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Vatican News

Unser Synodenblog - Tag 1

Dreieinhalb Wochen debattieren Bischöfe, Fachleute und auch einige Jugendliche aus der ganzen Welt im Vatikan über Jugend, Glaube und Erkenntnis der Berufung. Mit dabei als eingeladener Experte: Clemens Blattert SJ. Er schreibt für Vatikan News einen Blog. Heute: Tag 1.

Liebe Leserinnen und Leser,

mein Name ist Pater Clemens Blattert SJ. Ich bin Jesuit, stamme aus dem Südschwarzwald, mittlerweile bin ich 40 Jahre alt und war sechs Jahre Studentenpfarrer in Leipzig. In den vergangenen zwei Jahren habe ich zusammen mit jungen Leuten die Zukunftswerkstatt SJ in Frankfurt aufgebaut. Sie ist ein Ort, wo junge Erwachsene zwischen 18 und 30 Jahren nach ihrer Berufung suchen können.

Weil überdurchschnittlich viele junge Menschen unsere Angebote aufsuchen, schlug mich die Deutsche Bischofskonferenz als Peritus, als Experten für die heute begonnene Bischofssynode in Rom vor. Warum? Das Thema der Synode lautet: Jugend, Glaube und Erkenntnis der Berufung.

Auf diesem Blog möchte ich von meinen Erfahrungen und Gedanken berichten und Sie mit auf den Weg dieser Synode nehmen. Ich freue mich, wenn Sie mich begleiten, denn darin wird der Grundgedanke einer Synode deutlich: Synode wird übersetzt mit „Gemeinsamer Weg“.

“ Vielleicht ist das wieder eine Zeit in der Kirche, die zeigt, dass auch Laien stärker in die Leitung der Kirche eingebunden werden sollen ”

Beim Zweiten Vatikanischen Konzil machten die Bischöfe aus aller Welt deutlich, dass sie mehr Gehör bei der Leitung der Kirche haben möchten. Da ein regelmäßiges Konzil zu teuer, organisatorisch zu kompliziert und Gespräche zwischen mittlerweile 5.000 Bischöfen weltweit sehr umständlich wären, führte Paul VI. 1965 die Synoden ein: Eine Auswahl von ca. 250 Bischöfen berät den Papst seither zu einem bestimmten Thema. Papst Franziskus hat zum 50. Jubiläum der Synode 2015 eine Ansprache gehalten, in der er von seiner Vision einer Kirche spricht: Kirche ist Synode, es geht um das gemeinsame Vorangehen. Wir sollen aufeinander hören und gemeinsam auf Gott.

Im Vorfeld hörte ich viele kritische Stimmen, dass zu viele Bischöfe bei dieser Synode sprechen werden und zu wenige Jugendliche. Vielleicht ist das wieder eine Zeit in der Kirche, die zeigt, dass auch Laien stärker in die Leitung der Kirche eingebunden werden sollen.

Gestern war der große Anreisetag. Als ich in Frankfurt aufbrach, spürte ich eine gewisse Nervosität. Vor allem wusste ich nicht, was mich wohl erwarten würde. Außer meinem Schlafplatz, einem informellen Abendessen mit den anderen Experten am Abend und dem 10 Uhr-Termin für den Beginn der Eröffnungsmesse heute am Morgen wusste ich nichts.

“ Der Herr lenkt Deinen Weg ”

Das Schutzengelfest war mit der Antiphon aus der Laudes ein guter Start in den gestrigen Tag: „Der Herr lenkt Deinen Weg.“ Und schon im Flugzeug begann ER zu lenken. Dort saß ein Bischof. Kurzentschlossen wollte ich ein kurzes Interview mit dem Smartphone machen und stellte mich vor: Ich bin Jesuit... Noch bevor ich aussprechen konnte, sagte er: „Ich auch.“ Überrascht stellte ich fest, dass COMECE-Chef Jean-Claude Hollerich SJ, Erzbischof von Luxemburg und Vorsitzender der Jugendkommission des Rates der europäischen Bischofskonferenzen CCEE, vor mir sitzt. Nach einer kurzen Unterhaltung fragte ich direkt, wie er zu seiner Unterkunft kommt. Er wird abgeholt, antwortete er, und ob ich nicht mitfahren wolle. So unkompliziert hatte ich noch keine Anreise in die Ewige Stadt: Der Herr lenkt.

