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Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die "Nummer zwei" des Heiligen Stuhles Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, die "Nummer zwei" des Heiligen Stuhles  (Vatican Media)

Parolin: „Amoris Laetitia“ ist Frucht eines neuen Leitbilds

Das Papstdokument „Amoris Laetitita“ zu Ehe und Familie ist nicht nur eine „Umarmung“, sondern auch ein „Hilferuf“ der Kirche an die Familien. Mit diesen Worten hat Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin die Aufnahme des Schreibens resümiert, das seit seinem Erscheinen 2016 viel Lob und manche Kritik auf sich gezogen hatte.

Von Gudrun Sailer - Vatikanstadt

Franziskus vertieft in „Amoris Laetitita“ die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie und verlangt mehr pastorale Sensibilität für Menschen in Situationen, die nicht dem katholischen Ideal entsprechen. Die Kritik bezieht sich überwiegend auf die Stelle, in der Franziskus geschiedenen katholischen Gläubigen in einer zweiten, zivilen Ehe im Einzelfall den Weg zu den Sakramenten in Aussicht stellt.

Die Kirche habe sich nach den beiden Synoden zu Ehe und Familie und dem Erscheinen von „Amoris Laetitita“ „bewegt“, sagt nun Kardinalstaatssekretär Parolin, die „Nummer zwei“ im Vatikan nach dem Papst, im Gespräch mit vaticannews. Letztendlich sei „Amoris Laetitia“ aus einem „neuen Paradigma“, also einem neuen Leitbild hervorgegangen, „das Papst Franziskus mit Weisheit, Vorsicht und auch Geduld voranbringt. Wahrscheinlich sind die Schwierigkeiten, die aufgetreten und in der Kirche immer noch vorhanden sind, nicht nur einigen Aspekten des Inhalts geschuldet, sondern auch diesem Haltungswechsel, um den der Papst uns bittet. Ein Paradigmenwechsel, der dem Text innewohnt, und der uns abverlangt wird: dieser neue Geist, dieser neue Zugang.“

 

Jede Änderung bringe Schwierigkeiten mit sich, fuhr Kardinal Parolin fort. Solche Schwierigkeiten müssten „in Rechnung gestellt und mit Engagement angegangen werden“, um Antworten zu finden, die letztlich „Gelegenheiten zum Wachstum und zu weiterer Vertiefung“ seien.

Parolin verspricht sich in dieser Hinsicht nach eigenen Worten auch Entwicklungen beim kommenden Weltfamilientreffen in Dublin, das erste, das nach „Amoris Laetitia“ stattfindet. Zu dem Treffen von 21. bis 26. August 2018 wird auch Papst Franziskus erwartet, wenngleich eine offizielle Bestätigung seiner Teilnahme noch aussteht.

Der Kardinalstaatssekretär betont zugleich, dass die neue pastorale Haltung der Kirche auch ein Auftrag an die Familien selbst sei: „Ich glaube, dass Amoris Laetitia nicht bloß eine Umarmung der Kirche für die Familie und ihre Schwierigkeiten in der Welt von heute ist, sondern zugleich auch ein Hilferuf an die Familien, damit sie mithelfen und zum Wachstum der Kirche beitragen.“

Zum Nachhören

 

11 Januar 2018, 09:18