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Vatican News

Wortlaut: Ansprache von Papst Franziskus beim Angelus an Allerheiligen

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Franziskus an diesem Montag bei seinem Angelusgebet zum Fest Allerheiligen gehalten hat, in einer deutschen Übersetzung.

Sämtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer offiziellen Fassungen werden auf der Homepage des Vatikan veröffentlicht.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute feiern wir Allerheiligen, und in der Liturgie erklingt die "programmatische" Botschaft Jesu: die Seligpreisungen (vgl. Mt 5,1-12a). Sie zeigen uns den Weg, der zum Reich Gottes und zur Glückseligkeit führt: den Weg der Demut, des Mitgefühls, der Sanftmut, der Gerechtigkeit und des Friedens. Heilig zu sein bedeutet, auf diesem Weg zu gehen. Verweilen wir einen Moment bei zwei Aspekten dieses Lebensstils: Freude und Prophetie - Weissagung.

Die Freude. Jesus beginnt mit dem Wort „Selig“ (Mt 5,3). Es ist die wesentliche Verkündigung, die eines unerhörten Glücks. Die Seligkeit, die Heiligkeit, ist kein Lebensprogramm, das nur aus Anstrengung und Verzicht besteht, sondern ist vor allem die freudige Entdeckung, von Gott geliebte Kinder zu sein. Und das erfüllt uns mit Freude. Es ist keine menschliche Errungenschaft, sondern ein Geschenk, das wir empfangen: Wir sind heilig, weil Gott, der der Heilige ist, in unserem Leben Wohnung nimmt. Er ist es, der uns die Heiligkeit gibt. Deshalb sind wir selig! Die Freude des Christen ist also nicht die Empfindung eines Augenblicks oder ein einfacher menschlicher Optimismus, sondern die Gewissheit, jeder Situation begegnen zu können unter dem liebevollen Blick Gottes und mit dem Mut und der Kraft, die von Ihm kommen.

Die Heiligen haben, auch inmitten vieler Drangsale, diese Freude gelebt und sie bezeugt. Ohne Freude wird der Glaube zu einer anstrengenden und bedrückenden Übung und läuft Gefahr, an Traurigkeit zu erkranken. An Traurigkeit erkranken: Ein Wüstenvater sagte, dass die Traurigkeit „ein Wurm des Herzens“ sei, der das Leben zersetzt (vgl. Evagrius Ponticus, Über die acht Geister der Bosheit , XI). Fragen wir uns also: Sind wir freudige Christen? Bin ich ein freudiger Christ oder nicht? Verbreiten wir Freude, oder sind wir fade, traurige Menschen mit einem Gesicht wie auf einer Beerdigung? Behalten wir im Gedächtnis: Es gibt keine Heiligkeit ohne Freude! Es gibt keine Heiligkeit ohne Freude.

„Sind wir freudige Christen? Verbreiten wir Freude, oder sind wir fade, traurige Menschen?“

Der zweite Aspekt: die Weissagung. Die Seligpreisungen richten sich an die Armen, an die Betrübten, an diejenigen, die nach Gerechtigkeit hungern. Es ist eine Botschaft, die gegen den Strich geht. In der Tat sagt die Welt, dass man, um Glückseligkeit zu erlangen, reich, mächtig, immer jung und stark sein, Ruhm und Erfolg genießen muss. Jesus wirft diese Kriterien über den Haufen und macht eine prophetische Ansage, und das ist die prophestische Dimension der Heiligkeit: Die wahre Fülle des Lebens erreicht man, indem man Ihm folgt, indem man sein Wort umsetzt. Und das bedeutet, innerlich arm zu sein, sich von sich selbst zu leeren, um Platz für Gott zu schaffen. Wer sich für reich, erfolgreich und sicher hält, baut in Allem auf sich selbst und verschließt sich Gott und den Brüdern und Schwestern. Wer aber weiß, dass er oder sie arm ist und sich nicht selbst genügt, bleibt offen für Gott und den Nächsten. Und findet die Freude.

„Bringe ich der Welt die freudige Neuheit der Weissagung Jesu oder die üblichen Klagen darüber, was nicht geht?“

Die Seligpreisungen sind also die Weissagung einer neuen Menschlichkeit, einer neuen Art zu leben: sich klein machen und sich Gott anvertrauen, anstatt sich über andere zu erheben; sanftmütig sein, anstatt zu versuchen, sich aufzudrängen; Barmherzigkeit üben, anstatt nur an sich selbst zu denken; sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzen, anstatt Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten – und sei es durch Gewährenlassen – zu nähren. Heiligkeit bedeutet, diese Weissagung, die die Welt revolutioniert, anzunehmen und mit Gottes Hilfe in die Tat umzusetzen.

Wir können uns also fragen: Lege ich Zeugnis ab für die Weissagung Jesu? Bringe ich den prophetischen Geist zum Ausdruck, den ich in der Taufe empfangen habe? Oder richte ich mich nach den Annehmlichkeiten des Lebens und meiner eigenen Faulheit aus und denke, dass alles in Ordnung ist, wenn es mir gut geht? Bringe ich der Welt die freudige Neuheit der Weissagung Jesu oder die üblichen Klagen darüber, was nicht geht? Diese Fragen tun uns gut.

Möge die selige Jungfrau uns etwas von ihrem Mut schenken, jener seligen Zuversicht, die mit Freude den Herrn verherrlichte, der „die Mächtigen vom Thron stürzt und die Niedrigen erhöht“ (vgl. Lk 1,52).

(vatican news - mr)
 

01 November 2021, 12:12

Das Angelus ist ein Gebet, dass in Erinnerung an das ewige Geheimnis der Menschwerdung drei Mal am Tag gebetet wird: 6 Uhr morgens, am Mittag und am Abend gegen 18 Uhr, jeweils wenn die Glocken zum Angelusgebet rufen.
Der Name ‚Angelus‘ stammt aus dem ersten Vers der lateinischen Version des Gebets - Angelus Domini nuntiavit Mariae. Es besteht aus der Lesung von drei schlichten Texten, bei denen es um die Menschwerdung Jesu Christi geht, gefolgt jeweils von einem Ave Maria.
Dieses Gebet wird vom Papst auf dem Petersplatz sonntags mittags und an Hochfesten gebetet. Direkt vor dem Gebet legt der Papst kurz die Lesungen des Tages aus. Nach dem Gebet folgen Grüße an die Pilger.
Von Ostern bis Pfingsten wird an Stelle des Angelusgebets das Regina Coeli gebetet, das an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Zum Abschluss dieses Gebets wird das „Ehre sei dem Vater“ drei Mal gesprochen.

Gebet des Angelus / Regina Coeli mit Papst

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