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Die Basilika Sankt Paul vor den Mauern mit einer Statue des Völkerapostels Die Basilika Sankt Paul vor den Mauern mit einer Statue des Völkerapostels 

Radio-Akademie (4): Hilfe, Paulus hat uns einen Brief geschrieben!

Wenn Paulus einer christlichen Gemeinde irgendwo in der Welt einen Brief schrieb, dann war das eine Art „Staatsaffäre“: Die Briefe – nach antiken Begriffen eigentlich schon Bücher – wurden von Boten zugestellt, und der Völkerapostel ging davon aus, dass sie im Gottesdienst verlesen wurden.

Stefan von Kempis - Vatikanstadt

Das sagt der deutsche Priester und Kirchenhistoriker Stefan Heid, neuer Rektor des Päpstlichen Instituts für christliche Archäologie in Rom, in unserer Radio-Akademie über das frühe Christentum.

Paulus habe die Briefe wohl auf teures Pergament – „sicher nicht auf Butterbrotpapier!“ – geschrieben, damit sie sich erhielten. „Das hat den Paulus ein Vermögen gekostet.“ In diesen Texten wurde nichts Banales verhandelt: Hier legte der unermüdlich missionierende Apostel seine theologische Summe vor, sein „Testament“.

Paulus schrieb den Römern, obwohl er sie gar nicht kannte

Das gilt, wie Heid ausführt, vor allem für den Römerbrief – „obwohl er die Römer gar nicht kannte“. „Da hat er alles hineingeschrieben, was ihm auf dem Herzen lag – über Juden, Heiden, die Kirche.“ Letztlich seien die Briefe für die ganze Weltkirche bestimmt gewesen.

Hier können Sie einen Ausschnitt aus unserem Gespräch mit Msgr. Heid hören.

Mit Verve widerspricht der Experte gängigen Vorstellungen, dass der Adressat dieser Paulusbriefe, etwa in Rom, ein Ensemble verstreuter christlicher Hauskirchen gewesen sei. „Können Sie sich das vorstellen? Dann müsste man ja für Rom ungefähr fünfzig lesekundige Christen haben. Überraschung – die kannst du mit der Lupe suchen in der damaligen Zeit! Man war schon froh, wenn man e i n e n hatte, der lesen konnte…“

„Man war schon froh, wenn man e i n e n hatte, der lesen konnte“

Er könne sich nicht vorstellen, dass „so ein kapitaler Brief damals von Hauskirche zu Hauskirche transportiert“ worden sei, so Msgr. Heid. Auch einzelne Kopien für jede angebliche Hauskirche kann er sich nicht vorstellen. „Dafür hatte man damals Millionär sein müssen, so teuer war das. Unbezahlbar!“ Immerhin konnte Paulus aber darauf setzen, dass die römische Kirche („die war immer wohlhabend“) es sich leisten konnte, seinen Brief in die ganze damalige Christenheit weiterzuverbreiten.

„Stellen Sie sich mal vor: Da kommt so ein Brief des berühmten Paulus, dessen Briefe ja schon überall bekannt waren – der schreibt der römischen Gemeinde einen Brief. Den will doch jeder hören! Auch wenn er’s nicht versteht.“ Heid geht davon aus, dass der Brief „an einem zentralen Ort“ in Rom „unter höchster Anspannung aller“ öffentlich verlesen worden sei.

Das frühe Christentum war nicht hinterwäldlerisch

„Das muss man sich wirklich sensationell vorstellen. Man darf sich das frühe Christentum nicht als ein Hinterwäldler-Christentum vorstellen – es hat auch schon um 60 nach Christus etwas repräsentiert.“

Bestellen Sie unsere CD!

Radio Vatikan strahlt die Radio-Akademie mit Msgr. Heid jeden Sonntag im Februar in der jeweiligen Abendsendung aus. An diesem Sonntag ist der dritte Teil dran. Wenn Sie sich dafür interessieren, bieten wir Ihnen eine CD der ganzen Radio-Akademie an. Sie können Sie gegen einen Unkostenbeitrag oder eine Spende bei cd@vaticannews.de bestellen.

Der aus Bad Homburg stammende Heid studierte und habilitierte sich in Bonn. Seit 2001 ist er Professor für Liturgiegeschichte und Hagiographie am Päpstlichen Institut für Christliche Archäologie in Rom; vor einer Woche wurde er vom Präfekten der vatikanischen Bildungskongregation, Kardinal Giuseppe Versaldi, zum Rektor des Instituts ernannt. Heid ist Priester der Erzdiözese Köln und auch Direktor des Römischen Instituts der Görres-Gesellschaft.

(vatican news)
 

19 Februar 2020, 15:41