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Vatican News

Corona legt auch in Afrika und Asien das (religiöse) Leben lahm

In Afrika steigt die Zahl der Menschen, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, weiter an. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab es am Montagnachmittag auf dem Kontinent 1.397 bestätigte Fälle.

In Westafrika verzeichnet Burkina Faso die höchste Fallzahl. Nach Angaben der Regierung sind es mittlerweile 99. In Mali, Guinea Bissau und Sierra Leone sind weiterhin offiziell keine Fälle bestätigt.

In Nigeria hat es laut dem Zentrum für Seuchenbekämpfung (NCDC) mittlerweile den ersten Todesfall gegeben. Insgesamt kommt Afrikas bevölkerungsreichster Staat auf 36 Corona-Patienten. In Burkina Faso sind mehrere Politiker positiv getestet worden. Das Land hat bereits eine Ausgangssperre verhängt, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Pfingstkirche in Nigeria ignoriert die Schließungen

Dafür sorgen soll in zahlreichen Ländern auch die Schließung von Kirchen und Moscheen. In Nigeria erklärte allerdings der Pastor der Winner's Chapel, einer großen Pfingstkirche, weiterhin Gottesdienste feiern zu wollen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Sahara Reporters ist es in der Hauptstadt Abuja am Sonntag zu einem Polizeieinsatz vor der COZA-Kirche, einer jungen Freikirche, gekommen. Auch dort hatten sich Gottesdienstbesucher getroffen und gegen das Versammlungsverbot von mehr als 50 Menschen verstoßen.

In Kenia kam es lokalen Medien zufolge ebenfalls am vergangenen Wochenende zu Zusammenstößen zwischen Gläubigen und der Polizei. Auslöser der Gewalt waren demnach etliche Gottesdienstbesucher, die ein Versammlungsverbot wegen der Corona-Pandemie missachtet haben sollen. In der Hafenstadt Mombasa stürmten die Sicherheitskräfte den Sonntagsgottesdienst einer Freikirche, um die Gläubigen auseinanderzutreiben.

Im Kibera-Slum in Nairobi/Kenia wurde am Sonntag eine große Messe gefeiert - trotz Corona
Im Kibera-Slum in Nairobi/Kenia wurde am Sonntag eine große Messe gefeiert - trotz Corona

Chaotische Szenen in Kenia

Auch nahe der Hauptstadt Nairobi sei es kurzzeitig zu chaotischen Szenen gekommen, berichtet die Zeitung „Standard“. Dort soll die Polizei die Gemeinde einer katholischen Kirche kurz vor Beginn des Gottesdiensts mit Tränengas vertrieben haben. Ein katholischer Gottesdienst in Mombasa sei ebenfalls von den Behörden vorzeitig beendet worden. Ein Polizeisprecher warb angesichts der weltweiten Gesundheitskrise um Verständnis. Die Maßnahmen dienten dem Wohl aller Kenianer.

Kritik an Tansanias Präsident

Der tansanische Präsident John Magufuli steht derweil wegen seines Aufrufs in der Kritik, wonach Bürger des ostafrikanischen Landes trotz der Pandemie die Gottesdienste besuchen sollten. In einer vollen Kirche habe der bekennende Katholik die Schließung von religiösen Einrichtungen ausgeschlossen, berichtete die kenianische Zeitung „Standard“. Den Gläubigen habe das Staatsoberhaupt versichert: „Im Leib Christi wird Corona nicht überleben, es wird verbrennen.“ Er selbst habe „ohne Panik“ die Kommunion entgegengenommen.

Während der Staatspräsident in der Kirche Applaus erhielt, sind die Kritiker entsetzt. „Präsident Magufuli enttäuscht schon wieder“, schrieb ein Kommentator; ein weiterer rief die Tansanier auf, „nicht auf die Regierung zu warten“ und eigenständig Schutzmaßnahmen gegen Covid-19 zu ergreifen. Ein Vertreter der Opposition forderte zu Wochenbeginn die Schließung von Kirchen und Moscheen und appellierte an Magufuli, „nicht mit der Wissenschaft zu streiten“.

Ausgangssperre in Jammu/Indien
Ausgangssperre in Jammu/Indien

Indien: Priester zelebriert trotzdem - verhaftet

In Asien beeinträchtigt das Coronavirus den Alltag und das religiöse Leben in immer mehr Ländern. Im indischen Bundesstaat Kerala wurde ein katholischer Priester verhaftet, weil er trotz Verbots in seiner Kirche einen Gottesdienst mit mehr als 100 Teilnehmern abgehalten hatte. Ebenso seien 50 Teilnehmer festgenommen worden, berichtete das katholische Nachrichtenportal Matters India am Montag. Er sei inzwischen wieder gegen Kaution auf freiem Fuß.

Indiens Premierminister Narendra Modi verfügte am Montag auf unbestimmte Zeit die Sperrung von 75 Distrikten, darunter die Millionenstädte Mumbai, Kalkutta und Neu Delhi. Am Sonntag folgte die große Mehrheit der Inder Modis Aufruf, für 14 Stunden ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

Dhaka: weiterhin öffentliche Gottesdienste

Im mehrheitlich islamischen Bangladesch sorgt die Entscheidung der Erzdiözese Dhaka, weiterhin öffentliche Gottesdienste und andere religiöse Veranstaltungen zu gestatten, unter Katholiken für Empörung und Unverständnis, wie der asiatische Pressedienst Ucanews am Montag berichtete. Fünf der acht Bistümer haben bisher auf unbestimmte Zeit die Teilnahme der Öffentlichkeit an Liturgien in Kirchen verboten. Als Alternative wird auf das Livestreaming von Gottesdiensten verwiesen.

Auch in Indonesien schwenken Kirchen auf Onlinegottesdienste um, nachdem die Bischofskonferenz alle Bistümer angewiesen hat, religiöse Feiern für die Öffentlichkeit einzustellen. Nach Angaben des „Katholischen Netzwerkes gegen Covid-19“ haben bereits mindestens 30 der 37 Bistümer Indonesiens die Kirchenschließungen über Hirtenbriefe bekanntgegeben.

Schlangestehen in Colombo/Sri Lanka
Schlangestehen in Colombo/Sri Lanka

Sri Lanka: Fasten und Gebet gegen das Virus

Covid-19 fordert auch in Sri Lanka seinen Tribut. Die für 25. April vorgesehene Parlamentswahl wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, es gelten Ausgangsbeschränkungen und ein Verkaufsverbot für Alkohol. Am Sonntag folgten laut Ucanews Tausende dem Aufruf der Bischofskonferenz zum Fasten und Beten gegen das Virus.

Erzbischof Virgilio do Carmo da Silva von Dili, der Hauptstadt Osttimors, ließ für zunächst eine Woche alle Schulen und Kirchen schließen, berichtete Ucanews am Montag. Bereits vorige Woche wurde bekannt, dass Papst Franziskus seinen für September geplanten, aber noch nicht offiziell bestätigten Besuch in Osttimor sowie im mehrheitlich islamischen Indonesien wegen der Pandemie abgesagt hat.

(kna – sk)
 

24 März 2020, 10:49