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Student demonstriert in Caracas Student demonstriert in Caracas 

Venezuela: Vatikan bleibt „positiv neutral“

Der Machtkampf spitzt sich weiter zu. Präsident Nicolas Maduro hat am Freitag bekräftigt, er werde die u.a. von den USA finanzierte humanitäre Hilfe nicht ins Land lassen. Organisiert hat diese Hilfen der Oppositionspolitiker Juan Guaido, der von fast allen Ländern Lateinamerikas als der legitime Präsident von Venezuela angesehen wird.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Guaido konterte Maduros Kampfansage mit den Worten, er werde „alles Nötige tun, um Menschenleben in Venezuela zu retten“. Das wird von Nachrichtenagenturen so verstanden, als schlösse er ein militärisches Eingreifen aus dem Ausland in Venezuela nicht aus.

Damit sieht es ganz und gar nicht danach aus, als käme wieder ein Dialog zwischen Maduro und den oppositionellen Kräften in Gang. Sowohl das Regime wie Stimmen aus der Opposition haben den lateinamerikanischen Papst um eine Vermittlung gebeten. Doch dem erteilt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, ein früherer Nuntius in Venezuela, eine Absage.

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„Die Parteien müssen sich bewegen“

„Es bleibt bei dem, was der Papst bei seiner Pressekonferenz auf der Rückkehr aus den Vereinigten Arabischen Emiraten gesagt hat: Die Parteien dort müssen sich bewegen – so wie das damals war, als der Heilige Stuhl beschlossen hatte, Teil des Dialogs zu werden.“ Das sagte Parolin dem italienischen Sender TV 2000.

Frühere Versuche des Vatikans, die streitenden Parteien in Venezuela an einen Tisch zu bringen, waren gescheitert. Das Regime erfüllte nicht die Bedingungen, die der Vatikan stellte, und die Zerstrittenheit der Opposition erwies sich ebenfalls als nicht zuträglich.

Derzeit keine Anerkennung Guaidos

„Wenn es bei den Parteien guten Willen gibt, dann geht es. Unser Hauptaugenmerk besteht, wie der Papst gesagt hat, immer darin, friedliche und institutionelle Lösungen für die derzeitige Krise zu suchen.“ Das Wort ‚institutionelle Lösung‘ lässt daran denken, dass man auch im Vatikan die von Maduro bekämpfte Nationalversammlung, deren Präsident Guaido ist, als legitime demokratische Vertretung des venezolanischen Volkes betrachtet.

Auf eine Anerkennung Guaidos als Präsident will sich Kardinal Parolin derzeit allerdings nicht einlassen. „Mir scheint, dass der Heilige Vater klar gesagt hat, dass der Heilige Stuhl dazu nicht Stellung nimmt. Der Heilige Stuhl nimmt eine Haltung der positiven Neutralität ein.“ Zur äußerst umstrittenen Vereidigung Maduros als Präsident Anfang Januar hatte der Vatikan einen Vertreter geschickt.

Dialogfähig bleiben, nicht nur zugucken

Parolin hält an der „positiven Neutralität“ des Vatikans fest, um nach allen Seiten dialogfähig zu bleiben. „Dabei scheint mir in diesem wie in ähnlichen Fällen wichtig zu unterstreichen, dass positive Neutralität nicht darin besteht, am Fenster zu stehen und sozusagen gleichgültig zuzugucken, was passiert. Vielmehr versuchen wir, über den Parteien zu stehen, um den Konflikt zu überwinden.“

(agenturen/tv2000)
 

09 Februar 2019, 10:22