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Mensch mit Behinderung Mensch mit Behinderung  (©Minerva Studio - stock.adobe.com)

Papst: Zu viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderung

Papst Franziskus hat in seiner Botschaft zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen daran erinnert, dass es in der Gesellschaft Diskriminierung gibt und dass die Pandemie die Verletzlichkeit vieler Menschen deutlich gemacht hat: Die Freundschaft mit Jesus aber könne der spirituelle Schlüssel sein, um die Begrenztheit des eigenen Zustands zu akzeptieren.

Mario Galgano – Vatikanstadt

„Die Kirche liebt euch und braucht euch“: Dies ist der Kern der Botschaft von Papst Franziskus, die er an diesem Donnerstag anlässlich des 1992 von der UNO ausgerufenen und am 3. Dezember begangenen Tages der Menschen mit Behinderungen veröffentlicht. Der Text konzentriert sich genau auf die Freundschaft mit Jesus: von dort aus starten wir und kehren zurück, hebt der Papst hervor. Denn es sei das grundlegende Band einer Zugehörigkeit, die nicht enttäuscht, trotz der Zerbrechlichkeit, die jeder erfährt, auch die Kirche selbst.

Zum Nachhören - was der Papst in seiner Botschaft schreibt

Vorstellung im Pressesaal

Im vatikanischen Pressesaal wurde der Text an diesem Donnerstag vorgestellt. Pater Alexandre Awi Mello, Sekretär des Dikasteriums für die Laien, die Familie und das Leben, sagte:

„Es ist von besonderer Bedeutung, dass dieser Text zu diesem Zeitpunkt erscheint. Die erste Bewährungsprobe für eine wirklich integrative Pastoral wird darin bestehen, zu verstehen, wie man Menschen mit Behinderungen im Rahmen des synodalen Prozesses zuhört und - gleichzeitig - wie man ihnen hilft, sich der Berufung bewusst zu werden, die sie, wie alle Christen, in dieser besonderen Zeit im Leben der Kirche erhalten haben.“

Vittorio Scelzo, Beauftragter für die Seelsorge an älteren und behinderten Menschen, stellte in seinem Redebeitrag eine Initiative vor:

„Diese Botschaft richtet sich an Menschen mit Behinderungen, aber sie lädt auch jeden von uns ein, sich dem Zuhören zu öffnen und ein Stück des Weges mit ihnen zu gehen. Das ist es, was das Dikasterium für Laien, Familie und Leben mit der Kampagne #IamChurch, ich bin Kirche, die wir am 6. Dezember starten werden, erreichen wollte. Es gibt fünf Videos, fünf kleine Reisen in die kirchliche Erfahrung einiger Christen mit Behinderungen aus verschiedenen Ländern der Welt.“

Und dann sprach Antonietta Pantone von der Gemeinschaft Glaube und Licht. Sie sagte:

„In dieser Botschaft von Papst Franziskus ist mir das Wort "Freundschaft" aufgefallen. So viele Male. Freundschaft ist für mich von grundlegender Bedeutung: Freunde sein und Freunde haben. Es bedeutet, dass ich auf jemanden zählen kann und dass jemand auf mich zählen kann. Und das Gleiche passiert auch mit Jesus.“

Mensch mit Behinderung
Mensch mit Behinderung

Jesus als Freund ist der größte aller Tröstungen

Der Titel der Botschaft greift Vers 15 des Johannesevangeliums auf, bezieht sich auf das Letzte Abendmahl und betont, was der Papst im nachsynodalen Schreiben Christus vivit festhält: Jesus lasse uns niemals im Stich. „Es ist ein Privileg, mit dem wir gesegnet sind und das zu unserer Berufung wird“, so der Papst.

Die Kirche ist dein Zuhause

Es sei die Taufe, die uns „das volle Recht gibt, zur kirchlichen Gemeinschaft zu gehören, und jedem die Möglichkeit gibt, ohne Ausgrenzung oder Diskriminierung zu sagen: 'Ich bin die Kirche! Jene Kirche, die keine Gemeinschaft der Vollkommenen ist, sondern von Jüngern auf dem Weg, die dem Herrn folgen und seiner Vergebung bedürfen“, schreibt der Papst. Aus dieser Erkenntnis heraus entstünde die Einladung, die sich auf den Brief an die Gläubigen in Rom beziehe.

Immer noch zu viele Stigmata gegen behinderte Menschen

Franziskus konzentriert sich auf die anhaltende Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen, die sich „als Fremdkörper in der Gesellschaft“ behandelt fühlten. Unter Berufung auf die Enzyklika „Fratelli tutti“ weist er auf die Gefahr hin, sie als vom Rest der Gesellschaft getrennt zu betrachten.

Darüber hinaus versäumt es der Papst nicht, auf den „Mangel an geistlicher Zuwendung“ hinzuweisen, der sich manchmal „auch in der Verweigerung des Zugangs zu den Sakramenten manifestiert hat“. Hier wird auf das Direktorium für die Katechese verwiesen, aus dem klar hervorgeht, dass es keine Form der Verweigerung geben könne.

Der Papst und Menschen mit Behinderung
Der Papst und Menschen mit Behinderung

Zuneigung für diejenigen, die wegen Covid-19 leiden

In seiner Botschaft geht der Papst auf die Schwierigkeiten ein, mit denen alle während der Pandemie konfrontiert seien und die zu besonderen Störungen in der Welt der Behinderten geführt hätten, die ohnehin schon leiden: längere Aufenthalte zu Hause, Fernunterricht, nicht garantierte Dienstleistungen. Das gelte auch für diejenigen, die in Pflegeheimen arbeiten.

Der Papst betont, dass der Zustand einer Behinderung „kein Hindernis für den Zugang zur bestmöglichen Versorgung sein darf“, und würdigt die Initiative einiger Bischofskonferenzen (er nannte die von England und Wales sowie die der USA), die die Achtung des Rechts aller auf eine Behandlung ohne Diskriminierung fordern.

Niemand, der so schwach ist, dass er nicht beten kann

Franziskus erinnert daran, dass jeder Mensch zur Heiligkeit berufen sei und dass die Begegnung mit Jesus - wie sie in so vielen biblischen Episoden erzählt wird - das Leben der Menschen tiefgreifend verändere, um einen Weg des Zeugnisses einzuschlagen. 

(vatican news)

25 November 2021, 13:35