Beim informellen Kennenlernen der Expertengruppe wurde mir schnell klar, dass eine These nicht stimmt: dass ausgewogen Frauen und Männer vertreten sind. In unserer Gruppe von 23 Personen gibt es nur 5 Frauen. Ausgewogen ist für mich anders. Naja, die Kirche ist eine Lernende...

“ Man kann hier viele beeindruckende Menschen kennen lernen ”

Dennoch konnte ich in die Vielfalt der Kirche eintauchen – und genau das fasziniert mich am meisten: Man kann hier viele beeindruckende Menschen kennen lernen. Nur um einige vorzustellen:

Beim Abendessen mit den Experten saß Chiara neben mir. Sie ist Soziologieprofessorin in Mailand, Mutter von 5 leiblichen und zwei adoptierten Kindern. Außerdem nimmt sie immer wieder Studenten und Flüchtlinge in die Familie auf. Ob das nicht sehr anstrengend ist, fragte ich sie. Natürlich, aber es ist pralles Leben und das liebe sie so sehr.

Danach kam ich mit Joao, einem Ordensmann ins Gespräch – er gehört zur Gemeinschaft Schalom, in Brasilien vor 36 Jahren gegründet. Ihr Charisma ist die Evangelisation der Jugend. Er arbeitet hier in Rom beim Dikasterium (eine Art Ministerium) für Laien und Familie. Ob ihm die Arbeit mit Jugendlichen bei seinem Bürojob nicht fehle? Nein, antwortet er, weil er ein Jugendzentrum hier in Rom mitbetreut, sodass er an der Basis überprüfen kann, was er im Büro macht.

Und da ist Toufik, Priester aus Beirut und Cousin eines Mitbruders, mit dem ich selbst zusammenarbeite. Für die maronitische Kirche organisiert er einen Verband von 8.000 Jugendlichen, die vor Kurzem ein Jugendfestival im Libanon veranstalteten, das erste nach dem Krieg. Es sei ein großes Freudenfest gewesen. Jetzt gründen sie gerade in einem ehemaligen Kloster ein Zentrum, um junge Menschen für die Verkündigung des Evangeliums auszubilden. Wie viel Mitarbeiter er habe, fragte ich. Er lachte und sagte, keine, wir haben doch kein Geld wie ihr in Deutschland. Das machen die jungen Leute alles freiwillig.

“ Alles lief wie am ,Schnürle´ ”

Toll, diese beeindruckenden Menschen kennenzulernen und dann auch noch bei herrlicher Pasta und kühlem Wein...

Ein ganz anderes Ambiente war dann das Umziehen für die Messe heute Morgen im Petersdom. Die Synodenväter und alle anderen Priester trafen sich. Man kann sagen, was man will, aber das funktionierte perfekt. Jeder bekam eine Albe in der richtigen Größe. Die Leute wurden sortiert aufgestellt, die Messe begann, ohne große Ansagen wurden wir zum Kommunionausteilen angeleitet – alles lief wie am „Schnürle“.

Die Messe war einfach, gesammelt, still – schön für uns Geistliche. Ob davon schon eine Message zur Jugend ausgehen sollte? Wohl eher nicht, denn die Jugendlichen kamen kaum vor. Da hätte man allein schon durch die Messgestaltung ein ganz anderes Zeichen setzen können.

“ Mal sehen, ob die Bischöfe und Kardinäle im Laufe der nächsten Wochen wirklich ins Träumen kommen ”

Dafür war der Papst allerdings wieder in Hochform: Die Bischöfe sollen Träume für die Kirche haben und die jungen Leute inspirieren, zu Propheten und Visionären der Kirche zu werden.
Mal sehen, ob die Bischöfe und Kardinäle im Laufe der nächsten Wochen wirklich ins Träumen kommen. Ich bin überzeugt, Gott hat einen großen Traum für uns Menschen und die Auseinandersetzung mit der Lebenswelt der Jugendlichen hilft hoffentlich, diesen großen Traum neu entdecken zu können!

Bis morgen zu einem neuen Stück des gemeinsamen Weges…

Clemens Blattert SJ

 

03 Oktober 2018, 16:27