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Gesichter der Armut Gesichter der Armut  (ANSA)

Hausprediger des Papstes: Die Armen sind der Leib Christi

Über das „Sakrament der Armut“ hat Kardinal Raniero Cantalamessa, der päpstliche Hausprediger, bei seiner dritten Adventspredigt an diesem Freitag im Vatikan gesprochen. Die Formulierung stammt aus dem Umfeld des II. Vatikanischen Konzils, das die Armen vom Rand der Kirche in ihre Mitte holte.

„Die Konzilsväter haben zum Sakrament der Armut zurückgefunden, das heißt, zur Gegenwart Christi unter den Gestalten der Leidenden“, so hatte es der katholische französische Philosoph Jean Guitton formuliert, der als Laienbeobachter am Konzil teilnahm. „Sakrament der Armut“, das sei ein „starkes, aber begründetes Wort“, sagte der Kapuziner-Kardinal. Das Wort wurde Fleisch. So hab es auf besondere Weise den Armen, den Leidenden erreicht. Denn Jesus, „der über dem Brot das Wort sprach: Das ist mein Leib, hat dieselben Worte auch gegenüber den Armen gebraucht“, und zwar als er in seiner Rede über das Weltgericht von den Hungrigen sprach, den Durstigen, den Nackten, den Fremden, den Gefangenen und den Kranken (Matthäus 25, 31ff) und feierlich erklärte: Das habt ihr mir getan, oder: das habt ihr mir nicht getan.

„Gott hat viel mehr Möglichkeiten, zu retten, als wir uns vorstellen“

Es war damals Papst Johannes XXIII. (1958-1963), der den Ausdruck „Kirche der Armen“ prägte, erinnerte Kardinal Cantalamessa. Darin seien nicht nur die Armen der Kirche eingeschlossen, sondern alle Armen, getauft oder nicht. „Ihre Armut und ihr Leid, wenn es schuldlos ist, ist in den Augen Gottes ihre Bluttaufe“, erklärte der Prediger. „Gott hat viel mehr Möglichkeiten, zu retten, als wir uns vorstellen, auch wenn ausnahmslos alle diese Möglichkeiten, und zwar auf Wegen, die nur Gott kennt, über Christus führen.“

Der päpstliche Hausprediger Raniero Cantalamessa bei der dritten Adventpredigt 2020

Das hat Auswirkungen auf die Kirche in ihrem Selbstverständnis, so Cantalamessa weiter: „Die Kirche Christi ist von daher unendlich viel größer als das, was uns die Zahlen und die Statistiken sagen. Nicht als bloße Redensart oder aus unangebrachtem Triumphdenken. Niemand als Jesus hat verkündet: ,Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan´ (Mt 25,40), und der ,geringste Bruder´ meint nicht nur den, der an Christus glaubt, sondern jeden Menschen.“

Der päpstliche Hausprediger, Kardinal Raniero Cantalamessa, bei einer Adventpredigt für die Kurie und die Papstangestellten im Vatikan
Der päpstliche Hausprediger, Kardinal Raniero Cantalamessa, bei einer Adventpredigt für die Kurie und die Papstangestellten im Vatikan

Daraus folge, dass der Papst, und mit ihm die übrigen Hirten der Kirche, „wirklich der Vater der Armen“ sei. Cantalamessa sagte, es sei „eine Freude und eine Anregung für uns alle“ zu sehen, „wie die jüngsten Päpste sich diese Rolle zu Herzen genommen haben, und ganz besonders der Hirt, der heute auf dem Stuhl Petri sitzt“. Franziskus verteidige mit kraftvoller Stimme die Armen „in einer Welt, die nur Selektion und Wegwerfen kennt“.

„Aber die Geschichte hat gezeigt, auf welcher Seite Gott stand und auf welcher Seite die Kirche stehen muss“

So wie seinerzeit für Maria und Josef sei heute „kein Platz für die Armen in den Herbergen der Welt“, fuhr Cantalamessa fort. „Aber die Geschichte hat gezeigt, auf welcher Seite Gott stand und auf welcher Seite die Kirche stehen muss. Auf die Armen zugehen und die Demut Gottes nachahmen. Es ist ein Sich-selbst-Kleinmachen, um die zu erhöhen, die unten sind.“

(vatican news – gs)

18 Dezember 2020, 13:10