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Die Marienverehrung hat in Rom eine lange Tradition Die Marienverehrung hat in Rom eine lange Tradition 

Vatikan: Neues Marienbildnis für den Petersdom

Der Petersdom hat ein neues Marienbildnis. Die Anfang des 16. Jahrhunderts entstandene „Madonna von Scossacavalli“ kann nach einer bewegten Geschichte wieder von den Gläubigen verehrt werden. Nach Abschluss der mehr als einjährigen Restaurierungsarbeiten erstrahlt das Gemälde in neuem Glanz.

Silvia Kritzenberger und Pietro Zander - Vatikanstadt  

Das nun Mater peregrinorum („Mutter der Pilger“) genannte Bildnis wurde über dem restaurierten Grab Gregors XIV. angebracht. Eingerahmt von einem grünen Vorhang, scheint die Jungfrau das Jesuskind in ihrem Arm aufzufordern, die Gläubigen zu segnen.

Das Ölgemälde auf Leinwand (100 x 71,5 x 3 cm) stammt aus der inzwischen abgerissenen Kirche San Giacomo Scossacavalli, die man in unmittelbarer Nähe des Petersdoms errichtet hatte. Die Muttergottes mit Kind war schnell zum Objekt der Volksverehrung geworden. Schon im Januar 1519 hatte ein unbekannter Malter eine Reproduktion des Gemäldes angefertigt. Die zahlreichen Löcher, von denen es übersät ist, erinnern an den Brauch, mit Nägeln Votivgaben, Kronen und Edelsteine daran anzubringen.

Eine bewegte Geschichte...

Die „Madonna von Scossacavalli“, die wahrscheinlich zwischen 1509 und 1519 gemalt wurde, kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Als der Tiber in der Nacht vom 23. auf den 24. Dezember 1598 über die Ufer trat, wurde auch das Marienbildnis schwer beschädigt. Ein Zeitzeuge der damaligen Flutkatastrophe berichtete, dass das Wasser in die Kirche eingedrungen und drei Meter hoch gestiegen war, unter dem Gesicht der Jungfrau aber zum Stillstand gekommen sei. Wie die jüngste Restaurierung gezeigt hat, kann man unter dem Antlitz Mariens noch heute die dunkle horizontale Linie erkennen, die das Wasser damals hinterlassen hat.

Als die Kirche San Giacomo 1937 abgerissen wurde, wurde das Bildnis der Muttergottes mit Kind in der Vatikanischen Basilika eingelagert. 1966 wurde es dort im Keller „inmitten von Trümmern und Schmutz“ von Pater Cipriano Cipriani entdeckt, dem Archivar der Dombauhütte von St. Peter. Da sich die Restaurierung jedoch äußerst schwierig gestaltete, geriet das Gemälde zunächst wieder eine Zeitlang in Vergessenheit.

Im Januar 2017 war es dann schließlich soweit: endlich wurde mit der lang erwarteten Restaurierung begonnen, dank der wir das Gemälde heute wieder in seiner ganzen Schönheit bewundern können. Zum Ende des Marienmonats 2018 konnte es für die Verehrung der Gläubigen und Pilger im Petersdom ausgestellt werden.

Unter dem mütterlichen Blick der Gottesmutter

Es ist ergreifend, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich unter dem mütterlichen Blick der Gottesmutter zum Gebet versammelt haben. Männer und Frauen jeden Alters; gewöhnliche Menschen und berühmte Persönlichkeiten, darunter auch das italienische Malergenie Raffael (1483-1520), dessen Wohnhaus direkt vor der Kirche San Giacomo stand. Vielleicht hat Raffael sogar selbst die Wahl des Malers geleitet, dem das Gemälde in Auftrag gegeben wurde. Nur ein Künstler von großem Talent konnte das im 45-Grad-Winkel gemalte Antlitz der Jungfrau Maria angefertigt haben, die – wie aus multispektralen Untersuchungen hervorgeht  – ursprünglich im Profil gezeigt werden sollte. Ein Künstler, dessen Name zwar noch nicht in den Archivdokumenten aufscheint, sich aber aus strengen technischen und stilistischen Vergleichen ergibt: Fra Bartolomeo della Porta (1473-1517), geschätzter Freund des Raffael.

Mutter der Pilger

Tatsächlich hat sich der talentierte Dominikanermönch zwischen 1513 und 1515 in Rom aufgehalten. Dort traf er nicht nur seinen alten Freund Raffael wieder, sondern auch seinen Mäzen Mariano Fetti, der ihn mit  römischen Bruderschaften und Erzbruderschaften bekannt machte. Und hier in Rom konnte Bartolomeo auch die „Madonna von Scossacavalli“ malen, die den Gläubigen nach ihrer Wiederentdeckung und Restaurierung nun mit dem Titel „Mutter der Pilger“ wiedergegeben wurde.

(Osservatore Romano)

 

02 August 2019, 16:58