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Yessica Patiachi vom Amazonas-Volk der Harakbut Yessica Patiachi vom Amazonas-Volk der Harakbut 

Indigene: „Entscheidungen nicht immer nach hinten verschieben!“

Es gibt große Ideen, wie den Christen am Amazonas geholfen werden kann. Die Realität sieht schlimm aus, die Umwelt wird zerstört, den Menschen geht es schlecht, und vor allem den Katholiken fehlen ganz einfach die Priester. Darauf wiesen die Dutzenden Indigenen hin, die an der Amazonien-Synode teilnahmen. Aber was denken die Indigenen, die in Amazonien leben, eigentlich über die Diskussionen, die gerade in Rom geführt werden?

Renardo Schlegelmilch - Vatikanstadt

Yesica Patiachi vom Volk der Harakbut aus Peru ist Gast der Amazonas-Synode. Papst Franziskus hatte sie persönlich eingeladen, offensichtlich, weil sie ihn bei seinem Peru-Besuch im vergangenen Jahr beeindruckt hatte. Yesica ist 31 Jahre alt, Mutter und Lehrerin. Der katholische Glaube sei ihr wichtig. Akuter Priestermangel herrsche in ihrer Heimat. In Europa, in Rom, sehe das anders aus.

„Eines will ich klar sagen: Bei uns im Amazonas fehlen die Priester. Ich bin nach Rom gekommen, hier habe ich Kirchen gesehen, wo ein Priester mit einem Gläubigen den Gottesdienst gefeiert hat. Face to Face. Bei uns am Amazonas kommt der Priester einmal im Jahr, und dann sind alle da.“

Zum Nachhören

Die Synode habe über verschiedene Ideen beraten; wie die Kirche damit umzugehen habe. Unter anderem ging es um einen eigenen katholischen Ritus für den Amazonas, wie es ihn auch beispielsweise in Afrika oder in den Ostkirchen gibt. Eine andere Idee sind die sogenannten „Viri probati“, also verheiratete Männer, die zu Priestern geweiht werden könnten. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Synode am Wochenende genau diese Empfehlung aussprechen wird. Stark ist aber auch der Gegenwind durch die Skeptiker. Ist die Kirche reif für weitreichende Ausnahmen vom Zölibat?

„Ich bekomme Kopfschmerzen, wenn ich diese Viri probati-Diskussion höre! Der Amazonas kommt gerade in die Notaufnahme, und ihr wollt alle Entscheidungen immer nur nach hinten schieben. Nein, das geht so nicht!“

Akt des Vandalismus

Die Meinungen gehen hier auseinander. Diese Woche gab es in Rom sogar einen Übergriff auf eine Kirche. Eine indigene Fruchtbarkeits-Statue, eine sogenannte „Pachamama“, die bei der Eröffnung der Synode gesegnet wurde, wurde gestohlen und in den Tiber geworfen. Für Yesica kein einfacher Vandalismus, sondern ein beunruhigendes Zeichen.

„Was da passiert ist, zeigt keinen Hass gegen diese Holzfigur, es zeigt Hass gegen uns. Sie repräsentiert uns und unsere Kultur, und das ist nicht angemessen.“

Sie habe immer gedacht, Europa sei die zivilisierte Welt, aber da hätten sich die Bücher wohl geirrt, sagt sie. Solch ein Akt sei der „Gipfel der Dummheit“, und ein Zeichen von Intoleranz. Der Glaube an Gott drücke sich auf verschiedene Arten aus, aber Hass habe nichts mit Gott zu tun. Gegenseitigen Respekt wünscht sie sich, vertraut uns Yesica Patiachi vom Volk der Harakbut aus Peru an.

(vatican news)

25 Oktober 2019, 13:12