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Papst Franziskus Papst Franziskus  (AFP or licensors) Leitartikel

Editorial: Was die öffentlichen Generalaudienzen so kostbar macht

Nach sechs Monaten ohne öffentliche Generalaudienzen - pandemiebedingt - nimmt Papst Franziskus in dieser Woche wieder seine Generalaudienz mit der Präsenz von Gläubigen auf. Wie die Heiligen Messen in der Casa Santa Marta sind die Termine am Mittwoch für den Papst in erster Linie Gelegenheiten, bei seiner Herde zu sein und sich dabei an die ganze Welt zu wenden.

Mario Galgano und Alessandro Gisotti - Vatikanstadt

Vor 189 Tagen fand die letzte Generalaudienz mit Gläubigen auf dem Petersplatz statt, und zwar am 26. Februar. Am 2. September wird dies wieder so sein - allerdings diesmal im Hof von San Damaso im Apostolischen Palast. Es scheint eine lange Zeit vergangen zu sein, auch wenn in den vergangenen Wochen dank dem Online-Dienst von Vatican News die Generalaudienzen und Gottesdienste mit dem Papst durchaus regelmäßig übertragen wurden.

Wie bei den Frühmessen in der Casa Santa Marta ist die Generalaudienz - inzwischen über dreihundert in diesem Pontifikat - vor allem durch die Begegnung mit dem Volk Gottes geprägt. Das ist das Herz dieser Momente. Kurz sind die Predigten, die bei den Morgenmessen gehalten werden, und kurz sind auch die Katechesen bei den Generalaudienzen, die oft durch Zusätze außerhalb des Redemanuskripts und nicht selten durch Momente des Dialoges mit dem anwesenden Publikum bereichert werden. „Wenn man liest - sagte Franziskus einmal - kann man den Menschen nicht in die Augen schauen.“

Zeit für Begegnung

Franziskus sucht bei den Generalaudienzen üblicherweise die Begegnung mit den Menschen und insbesondere mit den Schwächsten, den Kranken, den Leidenden. Es überraschte teils, wie viel Zeit der Papst mit den Menschen dabei verbrachte (als dies noch möglich war, vor dem Lockdown). Einige dieser Begegnungen haben aufgrund der daraus resultierenden Botschaft einen universellen Wert angenommen. Dies ist der Fall bei der Umarmung des Papstes mit Vinicio, eines Mannes, der durch eine schreckliche Krankheit, die Neurofibromatose, entstellt ist. Die Bilder der Umarmung am Ende der Generalaudienz vom 6. November 2013 gingen um die Welt und bezeugten mehr als tausend Worte, was Franziskus meint, wenn er alle Christen, niemanden ausgenommen, auffordert, diejenigen zu berühren, die die Wunden Christi erleiden.

Verständliche Sprache

Ebenso bedeutsam ist die Sprache, die der Papst bei seinen Mittwochsaudienzen verwendet. Tatsächlich geht der Papst auf die zentralen Themen des christlichen Lebens ein, wobei er sich stets einer einfachen, für alle verständlichen Sprache bedient, die das Wesen des Glaubens an Jesus Christus erfasst. In einer Zeit, die vom religiösen Analphabetismus geprägt ist, wird der Papst „Katechet“ und erklärt direkt, warum die Begegnung mit dem Herrn das Leben verändert und uns für eine Hoffnung öffnet, die niemals stirbt. In diesen siebeneinhalb Jahren haben die Zyklen seiner Katechese einen sehr weiten Raum umfasst: von den Sakramenten bis zur Barmherzigkeit, von der Eucharistie bis zu den Zehn Geboten, und Franziskus versäumte es nicht, seine Meditationen auch über grundlegende Fragen des täglichen Lebens anzubieten: von der Familie bis zum Frieden, vom Aufruf zu einer gerechten und solidarischen Wirtschaft bis zum letzten Zyklus der Katechese, der am 5. August begann und sich auf das Thema „Die Welt heilen“ konzentriert.

Keine einfachen Rezepte

Der Papst weiß, dass die Kirche keine „einfachen Rezepte“ hat, die aus der Krise führen. In der Pandemiezeit will er aber mit allen Menschen guten Willens einen christlichen Blick auf die Probleme teilen, die die Pandemie aufgeworfen hat, insbesondere die „sozialen Krankheiten“. Es handelt sich hierbei um ein Virus, das noch schwerer zu besiegen ist als Covid-19. Sicherlich wird ihm die Begegnung mit den Menschen, mit dem Volk Gottes, dem er sich so oft anvertraut hat und das er braucht, helfen, uns eine Perspektive der Hoffnung, Heilung und Erneuerung zu geben - wenn auch in einem neuen Kontext und auf eine neue Weise. Eine Perspektive, die von der Überzeugung ausgeht, die im Statio Orbis vom 27. März letzten Jahres zum Ausdruck gebracht wurde: dass „niemand sich selbst rettet“, sondern nur dadurch, dass wir uns gegenseitig als Brüder und Schwestern empfinden. So können wir aus dieser Zeit der Prüfung besser hervorgehen.

(vatican news)

31 August 2020, 15:00