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Gabriella Gambino Gabriella Gambino 

Vatikan: Laien und Geistliche gemeinsam gegen Missbrauch

Es bedarf einer Allianz zwischen Laien und Geistlichen, um gegen die Aufarbeitung von Missbrauchsfällen und für den Kinderschutz einzustehen. Das sagt im Interview mit Vatican News Gabriella Gambino, Untersekretärin beim vatikanischen Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

Mario Galgano und Alessandro Gisotti- Vatikanstadt

Bei dem großen Treffen im Vatikan zum Thema „Missbrauchsskandale“ am kommenden 20. Februar sollen vor allem die Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und Ordensvertreter mit dem Papst dabei sein. Doch auch der Miteinbezug von Laien wird eine Rolle spielen. Deshalb sind im Vorbereitungskomitee zum Treffen auch zwei vatikanische Mitarbeiterinnen vertreten, und zwar Gabriella Gambino e Linda Ghisoni, beide Untersekretärinnen beim vatikanischen Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen.

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Es hätten auch unsere eigenen Kinder sein können

Gambino ist in der genannten Vatikan-Institution für den Bereich „Leben“ zuständig. Sie sagt im Gespräch mit Vatican News: „Ich werde nicht verhehlen, dass ich diese Verpflichtung auch mit ein wenig Angst angenommen habe, wenn man bedenkt, wie besonders und schwerwiegend die Angelegenheit ist. Als Frau, Laiin und Mutter kann ich nicht umhin, die Mitverantwortung wahrzunehmen, zu der wir alle berufen sind. Es geht um den Schrecken darüber, was da mit Menschen passiert ist, die unsere Kinder sein könnten. Wir alle müssen zusammenarbeiten, um innerhalb und außerhalb der Kirche die Voraussetzungen für eine radikale Veränderung der Mentalität, der Bräuche und der Kultur zu schaffen, die all dies ermöglicht haben.“

Es gehe nun darum, dass Laien den Bischöfen klarmachten, dass die Mentalität, die diese Missbräuche begünstigt habe, „nicht etwas Theoretisches und Abstraktes“ sei, so Gambino weiter.

Gefragt sind kompetente Laien

„Wir müssen den Bischöfen helfen zu verstehen, dass die Zeit gekommen ist, um von den Laien unterstützt zu werden und um Strukturen der Wachsamkeit zu schaffen, in denen wir eine Rolle spielen können. Es geht auch um Räume zum Zuhören. Ich denke auch an die Möglichkeit, aktive Interventionsmethoden unter Einbeziehung der Laien zu studieren, um gefährliche Situationen erfassen zu können, die eine sofortige und angemessene Intervention erfordern. Es geht auch darum zu verstehen, dass sich Missbrauch je nach Land auf unterschiedliche Weise gegenüber den schwächsten Frauen, Kindern und Erwachsenen manifestieren kann. Gefragt sind kompetente und geschulte Laien, die auch als Eltern und Erzieher ihren eigenen Erfahrungsbeitrag einbringen können und die jeden Tag mit menschlichen Fehlern und Schwächen zu tun haben.“

Konkrete Instrumente nötig

Ihr Meinung nach müsse sich die Kirche „mit konkreten Instrumenten ausstatten“, um Missbrauch zu bekämpfen und zu bestrafen. Vor allen Dingen gehe es nun darum, „diese Verbrechen zu verhindern“, so Gambino, die zu den wichtigsten Mitarbeiterinnen im Vatikan zählt. Um Missbrauchsfälle zu verhindern, sei es notwendig, einerseits den Rechtsrahmen zu verbessern und andererseits Voraussetzungen für die Veränderung des Systems, der Kultur und der Sitten zu schaffen.

„Eine der Voraussetzungen ist die Umsetzung einer Reform in der Ausbildung von Ordensleuten und Seminaristen. Ich denke zum Beispiel, dass wir bei der Ausbildung von Menschen in Keuschheit und Zölibat dem Thema eines ausgewogenen Verhältnisses zu ihrer Sexualität und Affektivität mehr Aufmerksamkeit schenken müssen. Das eigentliche Problem besteht ja darin, wie wir unsere Sexualität auffassen und verstehen“, so Gambino.

(vatican news)

30 November 2018, 12:19