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Österreichs Jugendbischof: Stephan Turnovszky, Weihbischof in Wien Österreichs Jugendbischof: Stephan Turnovszky, Weihbischof in Wien 

Synode: Österreichs Jugendbischof schätzt den „globalen Blick“

Österreichs Jugendbischof Stephan Turnovszky schätzt bei der vatikanischen Jugendsynode den „globalen Blick”, den das Treffen auf Herausforderungen der Jugend in der Welt ermöglicht. Er staune zugleich darüber, „wie kurz und präzis weltweite Jugendthemen auf den Punkt gebracht werden können“, sagte der Wiener Weihbischof im Gespräch mit Vatican News.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Turnovszky nimmt zum ersten Mal an einer Bischofssynode teil. Eines der Themen, das sich dabei als zentral herausstellt, weil es junge Menschen in- und außerhalb der Kirche sowie in allen Teilen der Welt stark beschäftigt, ist Sexualität und Beziehung, bestätigte der österreichische Jugendbischof. Dass sich die Sexuallehre der katholischen Kirche „bewegen möge“, sei eher eine Sehnsucht europäischer Jugendlicher, „da höre ich aus anderen Kontinenten auch anderes, nämlich Klarheit in der Verkündigung" als Wunsch.

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Turnovszky warnte allerdings davor, sich in der Kirche „auf allgemeine Positionen zurückzuziehen“. Hilfreich sei es, so konkret wie möglich über Menschen und ihre Erfahrungen mit Sexualität zu sprechen. „Wenn man sich mehr vertieft in Fälle, die das Leben schreibt, wird man konkreter, und das tut gut“, so der Weihbischof.

“ Sexualität außerhalb der Ehe kann sehr Unterschiedliches bedeuten. Jede Form davon wird eigens problematisch sein, aber nicht alles ist gleich problematisch ”

„Puncto Sexualität ist die Lehre der Kirche klar”, sie werde aber „wenig differenziert“ dargestellt. Zu Recht lehre die Kirche, dass der Platz für gelebte Sexualität innerhalb der Ehe ist. „Außerhalb der Ehe wird gelebte Sexualität als irregulär beschrieben“, fuhr Turnovszky fort. Aber: „Ich fände es wichtig, auch da noch genauer hinzuschauen und zu differenzieren. Sexualität außerhalb der Ehe kann sehr Unterschiedliches bedeuten. Jede Form davon wird eigens problematisch sein, aber nicht alles ist gleich problematisch.“

Am schwerwiegendsten sei zweifellos „Sexualität in Unfreiheit unter Zwang, dazu gehört Vergewaltigung, Missbrauch, Zwangsprostitution“, erklärte Turnovszky. Pornografie - „sehr oft unter Zwangsbedingungen“ – gehöre ebenfalls zu den verletzendsten Fehlformen. Daneben stellten sich Fragen rund um Promiskuität, Ehebruch oder Selbstbefriedigung. Bei all diesen Formen außerehelich gelebter Sexualität gelte es „deutlich zu differenzieren, um jungen Menschen zu helfen, größere Gefahren zu meiden, und einen Weg zu gehen, der zum Ideal der kirchlichen Ehe hinführt.” Dabei gehe es nicht darum, „das Ideal zu relativieren“, sondern Menschen „den nächsten Schritt zu weisen, damit sie von dort aus, wo sie stehen, gut vorankommen können“, ergänzte der Bischof.

Jugendliche haben seiner Erfahrung nach heute „große Akzeptanz dafür, dass Sexualität mit Verantwortung zu tun hat. Allerdings merke ich, dass Jugendliche schon dazu neigen, Verantwortung zu relativieren bzw. auf Zeiträume zu begrenzen: Verantwortung, solange es gut geht. Trotzdem nehme ich wahr, dass so gut wie alle jungen Leute im Herzen die Sehnsucht nach einer gelingenden Beziehung haben, und damit meinen sie nicht vorläufig gelingend, sondern ein Leben lang.“

 

Flucht und Migration: wichtige Zeugnisse in der Synodenaula

 

Besonders dankbar ist Weihbischof Turnovszky für die Wortmeldungen von Bischöfen und anderen Synodenteilnehmern aus armen Ländern über Flüchtlinge und Migranten, die meist jung und somit Gegenstand der Synode sind. Österreich hatte im Zug der Migrationskrise seit 2015 zunächst sehr vielen Flüchtlingen die Tore geöffnet, später aber einen massiven gesellschaftlichen Stimmungsumschwung erlebt. Die Kirche wirbt nach wie vor um menschliche Aufnahme und Akzeptant für Migranten in Not und steht damit auf derselben Seite wie viele Jugendliche in Österreich.

„Ich lerne auf der Synode, das Schicksal von jungen Menschen auf der Flucht weiter zu sehen“, sagte Turnovszky. Das Zielland – etwa Österreich – sei immer nur eines der Länder, mit denen Migranten zu tun haben, es gebe auch die Problematik im Ursprungsland und in den Durchzugsländern. „Bischöfe haben eindrucksvoll gesprochen über die jeweils entstehenden Notsituationen“, sagte der Bischof. „Natürlich ist es richtig, wenn wir in Österreich vor allem auf die Situation zu schauen haben, mit der wir im Land konzentriert sind, das ist die Situation von jungen Migranten bei uns. Aber wir versehen sie besser, wenn wir im Hinterkopf haben, warum sie weggegangen sind und was sie auf der Flucht durchgemacht haben.“

(Vatican News – gs)

11 Oktober 2018, 16:43