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Hl. Michael, Erzengel

Hl. Michael Hl. Michael 

Damals, in Dantes Fegefeuer…

„Und als wir etwas weiter vorgekommen,
Da hört‘ ich: ‚Bitt für uns, Maria‘, hörte
Michael, Petrus, alle Heil’gen rufen.“
(Dante, Göttliche Komödie, Fegefeuer, XIII. Gesang)

Unter der Führung des Vergil irrte einst Dante durch Hölle, Fegefeuer und Paradies – und legte in der „Göttlichen Komödie”, einem Bestseller des Mittelalters, Zeugnis davon ab. Die Szene, aus der der obige Ausschnitt stammt, berichtet von Verzweifelten im Fegefeuer, die die Heiligen anrufen, und zwar in einer interessanten Reihenfolge: zuerst Maria, aber dann gleich Michael, noch vor Petrus und allen anderen Heiligen. Kurz vorher hat Dante übrigens schon den anderen Engel gesehen, eine „edle Kreatur“, die „wie ein Blitz vom Himmel“ gefallen sei: Luzifer.

Mit dem Schwert gegen das Böse

Michael und Luzifer, um diese beiden geht’s. Ein Engel gegen den anderen, das Gute gegen das Böse. Die Bibel spricht vom Engelsturz, auch Jesus selbst erwähnt ihn in einer eher rätselhaften Sentenz. Nach der kirchlichen Tradition ist der Erzengel Michael der gegen das Dunkle streitende Engelsfürst; auch Dantes Höllentour belegt die Verehrung Michaels, der übrigens in Ost- wie Westkirche gleichermaßen angerufen wird.

„Wer ist wie Gott?”

Mi-ka-El: Wer ist wie Gott? Eine Frage, die zum Namen wurde. Fünf Mal fällt dieser Name in der Heiligen Schrift, der Rest blieb einer im Lauf der Jahrtausende immer weiter angereicherten Phantasie überlassen. Nicht nur Kathedralen, Kirchen, Kapellen und Klöster tragen in aller Welt den Namen des Michael, sondern auch Berge, Grotten, Hügel. Berühmt ist die Statue des Engels, die nicht weit von der römischen Peterskirche auf der Spitze der Engelsburg steht und gewissermaßen den Zugang zum Vatikan bewacht. Zahllos sind die Legenden und Geschichten, die sich um den Erzengel ranken – eine von ihnen betrifft den 13. Oktober 1884.

Auf einmal hatte es der Papst eilig

An diesem Oktobertag hatte Papst Leo XIII. gerade erst im Vatikan die Messe gefeiert, als er – so berichteten es die Augenzeugen – auf einmal etwa zehn Minuten lang erstarrte. Papst Pecci starrte vor sich hin, seine Züge verrieten zunächst Erschrecken, dann Staunen. Auf einmal hatte er es dann eilig, er ging in sein Arbeitszimmer, setzte sich und schrieb in einem Rutsch ein Gebet an den Erzengel Michael nieder. Das Blatt gab er dann seinem Sekretär mit der Anweisung, dieses Gebet sollten alle Bischöfe weltweit nach der Messfeier sprechen. Gesagt, getan – so ist das, wenn Päpste einen Wunsch äußern.

Leo erklärte später, er habe in diesen Minuten der Erstarrung eine furchtbare Vision gehabt: „Legionen von Dämonen“ hätten darin zum Sturm auf die Kirche angesetzt und sie nahezu zerstört. Doch dann habe der Erzengel Michael eingegriffen und das Schlachtenglück gewendet. „Aber ich sah, dass der Erzengel nicht sofort eingriff, sondern erst, nachdem aus aller Welt inständige Bitten zu ihm aufgestiegen waren.“ Das Gebet des Leo-Papstes ist mittlerweile fast in Vergessenheit geraten, doch noch Johannes Paul II. lud an einem Sonntag im April 1994 dazu ein, „es immer wieder zu beten, um Hilfe im Kampf gegen die Kräfte der Dunkelheit und gegen den Geist dieser Welt zu erlangen“.