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Kardinal João Braz de Aviz Kardinal João Braz de Aviz 

Kardinal Braz de Aviz: „Fratelli tutti” prophetisch für Orden

Ordensleute sollten die „barmherzigen Samariter" dieser Zeit sein. Dazu ruft Kardinal João Braz de Aviz, Präfekt der vatikanischen Ordenskongregation, sie in einem Brief auf. In dem Schreiben, dass der Osservatore Romano veröffentlichte, geht der brasilianische Kardinal auch darauf ein, was die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus – „Fratelli tutti“ - besonders Ordensleuten zu sagen hat.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Am 2. Februar begeht die katholische Kirche den Tag des geweihten Lebens. Inzwischen übrigens schon seit 25 Jahren. Man könnte meinen, dieses Jubiläum war Anlass für den Brief an die Ordensleute, den Kardinal João Braz de Aviz und Monsignore José Rodriguez Carballo, Sekretär der vatikanischen Ordenskongregation, nun geschrieben haben. Dahinter steckt jedoch viel mehr die Corona-Pandemie, berichtet der Kardinal im Gespräch mit Radio Vatikan:

„Wir haben gespürt, wie schwierig dieser Moment ist, so wie alle anderen auch. Unser ganzes bisheriges Leben hat sich geändert, zusammen sein geht nicht mehr, Umarmungen und Küsse sind rar geworden wegen des Virus, es hat sich ein neues Leben ergeben – auch für das geweihte Leben. Wir wollten mit diesem Brief deutlich machen, dass wir eine Einheit sind, ein Körper, auch wenn wir jetzt alleine sind, sind wir doch ein Körper.“

Hier im Audio: Kardinal João Braz de Aviz hat einen Brief an Ordensleute geschrieben, um sie während der Corona-Pandemie zu bestärken. Und: was die jüngste Enzyklika von Papst Franziskus - „Fratelli tutti“ - Ordensleuten zu sagen hat

Trotz Pandemie - Es fehlt nicht an Hoffnung

Kardinal Braz de Aviz berichtet in dem Brief an die Ordensleute, dass er und die vatianische Ordenskongregation, deren Präfekt er ist, aufmerksam alle Berichte verfolgen, die aus den Orden auf aller Welt zu ihnen dringen. Viele berichteten von Schmerz und Leid, von Infektionszahlen, Toten, Problemen der Wirtschaft und der Menschen aufgrund der Pandemie. Daher war es der Ordenskongregation ein großes Anliegen, in dieser Lage zu helfen:

„Es fehlt uns nicht an Hoffnung! Es geht darum, wie wir unseren Glauben vertiefen können und einander nahe sein“

 „Wenigstens mit diesem Brief und auch mit weiteren Kommunikationsmitteln, Online-Übertragungen, und so weiter, wollen wir Momente der Gemeinschaft schaffen und in Erinnerung rufen, dass Gott mit uns ist, und wir versuchen, ihm zu folgen. Es fehlt uns nicht an Hoffnung! Es geht darum, wie wir unseren Glauben vertiefen können und einander nahe sein. Das schien uns wichtig, zu betonen, dass es darum geht, unsere Hoffnung zu erneuern, und uns auf die Kraft zu besinnen, die uns ganz besonders unser Glaube gibt.“

Seid die barmherzigen Samariter der heutigen Zeit

Auch angesichts aller Probleme und des vielerorts großen Leids, gelte es, den Mut nicht zu verlieren und trotz „Unsicherheit und Schmerzen“ unbetrübt den Glauben zu verbreiten, sowie das Leid der anderen zu teilen – ganz im Sinne des jüngsten Papstschreibens „Fratelli tutti“ über die Geschwisterlichkeit aller Menschen vom Oktober 2020.

„Ich denke, wichtig ist das Umsetzen (des Papstschreibens). Wenn das gelingt, dann sollte in der Kirche das Bild einer wirklichen Gottesfamilie wachsen, eines Gottesvolks, in dem wahrhaftige Geschwisterlichkeit herrscht. Aber wir wissen, dass das in vielen Bereichen noch nicht so ist. Zum Beispiel mit Blick auf eine gemeinsamere Wirtschaft, der es nicht nur um eigene Interessen geht“, betont der Kardinal im Brief wie im Interview mit uns.

Die Spiritualität von „Fratelli tutti“ 

Er ruft Ordensmänner und -Frauen in dem Schreiben daher auch auf: „Seid die barmherzigen Samariter der heutigen Zeit, indem ihr die Versuchung überwindet, euch zurückzuziehen oder in Selbstmitleid zu zerfließen, sowie angesichts des Leids vieler Männer, Frauen und ganzer Völker, die Augen zu verschließen“, lautet sein Appell an die Ordensleute. Konkret führt er im Interview mit uns weiter aus:

„Es geht auch um Spiritualität, die nicht nur persönlich ist – auch wenn das wichtig ist. Spiritualität kann nicht nur individuell sein, es braucht eine Öffnung zum Bruder, zur Schwester hin. Es ist ganz sicher, dass Gott das wünscht und „Fratelli tutti“ sollte dabei helfen, diesen Geist weiter zu verbreiten und umzusetzen.“

Geschwisterlichkeit übrigens, die auch in den eigenen Reihen nicht vergessen werden darf, wie der brasilianische Kardinal im Gespräch mit Radio Vatikan erläutert. Priester und Ordensleute mahnt de Aviz so, nicht nur sich selbst beziehungsweise den eigenen Orden als bedeutend zu sehen. Es gebe viele verschiedene Wege und Möglichkeiten, Jesus nachzufolgen. Auch die Kirchenstrukturen sollten laut dem Kardinal übrigens mehr auf Gemeinschaft setzen:

„Strukturen, die wir in der Kirche haben, sollten kollegialer sein“

„Strukturen, die wir in der Kirche haben, sollten kollegialer sein. Nicht zu „monarchisch“, denn zu monarchische Sichten schaden. Wir sollten so zu einem - sagen wir, schöneren, einfacheren Lebensstil gelangen – auch mal Kompromisse mit anderen machen. Das ist meiner Meinung nach das, wo „Fratelli tutti“ mit Blick auf das geweihte Leben helfen wollte, einen solchen Lebensstil zu prägen.“

Das Papst-Schreiben „Fratelli tutti“ ist laut Kardinal de Aviz „ein kostbares Geschenk für jede Form des geistlichen Lebens“ mit prophetischer Kraft, wie er in dem Brief an die Ordensleute betont.

(vatican news – sst) 

28 Januar 2021, 12:55