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Vatican News
Syagoge am römischen Lungotevere Syagoge am römischen Lungotevere  (©CdG - stock.adobe.com)

Jüdisch-katholischer Dialog seit fünfundfünzig Jahren

Am 28. Oktober 1965 wurde die Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils „Nostra aetate“ (Nr. 4) promulgiert; sie stellt den Startschuss des offiziellen Dialogs der katholischen Kirche mit dem Judentum dar. An diesem Mittwoch feiern wir den 55. Jahrestag dieses wichtigen Dokuments, das als die „Magna Charta“ des jüdisch-katholischen Dialogs betrachtet werden kann. Ein Gastbeitrag von P. Norbert Hofmann, Sekretär der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum des Heiligen Stuhls.

P. Norbert Hofmann - Vatikanstadt

Zu diesem Anlass sandte Kardinal Kurt Koch eine Botschaft der „Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum“ an den offiziellen jüdischen Dialogpartner des Heiligen Stuhls, das „International Jewish Committee for Interreligious Consultations“ (IJCIC). Als Antwort bereitete das IJCIC seinerseits eine Botschaft vor, die die Intensität der Beziehungen zwischen katholischen und jüdischen Führungsfiguren betont.

Ursprünglich war geplant, Ende Oktober 2020 eine gemeinsame Tagung in São Paolo (Brasilien) zum Thema „Erschaffen nach dem Abbild Gottes; Schutz der menschliche Würde“ zu organisieren. Man wollte dort auch über aktuelle Angelegenheiten sprechen und des 55. Jahrestags dieses historischen Dokuments gedenken. In Folge der komplizierten Umstände auf Weltebene konnte die Konferenz nicht organisiert werden, weshalb man sich zur Abfassung von gegenseitigen Botschaften entschied.

Kardinal Koch spricht dabei von „einer Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern unter Juden und Christen“ und betont das gemeinsame geistliche Erbe zwischen beiden religiösen Traditionen. Die Botschaft des IJCIC stellt klar, dass wir nach „Nostra aetate “ (Nr. 4) eine Zeit erfahren „die zwei Jahrtausende der Feindschaft zu einem Segen der Freundschaft gemacht hat“. Am wichtigsten ist die wachsende Freundschaft zwischen der Katholischen Kirche und den Juden, so dass es nun möglich ist, auch schwierige Angelegenheiten mit Offenheit und Vertrauen zu diskutieren.

Die zwei Botschaften sind ein weiteres klares Zeichen des großartigen Fortschritts in den jüdisch-katholischen Beziehungen über die letzten fünfundfünfzig Jahre und stehen in einer Linie mit den Ideen, denen Papst Franziskus auch in seiner jüngsten Enzyklika „Fratelli tutti“ Ausdruck verliehen hat, wenn er unterstreicht, dass wir alle Brüder und Schwestern sind, die nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sind.

P. Norbert Hofmann

Sekretär der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum

(vatican news)

28 Oktober 2020, 12:00