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Der deutsche Botschafter Michael Koch, Läuferinnen aus Wittenberg und die Athletica Vaticana Gruppenfoto: Der deutsche Botschafter Michael Koch, Läuferinnen aus Wittenberg und die Athletica Vaticana 

Vatikan: Mit Sport Brücken der Freundschaft bauen

Zwischen dem vatikanischen Sportverein und der Lutherstadt Wittenberg bestehen bekanntermaßen freundschaftliche Bande. Im Mai waren die Läufer von Athletica Vaticana beim Nachtlauf in Wittenberg an den Start gegangen. Nun folgt der Gegenbesuch: Am Sonntag werden beim interreligiösen Halbmarathon „Via Pacis“ in Rom Läuferinnen aus der Lutherstadt dabei sein.

Der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, Michael Koch, lud die Sportler beider Konfessionen im Vorfeld zu einer Begegnung ein. Ins Mikrofon von Radio Vatikan sagte Koch: „Das Thema Ökumene ist ja für uns in Deutschland von besonderer Wichtigkeit, was einfach daher rührt, dass wir das einzige, erst recht das einzig große europäische Land sind, das von den beiden großen christlichen Konfessionen gleichermaßen geprägt ist: von der katholischen Kirche, aber auch von der evangelischen. Deswegen wird von uns alles, was dazu beiträgt, das Gespräch zwischen beiden zu befördern, besonders gewertschätzt.“ Der Botschafter, der selbst in einer evangelisch-katholischen Ehe lebt, betonte, dass Sport es schaffe, Menschen auf besondere Weise zusammenzubringen.

Hier zum Hören:

Melchor Sanchez de Toca ist Präsident von Athletica Vaticana. In der deutschen Vatikanbotschaft wies er darauf hin, dass es im ersten und einzigen vatikanischen Sportverein nicht primär um sportlichen Erfolg gehe. Er erinnerte an eine Aussage von Papst Franziskus, der sich eine Kirche wünscht, die hinausgeht, sich den anderen öffnet. „Wir sind im Mai nach Wittenberg geflogen und es war ein sehr schönes Symbol der ökumenischen Freundschaft. Sport kann Brücken der Freundschaft bauen zwischen Gemeinden“, sagte der spanische Geistliche.

Die Freundschaft begann mit einem Brief aus Wittenberg

Ausgangspunkt dieser überkonfessionellen Freundschaft war Doreen Meyer. Sie organisierte 2018 eine Laufreise zum Halbmarathon RomaOstia in Rom. Vorher schrieb sie einen Brief in den Vatikan, indem sie das Ziel ihrer Reise beschrieb und auch, dass sie aus Wittenberg kommt.

„Sie haben mir zurückgeschrieben, wir wären herzlich willkommen und sie würden uns empfangen. Und das hat dann 2018 auch wirklich funktioniert“, erklärte Meyer. „Das damals noch nicht gegründete Team hat uns empfangen, hat uns drei Tage betreut, begleitet, eingeladen. Das fand ich so toll. Da sind schon diese Freundschaften entstanden. Meine Gruppe von 28 Wittenbergern und ich waren überwältigt und beeindruckt. Die fanden das so toll und haben gesagt: Wir müssen die unbedingt einladen nach Wittenberg. Das habe ich dann auch ausgesprochen und habe gesagt: Ich lade euch herzlich zu meinem Lauf ein.“ Meyer organisiert den größten Lauf in der Lutherstadt.

Sport baut Brücken

Den interreligiösen Halbmarathon am Sonntag lässt sich die Wittenbergerin selbstverständlich auch nicht entgehen. Genauso wenig wie Frowin Bachmann. Der ehemalige Schweizergardist hob beim Empfang in der Deutschen Botschaft das Potenzial des Sports hervor, der im interreligiösen Dialog bestimmte Türen leichter öffnen könne.

„Wie am kommenden Sonntag auch mit diesem Halbmarathon, der ja gemeinsam organisiert wird von der Katholiken, Moslems und Juden. Der Lauf geht von Sankt Peter über die Synagoge zur Moschee und zurück“ und sei daher sehr symbolträchtig. „Es wäre schön, wenn auch durch den Sport bestimmte Hindernisse, die uns trennen von den anderen Gläubigen, überbrückt werden können.“

Und auch die nächste Brücke wird schon bald gebaut: Am 29. September werden vier Läufer von Athletica Vaticana am renommierten Berlin Marathon teilnehmen.

Ein Beitrag von Tobias Gayer für Vatican News

20 September 2019, 14:13