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Vatican News
Jugendliche vor der Vorsynode Jugendliche vor der Vorsynode  (Synod2018)

Was junge Leute wollen: Die Auftaktreden zur Vorsynode

Was sind die großen Anliegen junger Menschen heute? Fünf Jugendliche aus fünf Kontinenten versuchten eine Antwort zum Auftakt der Vorsynode am Montagmorgen vor dem Papst.

Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Aus Afrika

 

Die Sprecherin aus Afrika – Tendai Karombo aus Simbabwe - machte auf Bedrohungen für die Familie aufmerksam und nannte als Gründe Armut, Migration, häusliche Gewalt, Scheidung, Tod und neue Technologien: moderne afrikanische Jugendliche seien mehr in sozialen Medien unterwegs, als dass sie sich in die Familie einbrächten. Als Wünsche afrikanischer Jugendlicher an die Gesellschaft und die Kirche nannte sie die Verbesserung der Bildungssysteme und „eine Kirche, die dazu bereit und willens ist, sich selbst und ihre Jugendlichen zu transformieren“.

 

Aus Amerika

 

Der US-amerikanische Sprecher Nick López­­ aus Texas sprach davon, wie viele Jugendliche in seiner Lage immer noch „ihren Platz im Leben suchen“. Die Leute seiner Generation seien „nachdenklich und vernetzt“, da sei ein guter „Geist des Aktivismus“, als Beispiel nannte  López­­ den Einsatz junger Leute für Ungeborene in den Pro-Life-Bewegungen. Gewisse Überzeugungen, die junge Leute vorbrächten, stünden „zugegebenermaßen“ aber auch „im Konflikt mit christlichen Werten“ und zeigten, „dass viele von unseren Jugendlichen anscheinend in einer Welt von moralischem Relativismus“ befangen seien. Zugleich sei jugendlicher Eifer nobel, „wir müssen ihnen zeigen, dass das, was und wen sie suchen, Christus ist“.

Jugendliche fänden es schade, dass ihre Kirche offenbar mehr in die Berufungspastoral für Priester und Ordensleute setze und weniger in jene für Ehe und überhaupt für Heiligkeit. Einige hielten die Kirche da für „zu legalistisch“ und „zu wenig fokussiert auf die Komplexität" des Lebens. Daneben gebe es weitere Faktoren, die junge Leute davon abhielten, ihre gottgegebenen Möglichkeiten zu nutzen: „systemischer Rassismus, Armut, kein Zugang zu Bildung, Drogen und Menschenhandel, Missbrauch, ungerechte Einwanderungsgesetze, die Familien trennen, die Verweigerung eines sicheren Hafens für Flüchtlinge“.  

 

Aus Asien

 

Der Sprecher aus Asien – Cao Huu Minh Tri aus Vietnam - nannte als besondere Bedrohung für die Jugendlichen einen wachsenden Atheismus, der mit guten Lebensbedingungen einhergehe. Gebildete junge Katholiken würden Gott mitunter nur noch als Philosophen betrachten. In einigen Ländern mit buddhistischer, muslimischer oder hinduistischer Bevölkerungsmehrheit werde die Kirchenlehre als Bedrohung für nationale Traditionen empfunden.  Gewalt auf verschiedenen Ebenen sei ein drängendes Problem. Als Sorgen für die Kirche in asiatischen Ländern nannte Tri Abtreibung, Teenager-Schwangerschaften, zunehmende Scheidungen, gemischte Ehen „und besonders homosexuelle Ehen“.

 

Aus Europa

 

Aus einem stark säkularisierten Umfeld heraus sprach die junge Belgierin Annelien Boone: In ihrem Land würden heutzutage nicht einmal mehr die Hälfte der Kinder getauft. Die Jugendlichen wüssten kaum noch etwas über die Kirche, seien zugleich aber offen und neugierig für den Glauben, „einfach weil sie wenig darüber wissen“. Die Kirche sähen sie als „überholte Autorität“. Dieses Bild aufzubrechen, werde nur gelingen, wo Jugendliche konkrete und positive Erfahrungen machen. Der christliche Glaube müsse im Guten „überraschen“. Es brauche in einer solche Situation gute Begleiter und Führer, die sich der Jugendlichen vorbehaltlos annähmen. Gute Gelegenheiten seien die Weltjugendtage und Wallfahrten wir nach Taizé und Lourdes.

 

Aus Ozeanien

 

Angela Markas aus Australien sagte, es gebe viele Gründe, warum Jugendliche sich nicht mehr gerne von Kirchenleuten führen lassen. „Sie fühlen sich gespalten von einem alten Klerus, nicht willkommen geheißen wegen ihrer verschiedenen Haltungen und Glaubens, oder es wird ihnen nicht mit Liebe und Empathie zugehört.“ Die Kirche müsse sich fragen, wie sie für diese jungen Leute für sie sorgen könne, sodass diese dann selbst für die anderen sorgen können. Im Umgang mit Indigenen habe die Kirche viele Fehler einzugestehen.

Angela Markas, die aus einer chaldäischen Familien irakischen Ursprungs stammt, sprach auch von einem „Kulturwechsel“ der Gesellschaft. Viele Jugendliche in Ozeanien fragten heutzutage mit Blick auf die Homo-Ehe: „Warum nicht?“ Sie gäben sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden, die schon die Eltern ihrer Eltern gaben. „Junge Leute suchen die Tiefe. Wir wollen und wir sind dazu in der Lage, die Komplexität all dieser Dinge zu verstehen, und wir haben eine Stimme. Das schließt Homo-Ehe ein, unsere Sexualität, und auch die Rolle von Frauen in der Kirche.“ Sie selbst fühle sich genauso wertgeschätzt wie gleichaltrige Jungen. „Aber ich will, dass das alle jungen Frauen das so wissen und so erfahren und sich ermutig fühlen. In Marias Ja kam Jesus zur Welt. Frauen bringen die Kirche voran. Wir brauchen es, diese Stärkung zu fühlen.“ Die Kirche könne davon nur profitieren: „Wenn Jugendliche fühlen, dass sie wo dazugehören, dann geben sie der Welt einen Teil ihrer selbst. Und ihre Freude ist ansteckend.“

19 März 2018, 12:33