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Der Missionar Pedro Opeka setzt sich für die Armen in Madagaskar ein Der Missionar Pedro Opeka setzt sich für die Armen in Madagaskar ein  (AFP or licensors) Leitartikel

Papstbotschaft an Missionswerke: „Eine Mission, die nicht unsere ist“

„Mit seiner Botschaft an die Päpstlichen Missionswerke warnt der Papst vor bestimmten Pathologien, die die missionarische Tätigkeit zu verzerren drohen, indem sie das Wirken der Gnade verschleiern“: so fasst unser Direktor Andrea Tornielli die programmatische Botschaft zusammen, die Papst Franziskus an diesem Donnerstag an die Päpstlichen Missionswerke in aller Welt gerichtet hat.

Andrea Tornielli - Vatikanstadt

Die Botschaft von Papst Franziskus an die Päpstlichen Missionsgesellschaften ist ein starker Text, der auch konkrete Hinweise darauf gibt, was die einzige wirkliche Quelle des missionarischen Handelns der Kirche sein kann. Gleichzeitig nennt er jedoch einige Verzerrungen des missionarischen Handelns beim Namen, um damit zu einer Vermeidung dieser Fehler beizutragen.

Das „mysterium lunae“

Die Mission, so Franziskus in seiner Botschaft, sei nicht die Frucht der Anwendung von „weltlichen Systemen und der Logik von Militanz oder technisch-professioneller Kompetenz“. Vielmehr entstehe sie aus der „überströmenden Freude“, die „der Herr uns schenkt“ und die die Frucht des Heiligen Geistes ist. Diese Freude ist eine Gnade, die niemand allein geben kann. Missionarisch zu sein bedeutet, das große und unverdiente Geschenk, das man erhalten hat, weiterzugeben, d.h. das Licht eines Anderen zu reflektieren, wie es der Mond mit der Sonne tut. „Zeugen sind in jeder menschlichen Situation diejenigen, die bezeugen, was jemand anderes getan hat. In diesem Sinn und nur in diesem Sinn können wir Zeugen von Christus und seinem Geist sein“, betont der Papst in seiner Botschaft. Es handelt sich dabei um jenes „mysterium lunae“, das den Kirchenvätern der ersten Jahrhunderte am Herzen lag. Denn ihnen war klar, dass die Kirche stets von der Gnade Christi lebt. Wie der Mond leuchtet auch die Kirche nicht mit ihrem eigenen Licht, und wenn sie zu sehr auf sich selbst schaut oder auf ihre eigenen Fähigkeiten vertraut, ist sie am Ende selbstbezogen und schenkt niemandem mehr Licht.

Das Staunen der anderen wecken

Die Botschaft schöpft aus der Apostolischen Exhortation „Evangelii gaudium“, dem programmatischen Text, mit dem Franziskus den Weg seines Pontifikats vorgezeichnet hat. Der Papst erinnert zum wiederholten Mal daran, dass die Verkündigung des Evangeliums und das Bekenntnis des christlichen Glaubens etwas anderes sind als jede Art von politischem, kulturellem, psychologischem oder religiösem Proselytismus. Die Kirche wächst in der Welt dank ihrer Anziehungskraft, und „wenn man Jesus mit dem Gefühl des Glücks darüber folgt, von ihm angezogen zu sein, werden die andere das bemerken. Und sie können darüber staunen.“

Mission nicht vom Schreibtisch aus

Aus der Botschaft an die Päpstlichen Missionswerke geht klar die Absicht des Papstes hervor, die schädliche Tendenz einzudämmen, die Mission als etwas Elitäres zu betrachten, als etwas, das vom Schreibtisch aus und unter Anwendung aggressiver Strategien geleitet und gelenkt werden soll. Aus dem päpstlichen Text ergibt sich auch, dass der Bischof von Rom dies als ein gegenwärtiges Risiko einstuft.

Deshalb gehen seine Worte weit über die päpstlichen Missionswerke hinaus, auf die er sich in seinem Text zunächst bezieht. Um Selbstbezogenheit, das Streben nach Befehlsgewalt und die Zuweisung der missionarischen Tätigkeit an „eine höhere Klasse von Spezialisten“ zu vermeiden, die das Volk der Getauften als eine träge Masse betrachten, die wiederbelebt und mobilisiert werden muss, erinnert Franziskus an einige der charakteristischen Züge der christlichen Mission: Dankbarkeit und Unentgeltlichkeit, Demut, Nähe zum Leben der Menschen - dort, wo sie sind und so, wie sie sind – sowie eine besondere Aufmerksamkeit und Fürsorge für die Kleinen und die Armen.

(vatican news - cs)

22 Mai 2020, 11:30