Kardinal William Joseph Levada Kardinal William Joseph Levada 

Früherer Kurienkardinal Levada ist tot

Der emeritierte Kurienkardinal William Joseph Levada ist tot. Er verstarb im Alter von 83 Jahren; der gebürtige US-Amerikaner war emeritierter Präfekt der römischen Glaubenskongregation gewesen.

Er leitete die Kurienbehörde von 2005 bis 2012 als Nachfolger von Kardinal Joseph Ratzinger/Papst Benedikt XVI. Dieser berief seinen früheren Mitarbeiter Levada bald nach seiner Wahl zum Papst an die Spitze des päpstlichen Ministeriums, das sich mit Glaubensfragen beschäftigt.

Der amtierende Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Luis Francisco Ladaria Ferrer, erinnerte sich im Gespräch mit Radio Vatikan mit Dankbarkeit an die vier Jahre seiner Zusammenarbeit mit Levada. „Es waren sehr glückliche Jahre, ich habe großartige Erinnerungen“, so der spanische Kurienkardinal. „An seiner Seite zu sein, hat mich vieles gelehrt, zum Beispiel seine Diskretion, die ein schönes spirituelles Testament darstellt.“

Levada stammte aus dem kalifornischen Long Beach und empfing mit 25 Jahren die Priesterweihe. Er studierte unter anderem in Rom, wo er dem Nordamerikanischen Kolleg angehörte, und promovierte 1971 in Theologie mit einer Arbeit über Unfehlbarkeit und natürliches Sittengesetz. Sieben Jahren wirkte er zunächst als Sachbearbeiter an der Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger. 1983 bestellte Papst Johannes Paul II. Levada zum Weihbischof von Los Angeles, 1985 zum Erzbischof von Portland und 1995 zum Erzbischof von San Francisco.

Vielfältige Aufgaben

Als einziger US-Amerikaner gehörte Levada der Kommission für den Katholischen Weltkatechismus an. Zudem arbeitete er in der amerikanisch-vatikanischen Kommission zur Erstellung von Normen nach dem Missbrauchsskandal mit.

Dieses Thema beschäftigte Levada auch nach seinem neuerlichen Wechsel nach Rom. Als Irland, Deutschland und andere Ortskirchen von Skandalen erschüttert wurden, lag es an seiner Behörde, verbindliche Normen zu präzisieren, bestehende Richtlinien zu veröffentlichen und weltweit umzusetzen.

Nach dem Eklat um den Holocaust-Leugner Richard Williamson musste der Vatikan zu einer Versachlichung des Gesprächs mit den traditionalistischen Piusbrüdern zurückfinden. Die zuständige Kommission „Ecclesia Dei" wurde völlig neu gebildet und direkt Levadas Leitung unterstellt. In seine Amtszeit fielen die Aufhebung der Exkommunikation der Piusbrüder und die bislang erfolglosen Diskussionen um ein Ende der Trennung der Traditionalisten von Rom.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Ratzinger stand Levada nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit, sondern wirkte eher im Stillen. Nachdem er sein vatikanisches Amt niedergelegt hatte, kehrte der gesundheitlich angeschlagene Levada in die USA zurück. 

Statistik

Mit Levadas Tod hat das Kardinalskollegium noch 212 Mitglieder. Anfang Oktober nimmt Papst Franziskus 13 neue Mitglieder auf; gleichzeitig scheiden andere aus Altersgründen aus dem Kreis der Papstwähler aus. Ab Mitte Oktober sind voraussichtlich 124 der dann 225 Kardinäle unter 80 Jahre alt und damit in einem Konklave stimmberechtigt. Von den 14 US-Kardinälen sind neun Papstwähler.

(vatican news/kna – gs)

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27. September 2019, 09:20