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Francesca Di Giovanni, hier am Sitz der Vereinten Nationen Francesca Di Giovanni, hier am Sitz der Vereinten Nationen 

Heiliger Stuhl beklagt neue Formen der Ausbeutung von Frauen

Die Achtung der Rechte von Frauen hat in den vergangenen 25 Jahren global betrachtet nicht überall zugenommen. Das beanstandet Francesca Di Giovanni, Untersekretärin am vatikanischen Staatssekretariat.

In einer Videokonferenz 25 Jahre nach der UNO-Weltfrauenkonferenz von Peking sagte die Vertreterin des Heiligen Stuhles am Donnerstag, die von Papst Franziskus beklagte Wegwerfkultur habe „vielen Frauen neue Formen von Armut und Ausbeutung sowie neue Bedrohungen ihres Lebens und ihrer Würde” gebracht. Gegen diese Entwicklung müssten alle gemeinsam vorgehen, und zwar „unter der Leitung von Frauen, in Syngergie mit Männern”, sagte Di Giovanni.

Der Heilige Stuhl hatte zur Weltfrauenkonferenz 1995 eine eigene Delegation entsandt. Auch heute bleibe der Heilige Stuhl „ein entschlossener Förderer der Würde der Frau”, betonte Di Giovanni. Sie nannte vier Felder, in denen die Weltgemeinschaft gemeinsam daran arbeiten müsse, Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen von Frauen zu beenden: Armut, Bildung, Gesundheitsvorsorge und Gewalt.

Abtreibung? „Frauen verdienen etwas Besseres”

Zur Bekämpfung von weiblicher Armut brauche es unter anderem gleichen Zugang zu Beschäftigung, Eigentum und Technologie sowie gleichen Lohn für gleiche Arbeit, hob die Vatikanvertreterin hervor. Bei der gobal oft mangelhaften Gesundheitsvorsorge von Frauen liege zu viel Betonung auf der Frage der Geburtenkontrolle. Einige Kräfte versuchten dauernd, ein Recht auf Abtreibung als Menschenrecht durchzusetzen. „Frauen verdienen etwas Besseres”, so die Untersekretärin. Bei Schwangerschaftskonflikten bräuchten Frauen einen ganzheitlicheren Zugang, die „schnelle Lösung” Abtreibung bringe in Wahrheit weitere Gewalt, Isolierung und Verzweiflung.

Weltfrauenkonferenz 1995: Der Heilige Stuhl war dabei

Der Heilige Stuhl hatte an der Weltfrauenkonferenz 1995 mit einer eigenen Delegation teilgenommen. Zur Leiterin dieser Vatikan-Delegation bestimmte Papst Johannes Paul II., damals ungewöhnlich, eine Frau. Die US-Amerikanerin Mary Ann Glendon, eine auch in Rom gut vernetzte Jura-Professorin, wurde später Präsidentin der päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaft und US-Botschafterin beim Heiligen Stuhl.

Francesca Di Giovanni ist die erste Frau im Rang eines Untersekretärs im vatikanischen Staatssekretariat. Papst Franziskus hatte die Stelle in der Abteilung für die Beziehungen zu den Staaten, also dem vatikanischen „Außenministerium”, im Januar 2020 geschaffen und sie mit der 67jährigen italienischen Juristin besetzt. Di Giovanni hatte seit fast drei Jahrzehnten im Staatssekretariat gewirkt. 

(vatican news - gs)

02 Oktober 2020, 15:07