Beta Version

Cerca

Hl. Theresia von Lisieux (vom Kinde Jesu und dem heiligen Anlitz), Karmelitin, Kirchenlehrerin, Patronin der Missionen

Hl. Theresia von Lisieux (vom Kinde Jesu und dem heiligen Anlitz), Karmelitin, Kirchenlehrerin, Patronin der Missionen Hl. Theresia von Lisieux  (Joachim Schäfer - Ökumenisches Heiligenlexikon)

Die Rettung der Seelen

Thérèse Françoise Marie Martin, wie sie mit bürgerlichem Namen hieß, kam am 2. Januar 1873 auf die Welt. Ihre Eltern waren Goldhändler und sehr gläubig. Die Heilige bezeichnete sie als „dem Himmel würdiger als der Erde“. Theresia, wie sie im Deutschen genannt wird, war die letzte von neun Kindern. Drei Geschwister starben bereits im Kindesalter. Sie selber verlor ihre Mutter, als sie vier Jahre alt war. Vier Schwestern verließen die Familie dadurch, dass sie ins Kloster gingen. Das band sie aber stärker zu ihrem Vater, der sie liebevoll auch „die kleine Königin von Frankreich und Navarra“ und auch das „Waisenmädchen von Beresina“ bezeichnete.

Nach dem Tod ihrer Mutter zog die Familie um nach Lisieux. In der damaligen Zeit entwickelte sie ihr besonderes Verhältnis zur Muttergottes. So ging sie bereits mit sieben Jahren erstmals zur Beichte. An Pfingsten 1883 wurde sie auf Fürsprache Mariens wunderbar von einer schweren Krankheit geheilt.

Drei Jahre später entschloss sich Marie-Françoise bei den Karmelitinnen in Lisieux ein kontemplatives Leben zu führen. Das hatten vor ihr bereits ihre Schwestern Pauline und Marie getan. Der zuständige Bischof verweigerte den Eintritt, weil sie seiner Meinung nach zu jung sei. 1887 unternahm die Heilige mit ihrem Vater eine Wallfahrt zu den sieben Pilgerkirchen in Rom. Sie traf bei einer Audienz Papst Leo XIII. anlässlich eines Treffens für Pilger aus Lisieux. Als sie ihm um die Aufnahme in den Orden bat, verweigerte auch dieser ihr das.

Erst ein Jahr später konnte sie ins Kloster der „Unbeschuhten Karmelitinnen“ in Lisieux eintreten. Sie betrachtete als ihre Aufgabe, ihr Leben stellvertretend leidend für die armen Seelen der Sünder zu schenken sowie es die Ordensgründerin Teresa von Ávila aufgezeigt hatte. Deshalb nahm das junge Mädchen nach deren Vorbild den Ordensnamen Theresia an und folgte dem – wie sie sagte – kleinen Weg einer innigen Hingabe an Gott, die wie ein Kind sich ohne Angst den Armen des barmherzigen Vaters überlässt.

Der kleine Weg

Die heilige Theresia lehrte den sogenannten kleinen Weg. Dabei handelte es sich zunächst um die Anerkennung der geistlichen Armut des Menschen, der vor Gott mit leeren Händen steht und sich von ihm alles schenken lassen muss. Doch lehrte sie auch, dass die Tugenden eines Menschen Geschenk Gottes sind; dies anzuerkennen und sich dabei immer als klein, also empfangend zu erkennen, ist die Schwierigkeit dieses Weges für all jene, die gerne so stolz sind. Die Schlussfolgerungen aus einer solchen Armut sind Barmherzigkeit und die Weitergabe der Liebe Gottes an alle Menschen, auch an die Sünder. 1893 wurde sie zweite Novizenmeisterin im Kloster Lisieux, was ihr weiterer Werdegang prägte. Sie empfand es als besondere Gabe, zwei Missionsbrüder mit Gebeten zu begleiten, und dabei wurde sie immer mehr ihrer apostolischen und missionarischen Berufung bewusst.

Theresia verfasste neben ihrem Hauptwerk – einer autobiographischen Schrift – auch 266 Briefe, 54 Gedichte und 21 Gebete, die alle ihre spirituellen Erfahrungen zum Gegenstand haben. Weniger bekannt sind acht von ihr geschriebene Theaterstücke.

Tod und die „Geschichte einer Seele”

Theresia beschloss am Dreieinigkeitsfest 1895 sich selbst als heiliges Opfer der barmherzigen Liebe Gottes zur Verfügung zu stellen. Daraufhin verfasste sie ihr erstes autobiografisches Manuskript, das sie im Januar 1896 ihrer Oberin übergab. Theresia erkrankte wieder und zwar in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag 1896. Diesmal hatte sie Tuberkulose. Sie selber betrachtete diese Krankheit als Begegnung mit ihrem göttlichen Lebensgefährten.

Auf dem Krankenbett verfasste sie weitere Manuskripte, nach der Überführung ins Krankenzimmer des Klosters schrieben Mitschwestern ihre Worte nieder. Am Abend ihres Todes, eineinhalb Jahre nach Ausbruch der Krankheit, schrieb sie an ihren geistlichen Bruder M. Bellier: „Ich sterbe nun, ich gehe ins Leben. Mit den Worten Mein Gott …, ich liebe dich!“ Sie starb mit 24 Jahren.

Eine Vielzahl von Wundertaten wurden ihr bereits kurz nach ihrem Tod zugesprochen. 1907 nannte Papst Pius X. sie die größte Heilige der Neuzeit. Ihre Gebeine wurden 1910 im Beisein des Bischofs umgebettet, dann 1923 in einen prächtigen Schrein gelegt, der seinen Platz in der Kapelle des Klosters der Unbeschuhten Karmelitinnen in Lisieux fand.