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Vatikan: Bilanz 2019 für die Kurie vorgelegt - Guerrero: „Eine Bilanz der Mission“

„Die Gläubigen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wie wir die Mittel nutzen“: Das sagt Jesuitenpater Juan Antonio Guerrero, Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, aus Anlass der Veröffentlichung des Jahresabschlusses 2019, der Aufschluss über den Stand der Kurienfinanzen im vergangenen Jahr gibt.

Demnach verfügte die Kurie über Einnahmen in Höhe von 307 Millionen Euro, die Ausgaben von 318 Millionen Euro entgegenstehen – was ein Defizit von 11 Millionen ergibt. Der Nettobesitz der Kurie beläuft sich hingegen auf 1.402 Millionen Euro, zumeist in Immobilien angelegt.

„Wer Transparenz verlangt, hat Recht“, betont Guerrero zu diesem Anlass im ausführlichen Interview mit Vatican News. Wie Papst Franziskus selbst verlange, müsse das Wirtschaften des Heiligen Stuhls einem „Glashaus“ gleichen – und diesem Ziel hätten sich nicht nur das Wirtschaftssekretariat, sondern auch die anderen Kurieneinrichtungen verschrieben, betont der Präfekt auch mit Blick auf die jüngsten Reformen, die in Bezug auf Transparenz und Ausgabenkontrolle durchgeführt worden seien. Erst im vergangenen Juni hatte der Papst neue Regeln für die Anschaffung von Materialien verfügt, um Korruption und Verschwendung einen Riegel vorzuschieben. Dies auch, weil „wir nicht Besitzer, sondern Hüter von Gütern sind, die wir erhalten haben“, unterstreicht Guerrero, der ausdrücklich von einer „Bilanz der Mission“ spricht, für die nicht die gleichen Regeln gelten können wie man sie sich für ein funktionierendes Wirtschaftsunternehmen erwarten würde.

„Wir sind nicht Besitzer, sondern Hüter von Gaben, die wir erhalten haben“

„Die Mission des Heiligen Stuhls, der Kurie, beschränkt sich nicht nur auf die Wohltätigkeit des Papstes, praktisch wie eine NGO, die Spenden einsammelt und sie dort verteilt, wo es nötig ist“, erläutert Guerrero. Vielmehr handele die Kirche auf Weltebene, vor allem in den einzelnen Diözesen, aber auch die Kurie unterstütze auf vielfältige Weise diese Mission. „Die erste Mission des Heiligen Stuhls besteht darin, das Evangelium an die äußersten Enden der Welt zu tragen“, betont der Jesuit. Das dazu gehörende Spektrum sei weit, es reiche von der Verkündigung bis hin zur Vermittlung, wo die Botschaft des Evangeliums unkenntlich wird, durch die Unterstützung für die Ortskirchen oder die Menschen, die in Schwierigkeiten sind, aber auch anhand der Vermittlung der Einheit in der Doktrin und in der Liturgie, des Lehramtes des Papstes und der Anregung, bestimmte Themen weiter zu vertiefen. „Die Wohltätigkeit des Papstes“ und die ihr zugrundeliegende „Mission“, die dank der Einnahmen auf vielfältige Weise geschehe, seien nun der Schlüssel, der dabei helfen könne, das Finanzgebahren der Kurie zu verstehen, betont Guerrero.

„Der Heilige Stuhl funktioniert nicht wie eine Firma oder ein Staat, er strebt nicht nach Profit oder Gewinn“

„Wir wollen also, dass der Jahresbericht darlegt, wie der Heilige Stuhl seine Ressourcen verwendet, um seine Mission zu erfüllen, seinen Dienst an der Mission des Heiligen Vaters. Und dann ist da noch ein Aspekt: Der Heilige Stuhl funktioniert nicht wie eine Firma oder ein Staat, er strebt nicht nach Profit oder Gewinn. Es ist also normal, dass es ein Defizit gibt. Fast alle Dikasterien sind reine ,Kostenstellen‘, also sie versehen ihren Dienst, ohne dass dieser verkauft oder gesponsert würde. Ein Defizit zu verhindern liegt nicht im Aufgabenbereich des Heiligen Stuhls. Sein Geist ist ein anderer.“

Dem zugrunde liege die Überlegung, dass die Kosten dadurch entstünden, dass all jenes angeschafft werde, was für die Erfüllung der Mission notwendig sei, betont Guerrero, der vor einem knappen Jahr an die Spitze des Wirtschaftssekretariats berufen worden war. Zwar müsse man vernünftig wirtschaften, schränkt der Präfekt ein, doch dies könne niemals zum Selbstzweck werden: „Manchmal müssen wir eben mehr geben, als wir haben, um unsere Mission zu erfüllen: wir müssen missionarischen Wagemut haben.“ Die Anstrengungen gälten in diesem Zusammenhang vor allem dem Ziel, das Defizit verkraftbar zu halten oder auf lange Sicht ausgleichen zu können, gibt der Leiter des Wirtschaftssekretariats Einblick in das Walten der Kurie.

„Wir müssen missionarischen Wagemut haben“

Der Nettobesitz des gesamten Vatikans, der auch das Governatorat, die Vatikanbank IOR und den Peterspfenning einschließe, belaufe sich auf etwa 4.000 Millionen Euro, doch sei nicht die Gesamtheit der Vatikankonten Gegenstand der Betrachtungen gewesen, erläutert Guerrero. Die letzte Bilanz, in der alle Konten des Vatikans zusammengeführt worden waren, stammt aus dem Jahr 2016. „Würden wir alles konsolidieren, dann gäbe es 2019 kein Defizit, genauso wie es im Jahr 2016 keines gab. Damit will ich jedoch nicht sagen, dass wir keine Schwierigkeiten hätten und dass diese in dieser Corona-Krise nicht noch größer würden“.

Einnahmen und Ausgaben der Kurie, zu der auch das Dikasterium für Kommunikation gehört, sind in dem öffentlich zugänglichen Jahresbericht auf übersichtliche Weise aufgeführt. Wie Jesuitenpater Guerrero erläutert, stamme etwas über die Hälfte der Einkünfte von 307 Millionen (54 Prozent, oder 164 Millionen) aus Anlagenwerten, während wirtschaftliche Einnahmen aus den einzelnen Kurienbereichen etwa 14 Prozent ausmachen, also 44 Millionen Euro. Dazu gehören Einnahmen durch die Besuche in den Katakomben (allerdings nicht der Museen, da diese nicht der Kurie zugeordnet sind) und den Verkauf von Büchern aus der Vatikandruckerei, aber auch von Produktionen, die durch das Kommunikationsdikasterium vertrieben werden. Weitere Einkünfte in dieser Kategorie verdankten sich den Gebühren, die beispielsweise für universitäre Dienstleistungen und Zertifikate erhoben wurden. Einnahmen in etwa derselben Höhe (also 43 Millionen Euro) kommen aus den vatikanischen Einrichtungen, die nicht in der aktuellen Bilanz aufgeführt sind, wie Governatorat, IOR oder Petersdom, während 18 Prozent oder rund 56 Millionen Euro Beiträgen aus den Diözesen oder einzelne Spenden zu verdanken sind.

(vatican news - cs)

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Die Bilanz 2019 des Heiligen Stuhls im Detail
01. Oktober 2020, 14:15