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KardinalRuben Salazar Gomez Kardinal Ruben Salazar Gomez  

Kolumbianischer Kardinal zu Kinderschutz: Klerikalismus auflösen

Um zu verstehen, was in der gegenwärtigen Krise der Weltkirche die Verantwortung des Bischofs ist und wie sie wahrgenommen werden kann, muss erst das Problem selbst genau definiert werden: das war der Tenor des Beitrags des Erzbischofs von Bogota, Kardinal Rubén Salazar Gomez. Der Kolumbianer sprach am Donnerstagnachmittag beim Kinderschutzgipfel im Vatikan.

Es gehe nicht allein um Verbrechen und um Pathologien, sondern um Missbrauch von Autorität und von Gewissen. Außerdem stoße man bei den Reaktionen auf ein falsches Verständnis vom priesterlichen und bischöflichen Dienst, was die Krise verschlimmert habe. Beide Übel hätten den gleichen Namen: Klerikalismus.

Sich dem entgegen zu stellen, sei oft nicht einfach, so Salazar Gomez. Dahinter stecke eine Mentalität, die in der Kirche seit langer Zeit bestehe. Der all dem Missbrauch zu Grunde liegende Klerikalismus müsse demaskiert werden und die Mentalität sich wandeln, so Salazar, der auch Vorsitzender des Lateinamerikanischen Bischofsrats CELAM ist.

Drei Dimensionen der bischöflichen Verantwortung

Auf drei Dimensionen der bischöflichen Verantwortung ging Kardinal Salazar im Folgenden ein. Zunächst sei da die Verantwortung in Gemeinschaft mit den übrigen Bischöfen und unter der Leitung des Papstes. Hier müsse zunächst festgestellt werden, dass Bischöfe oft genug nicht als Hirten gehandelt hätten. Anzeichen einer klerikalen Gesinnung sei etwa das Wegschauen bei Anzeigen, die nicht ernst genommen werden, die mangelnde Bereitschaft, den Opfern zuzuhören, das Ignorieren des angerichteten Schadens, das Versetzen von Tätern, der Irrglaube, mit Geld ließe sich die Sache schon regeln.

Klerikalismus sei auch die Annahme, Missbrauchsfälle ließen sich besser in der Kirche und ohne zivile Autoritäten lösen, und der Verweis auf Missbrauchsfälle überall in der Gesellschaft, nicht nur in der Kirche. „Wir müssen die Krise in ihrer ganzen Tiefe erkennen“, so der Kardinal: „Wir müssen realisieren, dass der Schaden nicht von außen zugefügt wurde, sondern dass der Feind in unserer Mitte ist, unter uns Bischöfen und Priestern und Ordensleuten.“

Medien sei Dank

Ein ausdrücklicher Dank ging an die Medien, hier griff der Kardinal die Worte von Papst Franziskus beim Weihnachtsempfang für die Kurie auf. Viel vom Aufdecken dieser klerikalen Mentalität sei der Arbeit von Journalistinnen und Journalisten zu verdanken.

Für die Zukunft brauche es das gemeinsame Handeln aller Bischöfe, einen Ausdruck bischöflicher Kollegialität. Dazu helfe etwa ein verpflichtender „Verhaltens-Kodex“ für alle Bischöfe weltweit.

An diesem Kodex könnte dann auch die Kirche ablesen, ob ein Bischof sich richtig verhalten habe. „Er wird eine konkrete Weise sein, die Gemeinschaft zu stärken, die aus der Kollegialität der Bischöfe geboren ist.“

Verantwortung der Priester und Ordensleute

Eine zweite Dimension der bischöflichen Verantwortung bezieht sich auf die Priester und Ordensleute. Kardinal Salazar betonte die Wichtigkeit von Begleitung in der Ausbildung und den anhaltenden Dialog mit den Klerikern. 

Auch den missbrauchenden Priestern gegenüber habe der Bischof Verantwortung, niemals aber dürften deren Rechte über die der Opfer gestellt werden. Jede Anzeige müsse sofort zu den vorgesehenen Prozeduren führen, ganz gleich, wann sie komme und ob sie namentlich oder anonym vorgebracht werde. Der Angeklagte müsse immer gehört werden. Um Verurteilte müsse das Bistum sich kümmern, die Männer bräuchten etwa Therapie, sodass es nicht zu Rückfällen komme. Unfaires Verhalten den Tätern gegenüber dürfe es nicht geben, aber noch einmal wiederholte der Kardinal, dass die Rechte der Täter niemals über die Rechte der Opfer gestellt würden.

(vatican news – ord)

21 Februar 2019, 16:00