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Johannes Paul II. beim interreligiösen Friedensgebet in Assisi Johannes Paul II. beim interreligiösen Friedensgebet in Assisi  (Vatican Media) Leitartikel

Diese Hände, für alle ausgestreckt

Die hundert Jahre eines großen Papstes: Johannes Paul II., ein Pontifex, der auf dem vom Konzil vorgezeichneten Weg mutig voranschritt. Anmerkungen eines langjährigen Vatikanisten.

Andrea Tornielli – Vatikanstadt

Die 80er Jahre waren eine an Dramen reiche Zeit unserer jüngeren Geschichte, ein Atomkrieg schien nahe. Da rief am 27. Oktober 1986 Johannes Paul II. mutig und gegen kircheninterne Widerstände Vertreter der Weltreligionen nach Assisi. Das Zusammensein so vieler Religionsvertreter zum Gebet, so sagte Johannes Paul damals, sei „eine Einladung an die heutige Welt, sich bewusst zu werden, dass es eine andere Dimension des Friedens und eine andere Art der Friedensförderung gibt, die nicht das Ergebnis von Verhandlungen, politischen Kompromissen oder wirtschaftlichem Feilschen ist, sondern das Ergebnis des Gebets.” Das Gebet seinerseits „bringt in aller Vielfalt der Religionen eine Beziehung zu einer höchsten Macht zum Ausdruck, die unsere menschliche Fähigkeit allein übersteigt. Wir sind hier", fügte Papst Wojtyla hinzu, „weil wir sicher sind, dass ein intensives und demütiges Gebet, ein vertrauensvolles Gebet notwendig ist, wenn die Welt endlich ein Ort des wahren und dauerhaften Friedens werden soll.”

An diesem 18. Mai feiern wir den hundertsten Jahrestag der Geburt des großen Papstes, der von auswärts kam und der in seinem langen Petrusdienst die Kirche in das neue Jahrtausend führte. Er sah der den Fall der Mauer, die Europa in zwei Teile spaltete. Er hoffte auf den Beginn einer neuen Ära des Friedens, aber stattdessen war er - bereits alt und krank - mit neuen Kriegen und einem destabilisierenden und unbarmherzigen Terrorismus konfrontiert, der den Namen Gottes missbraucht, um Tod und Zerstörung zu säen. Und um dagegen anzukämpfen, hat Johannes Paul noch im Januar 2002 in Assisi die Religionen erneut einberufen, ohne jemals der Ideologie des Kampfes der Kulturen nachzugeben, indem er bis zum Schluss alles auf die Begegnung zwischen den Völkern, Kulturen, Religionen ausgerichtet hat.

Eine überbordende Menschlichkeit

Johannes Paul hat einen festen Glauben an den Tag gelegt, eine Askese als großer Mystiker, eine überbordende Menschlichkeit. Er sprach zu allen und ließ keinen Stein auf dem anderen, um den Ausbruch eines Konflikts zu verhindern, friedliche Übergänge zu fördern und Frieden und Gerechtigkeit zu unterstützen. Er reiste weit über den Globus, um die Völker der Welt bei der Verkündigung des Evangeliums zu umarmen. Er kämpfte für die Verteidigung der Würde jedes menschlichen Lebens. Er machte einen historischen Besuch in der Synagoge von Rom. Er überschritt die Schwelle einer Moschee, als erster Papst in der Geschichte. Er segelte auf der vom Zweiten Vatikanischen Konzil festgelegten Route. Er war in der Lage, neue und unerforschte Wege zu gehen, und er erklärte sich auch bereit darüber zu reden, wie der Petrusdienst zur Förderung der Einheit der Christen ausgeübt werden kann. Sein Zeugnis ist so aktuell wie eh und je.

 

Andrea Tornielli ist Chefredakteur der vatikanischen Medien.

 

(vatican news - gs)

17 Mai 2020, 09:00