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Vatican News
Indigene aus den Philippinen Indigene aus den Philippinen  (AFP or licensors)

Der asiatische Blick auf die Amazonien-Synode: Vieles verbindet

Victoria Lucia Tauli-Corpuz stammt aus den Philippinen und gehört selber einer dortigen indigenen Gemeinschaft an. Tauli-Corpuz ist bei den Vereinten Nationen für die Rechte der Indigenen zuständig und als Gast bei der derzeitigen Amazonien-Synode mit dabei. Sie saß an diesem Dienstag beim täglichen Pressebriefing auf dem Podium.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Als sie begann, sich mit der Amazonien-Synode auseinanderzusetzen, fiel ihr auf, dass in dem Arbeitsdokument die Lage der Indigenen „sehr präzise“ beschrieben werde. Man habe erkannt, dass etliche Indigene „kriminalisiert“ würden. Dies habe oft zu Gewaltsituationen geführt. Hinzu komme – oder hänge auch direkt damit zusammen – dass die Indigenen als „ungelegene Gäste“ betrachtet würden. Sie stünden vielen „Wirtschaftsleuten“ im Wege, die den Urwald als Abbaufläche für sich gewinnen wollten. Da seien die Indigenen nur ein Ballast. Auch die Behörden würden sie vernachlässigen, nicht auf ihre Anliegen hören, fügt die philippinische UN-Beauftragte bei einer Pressekonferenz im Vatikan hinzu.

Wasserzugang in Gefahr

Was Indigene auf der ganzen Welt derzeit am meisten bedrohe, sei der gefährdete Zugang zu Wasser. Viele lebten an Flüssen und seien von den Wasserzufuhren abhängig. In jüngster Zeit stelle sie fest, dass große Unternehmen – oft auch staatliche – Staudämme bauten und so die Lebensgrundlage vieler Indigenen untermauerten. Dort sei ein regelrechter Völkermord im Gange, so die Analyse der Expertin.

„Die Amazonien-Synode kommt zum richtigen Zeitpunkt“, sagt Tauli-Corpuz. „Denn wenn wir an die Umweltkatastrophe im Amazonas-Gebiet denken, dann sprechen wir gleichzeitig von Menschenrechtsverletzungen“. Deshalb hoffe sie, dass die Synode „klare Worte diesbezüglich“ aussprechen werde.

Die Kirche nehme eine wichtige Rolle ein, denn sie sei „eine geistliche und moralische“ Autorität, die weltweit anerkannt und respektiert werde, so Tauli-Corpuz am Dienstag in Rom. „Deshalb sollte sich die Kirche an die Welt, das heißt an alle, wenden.“

Auch auf andere Realitäten übertragbar

Was in Südamerika Sorgen bereite, sei somit auch auf andere Realitäten übertragbar. Auch in Asien gebe es ähnliche Entwicklungen und Probleme. Die Herausforderungen der Indigenen seien deshalb global zu lösen. Dazu gehöre auch der Respekt der Traditionen und das Recht für die Indigenen, ihre Traditionen an ihre Kindern weiterzureichen. Hierzu seien der interkulturelle Austausch und auch der interreligiöse Dialog wichtig, erläutert die UN-Vertreterin.

Während im Amazonas-Gebiet über 500 indigenen Gruppen gezählt werden, setzen sich die indigenen Völker Asiens aus verschiedenen heterogenen Gruppen zusammen. Da ist die Reichweite der indigenen Bevölkerung von den verschiedenen Gruppen in Sibirien bis hin zu den Jarawa auf den Andamanen im Indischen Ozean zu nennen. Wie in Lateinamerika bilden die Indigenen in Asien in ihren Ländern jeweils eine Minderheit. Auf Neuguinea jedoch macht die indigene Bevölkerung den größten Teil der Bevölkerung aus.

Tauli-Corpuz gehört einer indigenen Gruppe auf den Philippen an. In ihrem Land leben etwa sechs Millionen Indigene und man rechnet mit ungefähr 30 verschiedenen indigenen Völkern auf den Philippinen.

(vatican news)

08 Oktober 2019, 15:32