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Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation Kardinal Giovanni Angelo Becciu, Präfekt der Heiligsprechungskongregation 

Seligsprechungen in Rumänien: „Same neuer Christen“

Am Sonntag wird Papst Franziskus sieben rumänische Bischöfe seligsprechen, die in der kommunistischen Ära den Märtyrertod starben. Im Interview mit Vatican News erklärt Kardinal Angelo Becciu, Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, was diese Märtyrer so besonders macht.

Silvia Kritzenberger und Roberta Barbi - Vatikanstadt

Die sieben griechisch-katholischen Bischöfe durchliefen ab 1948 mehrere Foltereinrichtungen der kommunistischen Diktatur. Und so bemerkenswert wie ihre Treue zum katholischen Glauben war auch die Verfolgung, die sie erleiden mussten: sie hatten nicht nur wegen ihres Glaubens den Hass der kommunistischen Machthaber auf sich gezogen, sondern auch wegen ihrer Gemeinschaft mit dem Stuhl Petri.

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„Wir dürfen nicht vergessen, dass sich Rumänien damals fest in kommunistischer Hand befand, sozusagen von Moskau ‚ferngesteuert‘ wurde“, erläutert Kardinal Becciu den historischen Kontext. „Stalin hatte den Christen und vor allem den Katholiken den Krieg erklärt. Die Katholiken waren ihm wegen ihrer Verbundenheit mit dem Papst ein Dorn im Auge. Der stand nämlich für den Imperialismus, eine fremde Macht, die sich in die Angelegenheiten der Nation einmischen wollte. Diese Verbindung zu Rom musste unterbunden werden. Die Bischöfe konnten und wollten das aber nicht akzeptieren und blieben Rom treu.“

“ Wenn es also einen Feind gab, der ausgerottet werden musste, dann waren das die Gläubigen, allen voran die Katholiken ”

Als Folge seien die Christen unerbittlich verfolgt worden. Für das Regime sei Religion – dem Postulat Karl Marx´ entsprechend – „Opium des Volkes“ gewesen, erklärt Becciu. Man sei der Meinung gewesen, die Religion verhinderte die Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft, die Schaffung des „neuen Menschen“, wie sie es damals nannten: „Wenn es also einen Feind gab, der ausgerottet werden musste, dann waren das die Gläubigen, allen voran die Katholiken. Und das nicht nur, weil sie viele waren, sondern auch wegen ihrer Treue zur Kirche von Rom, zum Papst.“

Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche

Als Johannes Paul II. im Mai 1999 nach Rumänien kam, bezeichnete er das Blutopfer dieser sieben Bischöfe als „Same neuer Christen“. Damit griff er ein berühmtes Wort des Kirchenvaters Tertullian aut. „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche“ hatte dieser gesagt, und den römischen Herrschern damit entgegengehalten, dass die Verfolgung die Kirche nur vergrößert, nur noch mehr Bekehrungen hervorbringt.

„Auch Jesus hat gesagt: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bringt es keine Frucht,“ unterstreicht Kardinal Becciu. „Und das stimmt: mit dem Fall der Berliner Mauer haben die kommunistischen Länder – auch Rumänien – ihre Freiheit wiedergewonnen, und auch die Kirchen haben sich wieder gefüllt.“

Kardinal Hossu: ein wahrer Hirte

Unter den neuen Seligen sticht besonders Iluiu Hossu hervor, den Papst Paul VI. im Konsistorium von 1969, noch kurz vor dessen Tod im Jahr darauf, „in pectore“ zum Kardinal ernannte. Er wehrte sich gegen die Pläne der rumänischen Regierung, eine Trennung der rumänischen griechisch-katholischen Kirche von Rom herbeizuführen. Als wahrer Hirte beschloss er, seinem Land treu zu bleiben, koste es, was es wolle.

„Man kann sein Verhalten nur als heldenhaft bezeichnen,“ unterstreicht der Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungskongregation. „Er wurde zum Kardinal in pectore ernannt, sein Name vom Papst also nicht bekanntgegeben. Diese Vorgehensweise wird immer dann gewählt, wenn ein Kandidat in der augenblicklichen politischen Situation seines Landes – sollte seine Ernennung bekanntwerden – mit Repressionen zu rechnen hätte. Paul VI. wollte ihn damit wissen lassen, dass er in Rom jederzeit willkommen war. Er aber hatte diese große Liebe zu seinem Land, zu seiner Herde, die er nicht im Stich lassen wollte.“

Das Gefängnis von Sighet, Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus

Die sieben Märtyrerbischöfe haben eines gemeinsam: ihren Aufenthalt im berüchtigten Gefängnis von Sighet, das heute eine Gedenkstätte für die Opfer des Kommunismus ist. Trotz Demütigung und Folter ist es ihnen gelungen, diesen Ort des Schreckens in einen Ort der Heiligkeit zu verwandeln.

„Dieses Gefängnis hat eine interessante Geschichte. Im Jahr 1800 war es noch ein Ort, in dem gewöhnliche Verbrecher einsaßen.,“ erläutert der Kardinal. „Unter dem Kommunismus wurde es dann zu einem Gefängnis für Dissidenten jeder Art: Intellektuelle, Politiker und Ordensleute, darunter auch diese Bischöfe. Und Menschen, die bereit sind, für ihre Ideale in den Tod zu gehen, werden unweigerlich zu einem leuchtenden Vorbild für andere. Das war auch bei unseren Bischöfen der Fall. Die Machthaber dachten, jetzt wäre alles vorbei, in Wahrheit aber wurden diese Märtyrer zu einem Lebensmodell für die Kirche, ja die ganze Welt.“

Die Logik des Samens, der stirbt, um Leben zu werden 

Die Logik des Samens also, der stirbt, um Leben zu werden, die Logik des Ostergeheimnisses, wie Becciu präzisiert: „Durch seine Auferstehung hat Jesus den Tod besiegt und der Welt das Heil gebracht. Und so war es auch bei unseren Märtyrern. Man meinte, der Kirche mit ihrer Beseitigung den Todesstoß versetzt zu haben – und stattdessen wird ihre Verehrung nun in einer feierlichen Zeremonie unter Vorsitz des Heiligen Vaters den rumänischen Gläubigen vorgeschlagen, und dann – mit der Heiligsprechung – hoffentlich der ganzen Welt.“

Hintergrund

Historikern zufolge wurden zwischen 1950 und 1964 mehr als 2.000 orthodoxe Priester ins Gefängnis geworfen. Bischöfe starben unter nie geklärten Umständen, andere wurden unter „Hausarrest“ gestellt. Insgesamt inhaftierten die kommunistischen Machthaber mehrere tausend Geistliche aller Konfessionen.

(vatican news)

01 Juni 2019, 11:27