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Hl. Johanna von Orléans, Jungfrau, Märtyrerin, Retterin Frankreichs

Hl. Johanna von Orléans, 1504 Hl. Johanna von Orléans, 1504 

Hoch zu Roß, angetan mit einer schweren Eisenrüstung, die das grazile Mädchen fast zu erdrücken droht. An den Pfahl auf dem Scheiterhaufen gebunden, das Kreuz fest an die Brust gedrückt, von Rauch und Flammen umgeben. Das sind die beiden Bilder, die man seit nunmehr 600 Jahren mit Johanna von Orléans verbindet: umjubelte siegreiche Kriegerin und verhasste „Hexe“, die man ins Feuer werfen muss. Zwischen diesen beiden Bildern spielte sich das nur 19 Jahre kurze Leben dieses außergewöhnlichen Mädchens ab, das vermutlich am 6. Januar 1412 in Domrémy, im Nord-Osten Frankreichs, geboren wurde und im Alter von 13 Jahren im Wald plötzlich Stimmen hörte, die ihr befahlen, ein gutes Leben zu führen und Gott zu gehorchen.

Ein großer Auftrag für ein unglaubliches Mädchen

Frankreich befreien und Karl VII. zum König von Frankreich ausrufen lassen. So lautete der große Auftrag, den ihr – wie Johanna zuerst ihren Eltern, dann den Autoritäten erzählte – der Erzengel Michael, Katherina von Alexandria und Margareta von Antiochia erteilt hatten. Die Stimmen wurden sofort als Hirngespinste einer etwas überdrehten Analphabetin abgetan. Nachdem es ihr aber – nun 17 Jahre alt – tatsächlich gelungen war, den Dauphin zu sprechen und ihm im Namen des Himmels die Rettung Frankreichs und seine Krönung in Reims zuzusagen, wandte sich das Blatt. Drei Wochen lang ließ Karl VII. ihre Glaubwürdigkeit durch Kirchenmänner prüfen, dann gab er seine Zustimmung. In nur acht Tagen gelang es der mit Männerkleidung angetanen Jungfrau tatsächlich, den Belagerungsring der Engländer zu sprengen und Orléans zu befreien. Am 17. Juli 1429 war sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes angelangt: Karl VII. wurde in Reims zum König Frankeichs gekrönt. Johanna stand in Rüstung und mit Standarte neben ihm.

Von Feinden umgeben

Doch über Johanna brauten sich bereits dunkle Wolken zusammen. Am 23. Mai 1430 wurde sie nach der Niederlage der Franzosen in der Schlacht von Compiègne gefangengenommen, an die Engländer verkauft und einem Inquisitionsgericht ausgeliefert. Johannas Passion begann. Den von ihr gedemütigten Engländern lag natürlich viel daran, das unheimliche Mädchen ein für alle Mal zu diskreditieren und zu vernichten. Denn wenn sich im Inquisitionsprozess herausstellte, dass sie vom Teufel kam, war auch Karls Krone nichts mehr wert. Die Anklageschrift war lang: man warf ihr insgesamt 70 schwere Vergehen und Sünden vor wie Zauberei und Hexerei, Blasphemie, falsche Weissagung, Schamlosigkeit, Hochmut und kirchenspalterisches Verhalten. Karl VII., der ihr seine Krone verdankte, wandte sich von ihr ab.

Die Seele kann nicht verbrennen

Am 9. Januar 1431 begann in Rouen der Prozess. Etwa 50 der gelehrtesten Männer Frankreichs und Englands saßen über das blutjunge Mädchen zu Gericht: Bischöfe, Advokaten, kirchliche Würdenträger. Es war ein politischer Prozess. Zum Chefankläger hatten die Engländer Pierre Cauchon bestellt, den Bischof von Beauvais. Er kam von der Pariser Universität und hielt es mit den Engländern. Aus dem Umkreis der proenglischen Universität stammten weitere Prozessführer und Beisitzer, die nun die ganz auf sich gestellte Jungfrau – sie blieb auf eigenen Wunsch ohne Anwalt – der Ketzerei zu überführen hatten. Doch Johanna ließ sich nicht beirren. Als man sie fragte, ob sie wisse, dass sie in der Gnade Gottes sei, antwortete sie: „Falls ich nicht in ihr bin, wolle Gott mich in sie versetzen; falls ich in ihr bin, möge Gott mich in ihr bewahren.“ Am 24. März war das Urteil gefällt: die umjubelte Heldin Frankreichs war nun offiziell eine Ketzerin, mit der man kurzen Prozess machen muss. Am 30. Mai 1431 bestieg sie den Scheiterhaufen auf dem Marktplatz von Rouen. Sie starb in den Flammen, das Kreuz fest an die Brust gedrückt. 1456 wurde Johanna von der Kirche feierlich postum rehabilitiert. 1909 wurde sie von Papst Pius X. selig-, 1920 von Benedikt XV. heiliggesprochen.