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Schon einen Spalt breit offen: Die Tür zum vatikanischen Außenpolitik-Archiv Schon einen Spalt breit offen: Die Tür zum vatikanischen Außenpolitik-Archiv 

Vatikan-Erzbischof über Archive: „Neues Licht auf viele Fragen“

Welche der bisher verschlossenen Akten aus dem Pontifikat von Pius XII., die am Montag freigegeben werden, bergen die größten Überraschungen? Der vatikanische „Außenminister“ Erzbischof Paul Richard Gallagher sagte uns, aus dem historischen Archiv seiner Abteilung würden „unerwartete Dokumente auftauchen, die neues Licht auf viele Fragen werfen“.

Pius XII. regierte fast zwei Jahrzehnte von 1939 bis zu seinem Tod 1958, sein Pontifikat umfasst den gesamten Zweiten Weltkrieg und das erste Viertel des Kalten Krieges. Von großem Interesse sei etwa ein bisher unbekannter Bestand vatikanischer Dokumente zu multilateraler Politik, erklärte der britische Kurienerzbischof, ohne auf Inhalte einzugehen. Es handle sich um fast 100.000 Dokumente, alle liegen in digitalisierter Form vor. Gallagher hob auch die Dokumente eines von Ordensfrauen getragenen Radio-Hördienstes hervor. „Vom Mai 1944 bis zum Ende des Krieges hin war eine Gruppe von Schwestern dazu abgestellt, die wichtigsten Radiosender zu hören; sie transkribierten die Programme, die Nachrichten vom Krieg brachten, und informierten in Echtzeit die Vorgesetzten des Staatssekretariats“, erklärte Gallagher. Der Hördienst der Ordensfrauen habe Radiosender auf mehreren Kontinenten umfasst.

Pius XII. wollte Verhandlungen mit Sowjets anbahnen

An vatikanischen Friedensbemühungen aus der Nachkriegszeit hob Gallagher den Einsatz von Ordensleuten hervor, die Papst Pius XII. entsandt habe, um mit Vertretern der Sowjetunion Verhandlungen anzubahnen. „Die Quellen, die bereits zur Verfügung stehen, sprechen vom Willen von Pius XII., einen Modus vivendi zu finden, ein Schlüsselwort der sogenannten Ostpolitik“, erklärte der aktuelle vatikanische Außenminister.

Während des Krieges sei der Pacelli-Papst „ein mutiger Diplomat“ gewesen. Er habe „grenzenlose Nächstenliebe“ an den Tag gelegt, die im Vatikan „nicht von allen verstanden und geteilt“ worden sei, erklärte Gallagher. „Aus den Dokumenten werden klar die Anstrengungen hervorgehen, die Papst Pius unternahm, um den Hilfsgesuchen zugunsten der Verfolgten und der Bedürftigen in Lebensgefahr nachzukommen.“ Zugleich werde auch „der Hass des Nationalsozialismus auf die katholische Kirche und den Papst“ zutage treten.

Die umfangreiche Archivlandschaft im Vatikan

Das Historische Archiv der Abteilung für die Beziehungen mit den Staaten ist ein eigenständiges Archiv des Heiligen Stuhles. Es verwahrt die Dokumente, die in der für Außenpolitik zuständigen Abteilung des Staatssekretariats anfallen. Gallagher bezifferte die Bestände des außenpolitischen Archivs auf zwei Millionen Dokumente und 323 Regalmeter. Die Dokumente der ersten zehn Jahren, rund 1,3 Millionen, seien vollständig digital erfasst.

Die Öffnung der Akten des Pacelli-Pontifikates war seit 14 Jahren vorbereitet worden, fasste das Apostolische Vatikanische Archiv (früher: Geheimarchiv) in einer Aussendung am Sonntag zusammen. Insgesamt stehen ab 2. März 2020 sieben vatikanische Archive der Forschung offen. Neben dem Apostolischen und dem außenpolitischen Archiv sind das die Archive der Glaubenskongregation, der Missionkongregation, der Ostkirchenkongregation, des Apostolischen Pönitentiarie sowie der Bauhütte von Sankt Peter.

(vatican news - gs)

01 März 2020, 14:28