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Das Schicksal des Kleinkindes bewegt das gesamte Land Das Schicksal des Kleinkindes bewegt das gesamte Land  (AFP or licensors)

Papst zum Fall Alfie: „Das Mögliche und Unmögliche tun“

Bereits seit geraumer Zeit hat das vatikanische Kinderkrankenhaus Bambin Gesu in Rom seine Bereitschaft signalisiert, den todkranken britischen Jungen Alfie Evans aufzunehmen, um ihm bis zu seinem Ende bestmöglich beizustehen. Das Kind leidet an einer bislang unbekannten neurodegenerativen Krankheit und wird im Liverpooler Krankenhaus Alder Hey Children's Hospital betreut.

Christine Seuss und Sergio Centofanti - Vatikanstadt

Die Ärzte des Krankenhauses plädieren dafür, die lebenserhaltenden Maßnahmen „zum Besten des Kindes“ abzubrechen – gegen den Willen der Eltern, die eine Odyssee durch die Gerichte hinter sich haben. Ein nicht mehr anfechtbares Urteil ist gefallen: das Oberste Gericht hat den Antrag der Eltern des Kindes abgelehnt und im Sinne der behandelnden Ärzte ausgesprochen. Nun sieht es so aus, dass tatsächlich die Maschinen abgeschaltet werden sollen.

Auch Papst Franziskus hat sich mehrfach zu dem Fall geäußert und seine Anteilnahme kund getan. Am Mittwoch hatte er den Vater des Kindes, Thomas Evans, in Privataudienz empfangen. Die Präsidentin des Kinderkrankenhauses Bambin Gesu, Mariella Enoc, betont im Gespräch mit Vatican News, dass die Bemühungen um eine Überführung des kleinen Alfie bereits im vergangenen Juli begonnen hätten:

„Im September sind unsere Ärzte dann nach Großbritannien gereist und wir haben ständig die Bereitschaft unseres Krankenhauses wiederholt. Am Mittwoch habe ich den Vater von Alfie getroffen und konnte wirklich eine große Entschlossenheit feststellen, ihren Sohn weiterleben zu lassen. Also habe ich mit unseren Ärzten gesprochen und zwei Briefe geschrieben. Einen Brief, der an den Vater adressiert war und in dem wir erklären, dass wir gerne mit den behandelnden Ärzten im englischen Krankenhaus zusammenarbeiten möchten.“ Die Kompetenz der Kollegen, so unterstreicht Enoc, stehe nicht in Frage, doch sie und ihre Equipe hätten in ihrem zweiten Brief eben an diese Kollegen darum gebeten, gemeinsam einen Weg zu weiteren Diagnosen zu beschreiten und das Kind im römischen Krankenhaus weiter zu behandeln und am Leben zu erhalten. Ein gewisses Risiko bei einem Transport sei nicht auszuschließen, gesteht Enoc ein, doch dies gelte für jedes Kind in kritischen Konditionen:

„Wir können auch Unterstützung für den Flug garantieren und würden alle Kosten übernehmen. Was das betrifft, habe ich geradezu eine Allianz zwischen Ärzten, Krankenhaus und englischen Autoritäten eingefordert. Ich habe ebenso meine Bereitschaft sowie die einiger meiner Mitarbeiter kundgetan, sollte das notwendig sein, nach Liverpool zu reisen, um persönlich unsere Absicht zu erläutern.“

Das Kind sei derzeit aufgrund seiner unbekannten Krankheit als unheilbar einzustufen, räumt Enoc ein, doch dies bedeute nicht, dass man es nicht behandeln könne. „Das heißt unserem Verständnis nach, uns um das Kind zu kümmern,“ betont Enoc, die eine „Übertherapierung“ ausschließt. Man spreche höchstens von einer Magensonde und einem Luftröhrenschnitt für die Sauerstoffzufuhr, sollte sich dies als absolut notwendig erweisen. Doch gleichzeitig könnte man die Diagnose vertiefen, und einer bisher unbekannten Krankheit weiter auf den Grund gehen, so die Hoffnung der Spezialistin. Sie könne schwer einschätzen, wie gut die Chancen für eine Überführung des kleinen Patienten stünden, meint Enoc, die darauf pocht, dass es nicht darum gehe, wer hier „der Bessere“ sei: „Aber wir wissen, dass wir nie aufgeben, und sollte man dann die Entscheidung treffen, dass das Kind es nicht mehr schafft, begleitet man es behutsam in seinen natürlichen Tod.“

“ Der Heilige Vater hat mich dennoch wissen lassen, dass ich das Mögliche und Unmögliche dafür tun soll, dass das Kind ins Bambin Gesu komme ”

Sie habe zwar nicht persönlich mit Papst Franziskus gesprochen, doch sie haben einen Anruf aus dem Staatssekretariat erhalten und mit dem Substituten Erzbischof Becciu gesprochen. „Der Heilige Vater hat mich dennoch wissen lassen, dass ich das Mögliche und Unmögliche dafür tun soll, dass das Kind ins Bambin Gesu komme. Das ist das, was der Papst mir direkt nach seinem Treffen mit Thomas Evans mitgeteilt hat. Und das ist auch das, was wir tun…  Sagen wir mal, seit Mittwoch habe ich versucht, mich noch mehr einzusetzen. Das, was ich tun konnte, war, zwei Briefe zu schreiben und dann unsere Unterstützung anzubieten.“

19 April 2018, 18:18