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Papst Franziskus beim Angelus am 4.7.2021 Papst Franziskus beim Angelus am 4.7.2021  (Vatican Media)

Papst warnt vor „Diktatur der Vorurteile“

Papst Franziskus hat die Menschen gemahnt, nicht der „Bequemlichkeit der Gewohnheit“ oder einer „Diktatur der Vorurteile“ zu erliegen. Vielmehr gelte es, bereit für Neues und Veränderungen zu sein – auch einen selbst betreffend. Das sagte das Kirchenoberhaupt diesen Sonntag bei seinem Mittagsgebet auf dem Petersplatz.

Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt

Ausgangspunkt der Überlegungen des Papstes war das Sonntagsevangelium - Markus 6,1-6, das von der Ungläubigkeit der Landsleute Jesu erzählt. Seine Landsleute hätten Jesus zwar oberflächlich gekannt, nicht jedoch die Einzigartigkeit seiner Person erkannt, führte Franziskus dazu aus. Dies ist ein Risiko übrigens, so der Papst, das wir alle eingehen:

„Wir glauben, eine Menge von einer Person zu wissen, und das Schlimmste ist, wir etikettieren sie und schließen sie in unseren Vorurteilen ein. Auf die gleiche Weise kennen Jesu Landsleute ihn seit dreißig Jahren und denken, alles zu wissen; in Wirklichkeit haben sie nie bemerkt, wer er wirklich ist. Sie bleiben beim Äußeren stehen und lehnen die Neuheit Jesu ab.“

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Hier gilt es laut Papst Franziskus, wachsam zu sein und nicht in die Falle der Bequemlichkeit oder von Vorurteilen zu tappen:

„Wenn wir die Bequemlichkeit der Gewohnheit und die Diktatur der Vorurteile sich durchsetzen lassen, ist es schwierig, sich für die Neuheit zu öffnen und sich überraschen zu lassen. Es endet damit, dass wir oft im Leben, in unseren Erfahrungen und sogar in den Menschen nur noch die Bestätigung für unsere Ideen und Konzepte suchen, um uns nie die Mühe machen zu müssen, uns zu ändern. Das kann uns auch mit Gott so gehen, gerade uns Gläubigen, die wir meinen, Jesus zu kennen, so viel über ihn zu wissen, so dass es uns reicht, das immer Gleiche zu wiederholen. Aber ohne Offenheit für die Neuheit und die Überraschungen Gottes, ohne Staunen, wird der Glaube zu einer müden Litanei, die langsam verstirbt und zur Gewohnheit wird.“

„Ohne Offenheit für die Neuheit und die Überraschungen Gottes, ohne Staunen, wird der Glaube zu einer müden Litanei, die langsam verstirbt.“

Der Glaube ist nämlich, wie Papst Franziskus bei seinem Mittagsgebet betonte, immer auch eine Herausforderung.

„Es ist skandalös, dass die Unermesslichkeit Gottes sich in der Kleinheit unseres Fleisches offenbart, dass der Sohn Gottes der Sohn des Zimmermanns ist, dass sich die Göttlichkeit in der Menschlichkeit verbirgt, dass Gott dem Gesicht, den Worten, den Gesten eines einfachen Menschen innewohnt. Das ist der Skandal: die Inkarnation Gottes, seine Konkretheit, seine ,Alltäglichkeit`.“

Kein „Gott der Sepzialeffekte"

Ein „abstrakter und ferner Gott, der sich nicht in das Leben der Menschen einmische und „einen Glauben akzeptiert, der vom Leben, von den Problemen und von der Gesellschaft weit entfernt ist“, sei ja auch viel bequemer, erklärte der Papst. Vielleicht gefalle es einem auch mehr, „an einen Gott ,der Spezialeffekte` zu glauben, der nur außergewöhnliche Dinge tut und immer große Emotionen schenkt“, gab der Papst zu bedenken. Einen demütigen, zärtlichen Gott, der den Menschen nahe ist und der „Normalität unseres täglichen Lebens innewohnt“, könnten sich manche nur schwer vorstellen, so Franziskus. Daher riskierten wir, so wie die Landsleute Jesu, dass wir Jesus nicht erkennen, wenn er vorbeikommt, ja sogar Anstoß an ihm nehmen.

 „Bitten wir nun im Gebet die Gottesmutter, die das Geheimnis Gottes in der Alltäglichkeit von Nazareth aufgenommen hat, um Augen und Herzen, die frei sind von Vorurteilen und offen für das Staunen, für die Überraschungen Gottes, dass wir Gott begegnen und Staunen wenn wir ihm im Alltag begegnen, dass wir offene Augen für die Überraschungen Gottes haben und für Seine demütige und verborgene Gegenwart im Leben eines jeden Tages.“

(vatican news – sst)

04 Juli 2021, 10:56