit Radio Vatikan. Sie und ihre Brüder kämpften viele Jahre mit den Folgen. Als sie den Missbrauch der Kirche meldeten, seien die Erfahrungen sehr unangenehm gewesen. Erst viele Jahre später, nach dem Tod ihrer Großmutter, betrat Jennifer Wortham wieder eine Kirche:

Heimkommen und eine Mission starten

„Schätzungsweise 20 Jahre lang hatte ich keine Kirche mehr betreten. Als ich dann in der Kirche war, hatte ich eine sehr starke - sagen wir Inspiration -, den Menschen, die mit meiner Situation und diesem Trauma verknüpft waren, zu vergeben. Ich betete den Rosenkranz und hatte ein überwältigendes Gefühl des Friedens und es fühlte sich wie Heimkommen an.“

Diese Erfahrung weckte in ihr den Wunsch, ihren Schmerz in einen Dienst zu verwandeln. Einige Monate später fand sie beim Hausputz ein Vogelnest - ein Symbol für die Bedeutung einer sicheren Umgebung - und verspürte den Wunsch, dieses Papst Franziskus zu übergeben. Sie schrieb einen Brief an ihn, der innerhalb von 36 Stunden beantwortet wurde. Am 28. Dezember 2016 erfüllte sich dann ihr Wunsch: Jennifer Wortham traf Franziskus bei einer Generalaudienz. Bei dieser Begegnung habe sie gespürt, „dass er sich sehr für die Lösung dieses Problems einsetzte". Ein Ergebnis dieses Treffens ist auch die internationale Kinderschutzkonferenz, die diesen Donnerstag begann. 

(vatican news - sst)

08 April 2021, 13:50