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Schwedische Königin im Interview: Papst unternimmt viel für Kinderschutz

Die Schwedische Königin Silvia hat im Gespräch mit Radio Vatikan Papst Franziskus für seinen Einsatz für den Kinderschutz gedankt. Silvia von Schweden nahm an der im Vatikan durchgeführten Tagung der „World Childhood Foundation“ teil.

Mario Galgano und Katarina Agorelius - Vatikanstadt

Kinderschutz sei für die gesamte Gesellschaft ein wichtiges Thema, so Silvia von Schweden im Gespräch mit Radio Vatikan. Vor 20 Jahren hätte niemand darüber gesprochen, so die schwedische Königin. Sie nahm an der zweitägigen interreligiösen Konferenz teil, die in den Vatikanischen Gärten durchgeführt wurde. Themen waren der Kampf gegen Kinderpornografie, Missbrauch, Kinderhandel und jugendgefährdende Inhalte im Internet. Dazu waren rund 80 Vertreter von Hilfsorganisationen, Medien und internationalen Organisationen sowie aus Politik und Religion geladen.

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„Ich kam zu einem Punkt, an dem ich dachte, ich könnte vielleicht helfen, ich könnte helfen, ein sehr schwieriges Thema zu beleuchten. Ich bin ja keine politische Figur, aber ich möchte ein sehr wichtiges Thema für die Menschheit und zwar den sexuellen Missbrauch von Kindern, in den Vordergrund stellen. Deshalb habe ich vor zwanzig Jahren die ,World Childhood Foundation´ gegründet.“

Interview mit Silvia von Schweden
Interview mit Silvia von Schweden

Es sei ein schwieriger Moment gewesen, denn sie fühlte sich „ziemlich allein“. Es sei ein „sehr trauriges Thema“. Immerhin trauten sich jetzt jeder, darüber zu sprechen, fügt sie an.

„Und wenn Sie darüber sprechen, können Sie Dinge ändern. Deshalb freue ich mich sehr, hier im Vatikan zu sein, um all diesen Experten zuzuhören - es sind sehr wichtige Organisationen anwesend, aber auch, dass Seine Heiligkeit die religiösen Führer eingeladen hat; das ist wunderbar. Hier konnte man also alle religiösen Führer hier im Vatikan sehen, die miteinander sprachen und über die Probleme sprachen, denn sie sind natürlich sehr sehr wichtig, um nicht nur die Politiker in ihren Heimatländern, sondern auch die Schulen und Lehrer zu ermuntern. Es ist wichtig, dieses Thema anzusprechen und wie man den Kindern helfen kann, ihnen zu helfen, nicht ausgebeutet zu werden.“

Sie sei sehr optimistisch und es gebe mittlerweile so viele Organisationen, „die mit diesem schrecklichen Problem arbeiten“. Es habe auch sehr erfolgreiche Programme wie NetClean gegeben.

„Ich weiß nicht, ob Sie davon gehört haben, aber NetClean ist eine Gruppe in Schweden. Ich habe mit diesem Programm gearbeitet, um die Täter zu finden. Es ist eine Software, könnte man sagen, eine Software, die Sie in einem Unternehmen an einem Computer anwenden. Wenn also jemand kinderpornografisches Material herunterlädt, wird die Polizei alarmiert. Und die Polizei kann das Material sichern, damit es nicht gelöscht wird, und sie kann das Material studieren und gelangt dann natürlich zu den Tätern. Jetzt ist NetClean in 110 Ländern vertreten, und es wurden viele Täter identifiziert, aber nicht nur die Täter, sondern auch die Kinder, und so konnte ihnen geholfen werden. NetClean hat also eine wundervolle Arbeit geleistet und sie arbeiten jetzt auch international mit Kanada und Australien zusammen. Es ist also ein sehr wichtiges Werkzeug, auf das wir sehr stolz sind, denn Childhood ist das erste, das jungen Ingenieuren hilft, NetClean zu entwickeln.“

Das Beispiel der Barnahus

Als zweites Beispiel nennt Silvia von Schweden die sogenannten Advocacy-Zentren oder „Barnahus“, wie sie in Schweden genannt werden.

„So hat Schweden jetzt über fünfzig Barnahus, aber ich denke, Childhood war die erste, die dieses Advocacy-Zentrum in Schweden organisiert hat. Und jetzt haben wir es in vielen, vielen Ländern – ein zweites Zentrum befindet sich in Deutschland -, was sehr wichtig ist, weil es vermeidet, dass ein Kind vor Gericht anwesend sein muss. Denn ein Kind, das sexuell missbraucht wurde, muss die Geschichte immer wieder erzählen, manchmal achtmal, neunmal und natürlich ist dies für ein Kind ein schrecklicher Moment. Aber diese ,Barnahus´ oder auch Kindheitshäuser genannt, bringen das Kind mit Experten in dieses Zentrum. Es gibt Psychologen, mit denen sie über das, was passiert ist, sprechen können, so dass ein Kind die Frage versteht. Und das wird gefilmt und wenn der Richter eine Frage hat, auf die er eine Antwort haben muss, kann er an diesen Ort kommen und das Kind durch den Psychologen oder durch die Polizei fragen. Und dann filmen sie es und dieser Film wird vor Gericht gezeigt, damit das Kind nicht vor Gericht erscheinen muss und das ist wirklich hilfreich.“

Silvia von Schweden sei auch froh darüber, dass an der Vatikan-Konferenz nicht nur religiöse Führer waren sondern auch Internet-Organisationen wie Facebook, Google und Amazon.

„All diese großen Organisationen waren da, damit jeder merkt: Jetzt müssen wir wirklich etwas tun und zwar gemeinsam, damit wir was ändern können. Es reicht nicht aus, Gesetze zu ändern, die viele Länder zum Schutz des Kindes erlassen haben, jetzt muss jeder gemeinsam handeln und mitmachen, und ich finde es wirklich wunderbar, zu sehen, dass die Bereitschaft jetzt da ist.“

Kommende Woche findet eine weitere Konferenz in Stockholm statt. Das schwedische Königshaus habe darüber nachgedacht, auch in Bezug auf die Digitalisierung etwas zu unternehmen, so Silvia von Schweden.

(vatican news)

16 November 2019, 12:33