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Papst Pius XII. in einer undatierten Aufnahme Papst Pius XII. in einer undatierten Aufnahme  (Vatican Media)

Stalin wollte Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufnehmen

Der sowjetische Diktator Josef Stalin wollte am Ende seiner Herrschaft trotz aller weltanschaulichen Gegensätze diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufnehmen. Das zeigen bisher unbekannte Dokumente über geheime Verhandlungen, die ein italienischer Forscher dieser Tage bei einem Historikertreffen im Vatikan präsentiert hat.

Dabei ging es zusammen mit dem Vorschlag zur Eröffnung einer sowjetischen Botschaft beim Heiligen Stuhl offenbar um eine mögliche Vermittlung des Papstes zwischen den Konfliktparteien im Kalten Krieg.

Laut dem italienischen Online-Portal Vatican Insider stellte der Forscher Matteo Luigi Napolitano bei der jüngsten Runde der Historiker-Gespräche zwischen Experten der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften das bisher unbekannte Kapitel der geheimen Avancen Stalins gegenüber dem Heiligen Stuhl von Februar 1952 bis zum Tod Stalins im März 1953 dar.

 

 

Kontakte trotz roten Terrors

 

Die Kontakte fanden demnach unter größter Geheimhaltung im Haus des Marchese Falcone Lucifero statt, der bis zum Ende der italienischen Monarchie 1946 Minister des Königlichen Hauses Savoyen war. Für die sowjetische Seite agierte dabei der italienische kommunistische Historiker und spätere Senator Ambrogio Donini, für den Heiligen Stuhl der Jesuit Giacomo Martegani, Chefredakteur der Zeitschrift „Civilta Cattolica“, der Zugang zu Papst Pius XII. (1939-58) hatte.

Die bisher nicht veröffentlichten minutiösen Aufzeichnungen über die Gespräche hat Donini 30 Jahre später an den Architekten der sogenannten Vatikanischen Ostpolitik, Kardinal Agostino Casaroli, übergeben. Die Dokumenten belegten, dass es lange vor der Vatikanischen Ostpolitik ab den 1970ern eine Moskauer Initiative zum Dialog gegeben habe, sagte Napolitano bei dem russisch-vatikanischen Historikertreffen.

 

Vatikan war offenbar hellsichtiger als andere

 

Wie der italienische Priester, Russlandexperte und Dozent am Päpstlichen Ostinstitut, Stefano Caprio, in einem Bericht von derselben Tagung schreibt, schilderte die Moskauer Historikerin Ewgenija Tokarewa bei der Konferenz auch, dass es sogar auf dem Höhepunkt des stalinistischen „roten Terrors“ von 1935 bis 1940 Kontakte zwischen dem Heiligen Stuhl und der Sowjetunion gab. Die vatikanische Diplomatie war demnach hellsichtiger als andere, befürchtete den Ausbruch eines neuen Weltkriegs und versuchte, auch durch Kontakte mit Moskau an der Verhinderung dieses Unheils zu arbeiten.

Die Mailänder Historikerin Maria Chiara Dommarco sprach bei der Konferenz über die Erfahrungen des weitgehend aus dem Bewusstsein geschwundenen Päpstlichen Hilfswerks für das nach dem Bürgerkrieg und dem Sieg der Bolschewiki hungernde Russland. Der deutsche Journalist und Historiker Hansjakob Stehle hatte die Geschichte dieses Hilfswerks, das von 1921 bis 1924 unter Leitung des US-amerikanischen Jesuiten Edmund Walsh in Russland tätig war, in seinem 1975 erschienenen Werk „Die Ostpolitik des Vatikans“ erstmals einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

(kap – sk)
 

28 Mai 2018, 15:03