Kardinal Maradiaga Kardinal Maradiaga 

Kardinal Maradiaga weist Finanz-Vorwürfe zurück

Der honduranische Kardinal und Papst-Berater Oscar Andres Rodriguez Maradiaga hat Vorwürfe finanzieller Unregelmäßigkeiten zurückgewiesen.

In einem per E-Mail geführten Interview mit dem amerikanischen katholischen Nachrichtenportal CNA erklärte er, es handele sich um „Halbwahrheiten, die letztlich die schlimmeren Lügen“ seien.

Der Kardinal betonte, die Vorwürfe gingen offenbar auf einen Manager der Katholischen Universität Honduras zurück, der im vergangenen Jahr wegen Diebstahls entlassen worden sei. Kurze Zeit später sei ein anonymes, ihn diffamierendes Schreiben mit den Anklagen aufgetaucht, die jetzt in Rom veröffentlicht worden seien.

Der Enthüllungsjournalist Emiliano Fittipaldi hatte im italienischen Magazin „L´Espresso“ berichtet, dass Maradiaga in einen Finanzskandal verwickelt sei. Er habe jahrelang 35.000 Euro monatlich von der Katholischen Universität in Honduras erhalten. Außerdem soll Maradiaga „Investitionen in Millionenhöhe“ in Londoner Firmen getätigt haben; die Gelder seien dann aber „verschwunden“. Laut „L´Espresso“ gibt es zudem in Honduras Ermittlungen, weil die Regierung „enorme Summen“ in kirchliche Stiftungen investiert haben soll, mit denen Maradiaga ebenfalls in Verbindung gestanden habe.

Der Erzbischof von Tegucigalpa ist Vorsitzender des Kardinalsrats und damit ein wichtiger Berater des Papstes für die Reform der römischen Kurie. Papst Franziskus sei über die Vorwürfe informiert und habe vor sechs Monaten einen ersten Bericht dazu erhalten, heißt es weiter. Franziskus habe seinerzeit den argentinischen Bischof Jorge Pedro Casaretto als Sonderermittler nach Honduras geschickt.

Anzeige der Erzdiözese gegen unbekannt

Maradiaga erklärte laut CNA, die Erzdiözese habe Anzeige gegen den anonymen Verursacher der Vorwürfe erhoben. Dies habe aber bislang nicht weitergeführt. Er betonte, dass die Erzdiözese Eigentümer der Universität sei und deshalb monatliche Zahlungen der Hochschule für die pastorale Arbeit erhalte. Nicht er, sondern die Erzdiözese habe das Geld erhalten. Daraus seien Ausbildung der Seminaristen, Unterstützung für arme Priester und mittellose Gemeindemitglieder sowie Gebäude und Kirchenrenovierungen finanziert worden. Der Kardinal erklärte zudem, der Finanzrat der Erzdiözese habe niemals irgendwelche Investments beschlossen, über die jetzt „L´Espresso“ berichtet.

„Offenkundig gehe es darum, die Reformen von Papst Franziskus zu gefährden.“

CNA zitiert zudem einen Geistlichen der Erzdiözese, nach dessen Worten alle honduranischen Bischöfe Gelder der Universität für ihre pastorale und soziale Arbeit erhielten, nicht nur Tegucigalpa.

Maradiaga bestätigte laut CNA, dass ein päpstlicher Ermittler den Weihbischof von Tegucigalpa, Juan Jose Pineda, aufgesucht habe. Der Weihbischof selber habe aber den Papst darum gebeten, um Vorwürfe gegen sich aufklären zu können.

Der Kardinal erklärte, er stelle sich die Frage, warum die Vorwürfe in Europa zum jetzigen Zeitpunkt veröffentlicht würden, obwohl sie schon über ein Jahr bekannt seien. Das geschehe acht Tage vor seinem 75. Geburtstag, an dem er den Papst seinen Rücktritt anbieten müsse. Offenkundig gehe es darum, die Reformen von Papst Franziskus zu gefährden.

(kna)

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23. Dezember 2017, 11:28