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Der Papst Ende Januar bei einer Audienz für die Glaubenskongregation Der Papst Ende Januar bei einer Audienz für die Glaubenskongregation 

Vatikan-Dokument: Keiner kann sich selbst erlösen

Keiner kann von sich aus das Heil erlangen: Das ist die Kernthese eines Briefs, den der Vatikan an diesem Donnerstag veröffentlicht hat.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Zum ersten Mal, seit Erzbischof Luis Ladaria im letzten Sommer die Leitung der Glaubenskongregation übernommen hat, publiziert das vatikanische Spitzenministerium einen längeren Text. „Placuit Deo“ heißt er, „Es hat Gott gefallen“, die Form ist ein Brief, gerichtet an die Bischöfe der Weltkirche. Thema: „Einige Aspekte des christlichen Heils“. „Die Lehre über das Heil in Christus muss immer wieder neu vertieft werden“, begründet die Kongregation ihre Themenwahl.

Vor allem zielt der Brief auf den heute verbreiteten Individualismus: Da werde der Mensch „als ein Wesen“ betrachtet, „dessen Verwirklichung allein von seinen eigenen Kräften abhängt“ und das ganz für sich, ohne andere, das Heil erlangen kann. Eine Tendenz, die an zwei alte Häresien erinnert, nämlich Pelagianismus und Gnostizismus: Das Erstgenannte meint Selbsterlösung, das Zweite einen Aufschwung des Verstands zum göttlichen Mysterium. Leibfeindlichkeit also, wenn man’s in ein Wort pressen will.

Beidem erteilt der Brief eine deutliche Absage. „Der Individualismus des Neu-Pelagianismus sowie die Leibverachtung des Neu-Gnostizismus entstellen das Bekenntnis des Glaubens an Christus, den einzigen und universalen Retter. Wie könnte Christus den Bund mit der ganzen Menschheitsfamilie aufrichten, wenn der Mensch ein isoliertes Individuum wäre, das sich nur mit eigenen Kräften selbstverwirklichen könnte, wie der Neu-Pelagianismus vorgibt? Und wie könnte das Heil durch die Menschwerdung Jesu, sein Leben und Sterben und die Auferstehung in seinem wahren Leib zu uns kommen, wenn nur das wichtig wäre, was das Innere des Menschen von den Begrenzungen des Leibes und der Materie befreit, wie der Neu-Gnostizismus meint?“

Zitate von Augustinus bis Benedikt XVI.

 

Das Vatikan-Schreiben hält den neuen Irrlehren unter Berufung auf Augustinus, Thomas von Aquin und Papstdokumente von Johannes Paul II. bis Franziskus die christliche Sicht der Erlösung entgegen. Das Heil bestehe „in unserer Vereinigung mit Christus“. Und wir gelangen nur dann zum Heil, „wenn Gott selbst dies möglich macht und uns an sich zieht“. Im Übrigen sei das Heil umfassend, es betreffe „unser ganzes Menschsein“. „Die ganze Person, Leib und Seele, ist nämlich durch die Liebe Gottes nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen, und sie ist berufen, in Gemeinschaft mit ihm zu leben.“ Und der „Ort, wo uns das von Christus gebrachte Heil geschenkt wird“, sei die Kirche.

Das neue Vatikan-Dokument orientiert sich spürbar am Denken von Papst Franziskus; Bezüge zu seiner Ansprache auf einem italienischen Kirchentreffen vom November 2015 in Florenz sind deutlich. Am Schluss steht ein missionarischer Impuls, wie er auch für den jetzigen Papst kennzeichnend ist: „Das Bewusstsein der Lebensfülle, in die uns Jesus, der Retter, hineinnimmt, drängt die Christen zur Mission, um allen Menschen die Freude und das Licht des Evangeliums zu verkünden.“

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01. Februar 2018, 12:03