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Vatikan: Weitere Untersuchungen im Campo Santo Teutonico

Die Suche nach der vor 36 Jahren verschwundenen Schülerin Emanuela Orlandi im Vatikan geht weiter. An diesem Samstag wurden im Deutschen Friedhof zwei unterirdische Räume mit zweitbestatteten Gebeinen untersucht, wie der kommissarische Vatikansprecher Alessandro Gisotti mitteilte.

Mario Galgano – Vatikanstadt

Zuvor hatten nach mehreren Hinweisen ein vom Vatikan bestellter Gerichtsmediziner und ein Sachverständiger der Familie Orlandi zwei Gräber deutscher Prinzessinnen auf dem angrenzenden Friedhof geöffnet, diese aber leer vorgefunden.

Zum Nachhören

„Heute Morgen um 9.00 Uhr begann die Untersuchung im Campo Santo Teutonico im Rahmen der Ermittlungen im Fall Orlandi“, so die Note von Gisotti. Es handele sich um zwei Ossuarien, die neben den Gräbern von Prinzessin Sophie von Hohenlohe und Prinzessin Carlotta Federica von Mecklenburg identifiziert wurden, deren Gräber leer gewesen waren. 

Um 15 Uhr wurden die Untersuchungen am Campo Santo Teutonico im Rahmen der Ermittlungen im Fall Orlandi abgeschlossen, berichtete Gisotti in einer am Nachmittag veröffentlichten zweiten Note. 

Die in den Ossuarien gefundenen Überreste sollen nun analysiert werden. „Bereits in diesen Stunden werden sie vor Ort von Professor Giovanni Arcudi und seinen Mitarbeitern sowie von der Familie Orlandi ernannten vertrauenswürdigen Experten nach international anerkannten Regeln und Protokollen untersucht“, erläuterte Gisotti am Samstagvormittag.

Und in der zweiten Mitteilung am Samstagnachmittag gab Gisotti bekannt, dass nach Angaben der vatikanischen Staatsanwaltschaft die Experteneinsätze am Samstag, 27. Juli, um 9.00 Uhr mit einer eingehenden morphologischen Analyse der in den Beinhäusern enthaltenen Funde fortgesetzt werden sollen.

Keine Zeitangabe

Es sei noch nicht möglich, die Dauer des Abschlusses der Untersuchungen vorauszusehen und die morphologische Analyse der in den Ossuarien gefundenen Überreste bekannt zu geben. „Heute sind neben Professor Arcudi und seinem Team auch die Mitarbeiter der vatikanischen Dombauhüte sowie die Mitarbeiter des COS, also der Sicherheitskräfte der vatikanischen Gendarmerie, bei der Öffnung und Untersuchung der Beinhäuser tätig gewesen“, fügte Gisotti an. Auch ein Anwalt der Familie Orlandi war bei den Untersuchungen zugegen.

„Mit dieser neuen Expertentätigkeit wird nach der Untersuchung vom 11. Juli die Verfügbarkeit des Heiligen Stuhls für die Familie Orlandi noch einmal unterstrichen. Eine Verfügbarkeit, die der Heilige Stuhl von Anfang an bewiesen hat, bei der Anfrage nach einer Untersuchung im Campo Santo Teutonico, obwohl auf der Grundlage eines anonymen Hinweises“, schloss Gisotti seine Note.

Nach internen Recherchen des Vatikan könnten die sterblichen Überreste von Sophie von Hohenlohe (1758-1836) und Charlotte Friederike zu Mecklenburg (1784-1840) in den 1960er- oder 1970er-Jahren im Zuge einer Erweiterung des Priesterkollegs umgebettet worden sein. Offenkundig wurden die betreffenden Familien aber seinerzeit nicht darüber benachrichtigt. Pietro Orlandi, der Bruder Emanuelas, der die Nachforschungen durchgesetzt hatte, nannte diesen Umstand „merkwürdig“ und „nicht nachvollziehbar“.

Mit Nachdruck angedeutet

Wie Orlandi gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur am Freitag weiter sagte, stammen die Hinweise auf das Grab Sophies von Hohenlohe und das danebenliegende Grab der Herzogin zu Mecklenburg von einem namentlich bekannten Informanten aus dem Vatikan. Dieser habe „mit Nachdruck“ mögliche Entdeckungen angedeutet. Dabei sei unklar, welchen Zweck der Hinweisgeber eigentlich verfolge. Orlandi schloss nicht aus, nur als Werkzeug für ein vatikaninternes Spiel benutzt zu werden.

Ungewiss ist für Orlandi auch, was sich unter den beiden Abdeckungen der Gebeinkammern im Priesterkolleg verbirgt. Er wisse nicht, ob es nur einzelne Skelette oder die Überreste Dutzender oder Hunderter Toter seien. Die Aufgabe werde zunächst darin bestehen, eine erste Altersbestimmung vorzunehmen. Wenn sich Anzeichen fänden, dass es sich um Gebeine seiner Schwester handeln könnte, werde man einen DNA-Vergleich vornehmen.

Das Verschwinden Emanuela Orlandis ist einer der bekanntesten ungelösten Kriminalfälle der jüngeren italienischen Geschichte. Die damals 15-jährige Tochter eines Vatikanangestellten war am 22. Juni 1983 vom Musikunterricht nicht nach Hause zurückgekehrt. Spekuliert wurde über einen Versuch, die Freilassung des Papst-Attentäters Ali Agca zu erzwingen, über eine Erpressung der Vatikanbank durch eine römische Mafia-Organisation oder Sex- und Drogenparties, deren Opfer Emanuela geworden sei.

(vatican news/kna)

20 Juli 2019, 11:39