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Archivbild: Unterzeichnung des Dokuments in Abu Dhabi am 4. Februar 2019 Archivbild: Unterzeichnung des Dokuments in Abu Dhabi am 4. Februar 2019  (ANSA)

Islam-Größen bekräftigen Unterstützung für Abu Dhabi-Dokument

Fast sechs Monate, nachdem Papst Franziskus und der Großimam von Al-Azhar, Ahmed Al-Tayyeb, das gemeinsame Dokument über die Geschwisterlichkeit in Abu Dhabi unterzeichneten, haben 22 sunnitische, schiitische und sufische Führungspersönlicheiten und Intellektuelle einen 15-seitigen Text unterzeichnet, um ihre Unterstützung für das Dokument zu bekräftigen.

„Ein Startpunkt“ und „keine Rückkehr“, so definieren die 22 Unterzeichner das Dokument über die menschliche Geschwisterlichkeit für ein friedliches Zusammenleben in der Welt, das während des Besuchs von Papst Franziskus vom 3. bis 5. Februar letzten Jahres in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet wurde. Ein gemeinsames Dokument, um zu bekräftigen, dass die Kultur des Dialogs der Weg ist, in Frieden zu leben und sich gegenseitig kennenzulernen.

„Geschwisterlichkeit für Wissen und Zusammenarbeit“

15 Seiten lang ist der Bekräftigungstext, der auf Initiative von Imam Yahya Pallavicini, dem Präsidenten der italienischen islamischen Religionsgemeinschaft verfasst wurde. Er tat dies zusammen mit Vertretern des Instituts für Islamwissenschaft in Frankreich und einer kleinen Gruppe anderer muslimischer Führer, die bereits 2007 den Brief der 138 muslimischen Intellektuellen an Papst Benedikt XVI. sowie die Erklärung von Marrakesch über religiöse Minderheiten im Jahr 2016 unterzeichnet hatten. Der Text trägt den Titel „Geschwisterlichkeit für Wissen und Zusammenarbeit“ und definiert das Dokument von Abu Dhabi über die menschliche Geschwisterlichkeit als „ein beispielloses institutionelles Ereignis in der Geschichte der Beziehungen zwischen Christen und Muslimen“, das Zeichen für die Eröffnung einer neuen Phase sei, die „auf die Anerkennung der Legitimität und der gottgewollten Vielfalt von Offenbarungen, Theologien, Religionen, Sprachen und Religionsgemeinschaften“ ausgerichtet sei.

Die 22 muslimischen Führer und Intellektuellen weisen darauf hin, dass Vielfalt nicht als „Aufruf zur Eroberung oder zum Proselytismus oder als Vorwand für bloße Fassadentoleranz“ betrachtet wird, sondern als Gelegenheit, die Geschwisterlichkeit, die „eine Berufung ist, die im Schöpfungsplan Gottes enthalten ist“, in die Praxis umzusetzen. Daher erscheine der interreligiöse Dialog, der bereits „vom Koran empfohlen“ wurde, heute wichtiger denn je.

Aufbau eines Netzwerks für den Dialog zwischen Christen und Muslimen

Wie Imam Pallavicini erläutert, sei die Absicht des jüngsten Textes, zum Nachdenken „über die Erklärung, über ihre Methode, über ihre Sprache anzuregen: sie auf geschwisterliche Weise zu diskutieren, möglicherweise kritisch, aber ohne den Text aus ideologischen oder politischen Gründen offen auszuschließen“. Er weist darauf hin, dass die Unterzeichnung von Abu Dhabi zu Diskussionen in der muslimischen Welt geführt habe. Es habe nicht an Kritik an der Initiative der Arabischen Emirate gemangelt, die vom Großimam von Al-Azhar durchgeführt wurde.

Einige religiöse Führer hätten auch beschlossen, den Text „Geschwisterlichkeit für Wissen und Zusammenarbeit“ nicht zu unterschreiben. Die Unterzeichner hingegen - erklärte Pallavicini - wollen die Einladung zum Aufbau einer „menschlichen Geschwisterlichkeit“ über die religiösen Grenzen hinaus annehmen, sie wollen „auf der Grundlage dieser Erklärung lokale Initiativen fördern“, auch „auf akademischer Ebene“, um ein „Netzwerk zur Unterstützung des Dialogs zwischen Christen und Muslimen“ zu bilden.

(vatican news – mg)

18 Juli 2019, 13:42