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Hl. Hedwig von Andechs, Herzogin von Schlesien

Hl. Hedwig von Andechs, Herzogin von Schlesien Hl. Hedwig von Andechs, Manuskript 14. Jahrhundert  (Digital image courtesy of the Getty's Open Content Program)

Niemand wunderte sich, wenn eine Edelfrau in feinen Kleidern sozial tätig wurde. Für die Armen zu sorgen war eine allgemein anerkannte Praxis für die hochgestellten Damen des Mittelalters. Für viele war diese Geste Ausdruck eines ehrlich empfundenen Mitgefühls, andere wiederum spendeten mit einer achtlosen Freigiebigkeit. Doch ungeachtet der Tatsache, ob der soziale Einsatz freiwillig oder wie eine lästige Pflicht gelebt wurde, so war diese Gewohnheit doch eine Regel – und Regeln, auch die des hohen Standes, warten nur darauf, gebrochen zu werden.

Der Reichtum der Armut

Die Ausnahme hat einen Namen, Hedwig von Andechs, die um 1190 eine sechzehnjährige Edelfrau aus Bayern ist, die darauf wartet, den Erben des Herzogtums Schlesien Heinrich den Bärtigen zu heiraten. Von Anfang an gilt die junge Herzogin, die bald Mutter ist (sie wird sechs Kinder gebären), bei ihren Untertanen als der Inbegriff des schönsten Ideals einer Königin: es sind nicht ihre Kleider, sondern ihre stete Großzügigkeit, mit der Hedwig diejenigen umhüllt, die in Armut leben. So lässt sie unter anderem Hospize und Unterkünfte für diejenigen bauen, die nichts oder nur wenig haben. Doch sie bemüht sich auch persönlich um das Volk, das zu einem großen Teil aus Polen besteht und von dem sie, die Deutsche, die Sprache lernt. Es sind vor allem ihr bescheidenes Auftreten und ihr nüchterner Kleidungsstil, mit dem sie auffällig aus dem Rahmen fällt, der ihrem Stand entsprechend wäre. Hedwig schämt sich nicht, gebrauchte Kleider, alte Schuhe und Strohgürtel zu tragen. Die Herzogin will sich nicht von den Armen unterscheiden, denn, wie sie sagt, die Armen „sind unsere Herren.“

Die herzögliche Ordensfrau

Diese Überzeugung drückt Hedwig gegenüber Gertrud aus, dem einzigen ihrer sechs Kinder, das sie überleben wird. Die Jahre, die sie bis dato als Ehefrau und Mutter gelebt hat, waren von Schicksalsschlägen überschattet. Die Herzogin, die ihrem Mann bei seinen Amtsgeschäften treu zur Seite steht, musste mit dem frühen Tod ihrer drei Söhne und zweier ihrer Töchter fertig werden. Ihr christlicher Glaube, im Verbund mit der Strenge der Zeit, die die öffentliche Zurschaustellung von Schmerz und Gram verbot, ließen sie ihre erdrückende Trauer so gut wie ohne Tränen und geradezu versteinert ertragen.

Doch diese Fassung ist keine leere Rüstung, die ihr ihr Status auferlegt. In sich spürt sie den Trost des Glaubens und des täglichen intensiven Gebetes, die mit den Jahren den Wunsch in ihr reifen lassen, ein geweihtes Leben zu führen.

Nach dem Tod des Ehemannes 1238 ist es für Hedwig eine natürliche Entscheidung, in das Zisterzienserkloster Trebnitz einzutreten, das sie selbst 1202 gegründet hatte. Als Hedwig am 15. Oktober 1243 stirbt, ist für ihre Umwelt bereits klar: hier ist eine Heilige gestorben. Und zu einer solchen erhebt Papst Clemens IV. sie im Jahr 1267.