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Synodenleben Synodenleben  (AFP or licensors)

Synoden-Endspurt: Ein Korrespondentenbericht

Die Schlussphase der Amazonien-Synode ist eingeleitet. Derzeit nehmen die 12 Sprachgruppen den Entwurf des Schlussdokuments nochmals ins Visier. Unsere Kollegin Gudrun Sailer nimmt als Beobachterin an der Synode teil. Wir haben sie gefragt, wie die Arbeiten vorangehen.

Gudrun Sailer: Die Arbeiten gehen zügig voran, auch mit einem gewissen Druck. Denn die Synode dauert zwar drei Wochen, vier Sonntage und die drei Wochen dazwischen, aber die Teilnehmenden empfinden jetzt gegen Ende die Zeit trotzdem als kurz. Warum? Weil in den zwölf Kleingruppen – zu je 20 bis 25 Personen - Unbehagen an dem Entwurf des Schlussdokuments zur Sprache kommt. Der Text ist lang, zu lang aus Sicht vieler, und zugleich fehlt etwas. Also werden viele Änderungsvorschläge eingebracht werden, Absatz für Absatz, Wort für Wort. Das alles ist freilich normal bei einer Synode. Es ist eben ein gemeinsames Suchen. Am Ende, so die Hoffnung derer, die ich hier höre, wird ein gutes Dokument stehen, das man dem Papst aushändigt.

Warum wurde der Entwurf des Schlussdokuments nicht veröffentlicht?

Gudrun Sailer: Das war nicht vorgesehen. Im Unterschied zu früheren Synoden, wo etwa Zwischenberichte veröffentlicht – und teils heftig kritisiert wurden – hat man sich nun entschlossen, die Arbeit nicht durch öffentliche Debatten zu beeinträchtigen. Abgesehen davon ist die Öffentlichkeitsarbeit bei der Synode beträchtlich. Es gibt jeden Tag Pressebriefings mit fünf bis sechs Synoden-Teilnehmenden auf dem Podium. Die teilen ihre Eindrücke mit und tragen dazu bei, dass die Synode wirklich als Prozess begriffen wird, nicht nur von denen, die teilnehmen, sondern auch von der interessierten Öffentlichkeit.

Wie geht es jetzt weiter bis zum Sonntag, an dem Papt Franziskus die Schlussmesse feiert?

Gudrun Sailer: An diesem Dienstagabend bis 19:15 Uhr müssen die Sprachzirkel ihre Änderungswünsche für das Schlussdokument abgeben. Das wird noch ziemlich hektisch, so wie ich das hier erlebe, da sind auch Emotionen im Spiel, zugleich die Gewissheit, dass alle miteinander arbeiten und dieser Text nicht von einer einzigen oder wenigen Personen abhängt. Mittwoch, Donnerstag und Freitagvormittag steht für die meisten Teilnehmenden „vacanza“ auf dem Stundenplan, also Ferien.

Wobei diese Ferien aber nicht für alle gelten, richtig?

Gudrun Sailer: Richtig, das ist die heiße Arbeitsphase für das Redaktionskomitee, die alle Änderungswünsche einarbeitet oder auch verändert oder verwirft. Die nächste Generalversammlung ist dann Freitagnachmittag, dabei wird allen Anwesenden die Schlussfassung vorgelesen und ausgehändigt, damit sie das in der Nacht und Samstagvormittag noch durchackern können, ehe am Samstagnachmittag die Synodenväter Absatz für Absatz über das Schlussdokument abstimmen. Die Absätze mit Zweidrittelmehrheit gelten dann als angenommen. Dann werden noch Schlussreden gehalten und zum Schluss gemeinsam das Te Deum gesungen. Am Sonntag dann die große feierliche Abschlussmesse mit dem Papst im Petersdom.

(vatican news)

22 Oktober 2019, 12:23