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Don Ambarus (l.) mit der römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi und dem Missionar Giulio Albanese (Archivbild vom letzten Herbst) Don Ambarus (l.) mit der römischen Bürgermeisterin Virginia Raggi und dem Missionar Giulio Albanese (Archivbild vom letzten Herbst)  (ANSA)

Hilfsfonds des Papstes gegen Corona-Not in Rom gut gestartet

Der neue Papst-Fonds, mit dem Franziskus Not und Härten wegen der Corona-Pandemie in seinem Bistum Rom lindern will, hat einen guten Start hingelegt.

Die römische Stadtverwaltung und die Region Latium haben den Fonds um jeweils 500.000 Euro aufgestockt. Da Franziskus den Fonds mit einer Million Euro ausgestattet hatte, hat sich das Kapital also auf einen Schlag verdoppelt.

„Jesus, göttlicher Arbeiter“: So heißt der Fonds, der allen Arbeitenden helfen soll, die wegen der Corona-Pandemie oder des Corona-Lockdowns in Schwierigkeiten geraten sind. Gemeint sind damit Saisonarbeiter, Tagelöhner, Menschen mit prekären Verträgen, Hausangestellte, Kleinunternehmer oder Selbständige.

Caritas plant so etwas wie eine wunderbare Brotvermehrung

„Mit seiner Entscheidung, diesen Fonds einzurichten, zeigt Papst Franziskus, dass Arbeit für ihn etwas Heiliges ist. Dass sie wichtig ist für die Würde des Menschen. Dass die, die sie verlieren, auch an Würde einbüßen.“ Das sagt uns Roms Caritas-Direktor, der Priester Benoni Ambarus.

„Wir sind jetzt dabei, zu evaluieren, wie wir es hinkriegen, dass die Summe wirklich einen Mechanismus des Teilens in Gang setzt. Der Papst hat (in seinem Begleitbrief zur Einrichtung des Fonds) geschrieben, dass fünf Brote und zwei Fische jetzt nicht mehr ausreichen.“ Das ist eine Anspielung auf die wunderbare Brotvermehrung durch Jesus, von der alle vier Evangelien erzählen und die nach der Darstellung des Markus mit fünf Broten und zwei Fischen ihren Anfang nahm.

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„Hoffentlich können die Leute bald wieder raus aus...“

„Der Papst gibt die fünf Brote und zwei Fische, und wir müssen daraus jetzt eine Art Vervielfältigungs-Wunder machen. Wissen Sie – wenn wir jedem, der wegen Corona seine Arbeit verloren hat, ein Übergangsgehalt zahlen würden, würde das Geld nicht reichen, und wir könnten nur einer kleinen Zahl von Menschen helfen. Darum versuchen wir, das Geld im Fonds zu einem Sauerteig der Nächstenliebe zu machen.“

Während des Lockdowns hat die römische Caritas ihre Hilfen naturgemäß nicht eingestellt. „Wir sagten schon scherzhaft untereinander: Hoffentlich können die Leute bald wieder raus aus ihren Häusern, damit wir dann mal zuhause bleiben und uns etwas ausruhen können!“

„Das war eine Explosion. Wirklich beeindruckend“

Seit Beginn der Pandemie hätten sich in Rom ungefähr 7.000 Familien erstmals an Einrichtungen der Caritas gewandt. „Leute, die etwa schwarzarbeiten, oder mit prekären Verträgen, und die auf einmal ohne alles dastanden – die kamen und baten uns um Essen. Die Pandemie hat gezeigt, wie fragil unser soziales Gewebe in der Stadt ist – aber auch, dass in der Kirche viele in der Lage sind, sich schnell die Ärmel hochzukrempeln und Hilfe zu leisten.“

Dass jetzt seit Monaten keine Touristen oder Pilger in die Ewige Stadt kommen konnten, hat, wie Don Ambarus feststellt, Hotels und Restaurants schwer getroffen; Menschen, die in diesen Bereichen bisher ihr Auskommen gefunden hätten, seien jetzt „verzweifelt“. „Das war eine Explosion. Wirklich beeindruckend. Leute, die sagen: So etwas hätten wir uns nie im Leben vorgestellt – dass wir euch mal um Hilfe bitten müssen…“

Für den Hausangestellten brach eine Welt zusammen

Selbst im schicken (und teuren) Stadtzentrum kann man nach Angaben des Caritas-Chefs mittlerweile auf die blanke Not treffen – sogar bei Leuten, die beruflich noch vor kurzem auf hohem Level waren. Armut gebe es nicht mehr nur in den Vorstädten.

Don Ambarus hat viele Geschichten auf Lager, die einem wirklich ans Herz greifen können. Die hier zum Beispiel: „In ein Büro der Caritas in einer Pfarrei kam während der Pandemie ein Ausländer, der für eine römische Familie arbeitet – ohne Vertrag, ohne Absicherung. Der sagte dem Pfarrer, er habe die Signora um Hilfe gebeten – immerhin arbeitete er schon seit 34 Jahren für sie –, ob sie ihm nicht doch das Gehalt während des Lockdowns weiterzahlen könnte. Die Antwort war: Nein! Er sagte: Aber ich dachte, ich wäre wie ein Sohn für euch, nach 34 Jahren… Für den ist eine Welt zusammengebrochen.“

Ein Drama - oder ein Stück Himmel

Man rede, wenn es um die soziale Not in einer Stadt wie Rom gehe, immer gern von Zahlen. Das gehe einem flott über die Lippen, sagt der Geistliche. „Aber wir machen uns gar nicht klar, dass hinter jeder einzigen Person ein Drama steht! Oder ein Stück Himmel. Oder beides… Jeder Mensch ist ein Geheimnis Gottes, und darum muss man jedem einzelnen zuhören, ihn beschützen und wertschätzen, mit allem Licht und Schatten.“

Papst Franziskus hatte den neuen Hilfsfonds am Dienstag angekündigt – in einem Brief an seinen Stellvertreter für das Bistum Rom, Kardinalvikar Angelo De Donatis. An diesem Freitag wurde der Fonds im Lateran, dem römischen Bischofssitz, der Öffentlichkeit vorgestellt.

(vatican news – sk)
 

12 Juni 2020, 12:52