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Papst in Rumänien: Christliche Wurzeln Europas wiederentdecken

So beschreibt der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin im Interview mit Vatican News das Anliegen der 30. Apostolischen Reise, die Papst Franziskus am Wochenende nach Rumänien führen wird. Ein Besuch, der in dem mehrheitlich orthodoxen Land auch ökumenische Akzente setzen will.

Silvia Kritzenberger und Massimiliano Menichetti - Vatikanstadt

„Gemeinsam unterwegs“: so lautet das Motto des Rumänienbesuchs, das auch auf dem Logo der Reise abgebildet ist. Pilger scharen sich dort unter dem schützenden Mantel der Gottesmutter, die in den Farben Rumäniens gehalten ist. Und dass es eine Reise ist, die eine starke marianische Prägung hat, wird schon von Anfang an deutlich: sie beginnt am 31. Mai. An diesem letzten Tag des Marienmonats feiert die lateinische Kirche das Fest Mariä Heimsuchung, das an den Besuch der Gottesmutter Maria bei ihrer Base Elisabeth erinnert.

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Auf den Spuren von Johannes Paul II.

Mit seinem Besuch in dem mehrheitlich orthodoxen Land wolle der Papst aber auch ökumenische Akzente setzen, erläutert Parolin und erinnert an den Rumänienbesuch von Johannes Paul II. vor genau 20 Jahren. Der damals ausgesprochene Ruf nach Einheit – „Unitate“ – sei bis heute unvergessen. „Das war sicherlich ein erster grundlegender Schritt. Und auch der Weg von Papst Franziskus will ein Schritt in diese Richtung sein, eine Lanze für die Ökumene brechen.“

Die Ökumene des Blutes

Aus ökumenischer Sicht müsse hervorgehoben werden, dass Rumänien ein Kreuzungspunkt zwischen Ost- und Westeuropa sei, es aber auch den Aspekt eines gemeinsamen Zeugnisses gebe:  „Es gab bereits eine Ökumene: die Ökumene des Blutes, wie Franziskus sie nennt“, präzisiert Parolin. „Gläubige der katholischen und der orthodoxen Kirche, die unter dem atheistischen Regime zu leiden hatten, das die Religionsfreiheit, die Rechte der Gläubigen mit Füßen getreten hat. Sie haben also bereits eine Einheit im Leiden, im Martyrium, erreicht.“

Rumänien: Garten Marias und Land der Begegnung

Vorletzte Etappe der Reise ist der Marienwallfahrtsort Șumuleu-Ciuc. Schon Johannes Paul II. hatte Rumänien als einen „Garten Mariens“, ein „Land der Begegnung“ bezeichnet, erinnert Parolin. Die meisten der rumänischen Katholiken seien Mitglieder der lateinischen Kirche, die traditionell unter den Angehörigen der ungarischen Minderheit in Siebenbürgen stark vertreten sei.
„Ich glaube, dass der Papst in dem mehrheitlich orthodoxen Land einen Appell in diesem Sinne aussprechen, zur Achtung der Einheit im Land aufrufen wird,“ unterstreicht der Kardinalstaatssekretär. „Und in diesem Heiligtum wird dieser Appell besonders laut widerhallen: der Aufruf, gemeinsam unterwegs zu sein, wie das Motto dieser Reise besagt, und in der Einheit des gemeinsamen Glaubens historische Trennungen zu überwinden.“

Die christlichen Wurzeln Europas...

Seit 2007 sei Rumänien Mitglied der Europäischen Union, erinnert Parolin. Erst vor Kurzem habe man bei einem Gipfeltreffen in Sibiu hervorgehoben, welch lange Friedensperiode die Europäische Union beschert habe, wie viel Wohlstand und Fortschritt damit ermöglicht worden seien.

„Der Papst wird natürlich an die Grundwerte dieses Europas, an seine christlichen Wurzeln, erinnern. Wir dürfen nicht vergessen, dass Werte wie Menschenwürde und Solidarität gerade auf diesem christlichen Erbe gründen, dessen Träger auch Rumänien ist. Der Besuch des Papstes wird also ein Ansporn dazu sein, weiterhin unseren Beitrag zum Aufbau eines Europas zu leisten, das hoffentlich immer solider wird und auf christlichen Werten beruht.“

Hintergrund

Rumänien gilt als eines der religiösesten Länder in der EU. Mehr als 80 Prozent der Bewohner bekennen sich zur rumänisch-orthodoxen Kirche unter ihrem Oberhaupt Patriarch Daniel Ciobotea. Mit etwa 17 Millionen Mitgliedern ist die rumänische nach der russisch-orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats die zweitgrößte der orthodoxen Nationalkirchen.

(vatican news)

29 Mai 2019, 13:53