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Papst Franziskus mit seinem Sozialminister, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson Papst Franziskus mit seinem Sozialminister, Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson  (Vatican Media)

Vatikan: In Corona-Zeiten ans Morgen denken

Erst vor Kurzem hat Papst Franziskus einen Corona-Hilfsfonds eingerichtet, doch er denkt auch an die mittel- und langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Pandemie. Der Präfekt des Dikasteriums für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen gibt im Interview mit Radio Vatikan Einblicke in die Arbeit der an seinem Dikasterium eingerichteten Arbeitsgruppen, die Auswege aus dem Notstand aufzeigen und über die Zukunft nachdenken sollen.

Massimiliano Menichetti und Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

Während Forschende noch nach Impfstoffen und Behandlungsmethoden suchen, malen die Prognosen des Internationalen Währungsfonds ein düsteres Bild. Von einem Rückgang des weltweiten Bruttoinlandsprodukts 2020 um drei Prozent ist die Rede, schlimmer noch als die Weltwirtschaftskrise, die die reichsten Nationen 1929 in die Knie zwang, zu verheerenden politischen Umbrüchen führte und zehn Jahre später in einen gewaltigen Krieg mündete. Derartige Entwicklungen dürfen sich nicht wiederholen, deshalb ist die Corona-Krise eine Zeit, „in der wir lernen müssen, die Verantwortung für unser gemeinsames Haus zu tragen, wie es Papst Franziskus in seiner Enzyklika Laudato sì so prophetisch formuliert hat,“ stellt Kardinal Peter Kodwo Appiah Turkson fest.

„Der Papst ist überzeugt, dass wir uns in einer Zeit des Wandels befinden. Und er denkt darüber nach, was nach dem Notstand kommt“

Der Papst habe ihm bei mehreren Privataudienzen seine Besorgnis über die weltweite Corona-Krise und deren Folgen anvertraut, erläutert der afrikanische Kurienkardinal. Er habe ihn und sein Dikasterium gebeten, unverzüglich zu handeln: „Der Papst ist überzeugt, dass wir uns in einer Zeit des Wandels befinden. Und er denkt darüber nach, was nach dem Notstand kommt, welche wirtschaftlichen und sozialen Folgen die Pandemie haben wird und wie die Kirche ein sicherer Bezugspunkt für eine Welt sein kann, die in dieser Ausnahmesituation alle Bezugspunkte verloren hat.“

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Um hier schnelle Hilfen anbieten zu können, die den Bedürfnissen der Ortskirchen Rechnung tragen, habe sein Dikasterium die Covid-Kommission in fünf Arbeitsgruppen gegliedert. „Wir haben eine Leit- und Koordinierungsstelle eingerichtet, die die Maßnahmen absteckt, die heute und morgen getroffen werden müssen,“ erläutert der Ghanaer Turkson. „Wir müssen über das Heute hinausblicken, denn wenn wir nicht an morgen denken, werden wir wieder unvorbereitet sein.“

Eine Arbeitsgruppe der Kirche

Die Kommission arbeite mit Caritas Internationalis und mehreren weiteren Vatikan-Stellen zusammen, gab Turkson bekannt: mit dem Staatssekretariat, der Medienbehörde, den Päpstlichen Akademien der Wissenschaften und des Lebens, dem vatikanischen Almosenamt, der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und mit der Vatikan-Apotheke. So zeige sich auch die Geschlossenheit und Reaktionsfähigkeit der Kirche, wie es Turkson beschreibt.

„Die erste Arbeitsgruppe arbeitet mit Caritas Internationalis zusammen. Sie hilft den Ortskirchen, die tatsächlichen Bedürfnisse zu ermitteln und wirksame Antworten zu finden. Und sie tauscht sich mit Nuntiaturen und Bischofskonferenzen über gesundheitliche und humanitäre Fragen aus. Besonders gefährdete Gruppen wie beispielsweise Häftlinge dürften nicht vergessen werden,“ so der Kardinal.

Eine weitere Aufgabe der verschiedenen Arbeitsgruppen sei – neben dem Austausch mit den verschiedenen Partnern – auch die Bewusstseinsbildung. Man wolle zu mehr Einsatz anregen, mit Hilfe einer vom Staatssekretariat koordinierten Gruppe mögliche Initiativen zusammen mit anderen Ländern ins Auge fassen und - auch das - die notwendigen Mittel zur Verfügung stellen.

Ein Netzwerk der Nächstenliebe

Zu diesem Zweck sei das gesamte Netzwerk der Nächstenliebe und Solidarität der kirchlichen Welt mobilisiert worden. „Es ist wichtig, jetzt darüber nachzudenken, was als Nächstes kommt, nicht unvorbereitet zu sein. Die Gesundheitskrise hat bereits eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Und wenn die Wirtschaftskrise nicht sofort angegangen wird, kann eine soziale Krise folgen,“ mahnt Turkson.

Alles in allem will die von Papst Franziskus ins Leben gerufene Corona-Kommission also einen Beitrag zur Bewältigung der humanitären Krise wie auch ihrer gesellschaftlichen Folgen leisten. Das Kirchenoberhaupt hatte seine Entwicklungsbehörde am 20. März angewiesen, eine solche Kommission einzurichten. Am 27. März informierte Kardinal Turkson den Papst über die Beschaffenheit der Arbeitsgruppe mit ihren fünf Einheiten.

Geleitet wird die Kommission von einem dreiköpfigen Direktorium, teilte das Dikasterium am Mittwoch mit. Darin sind neben Kardinal Turkson selbst der Sekretär der Behörde, Bruno-Marie Duffé, sowie der vor wenigen Tagen zum beigeordneten Sekretär ernannte argentinische Kurienpriester Augusto Zampini vertreten.  

(vatican news - skr)

15 April 2020, 16:51