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Feierliche Messe in St. Peter Feierliche Messe in St. Peter  (Vatican Media)

Papst Franziskus: Die schwache und die befreite Kirche

Über die Freiheit hat Franziskus an diesem Dienstag gepredigt: Der Papst feierte im Petersdom eine große Messe zum Fest der römischen Stadtpatrone Petrus und Paulus. Zwei „befreite“ Männer seien die Apostelfürsten gewesen, so die Deutung des Papstes.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Nicht ihre Tüchtigkeit habe den Fischer Simon und den Thoralehrer Saulus zu „Giganten des Glaubens“ werden lassen, sondern die Tatsache, dass sie sich auf die Begegnung mit Jesus eingelassen hätten und von ihm zu freien Menschen gemacht worden seien.

„Vom Herrn berührt, werden auch wir befreit“, so der Papst. „Und wir bedürfen immer der Befreiung, denn nur eine freie Kirche ist eine glaubwürdige Kirche. Wie Petrus sind wir berufen, frei zu sein von dem Gefühl der Niederlage angesichts unseres manchmal erfolglosen Fischfangs; frei zu sein von der Angst, die uns lähmt und ängstlich macht, uns in unsere Sicherheiten verschließt und uns den Mut zur Prophetie nimmt.“

Frei werden von der Heuchelei der Äußerlichkeit

Frei wie Petrus - frei wie Paulus. „Wie Paulus sind wir berufen, frei zu sein von der Heuchelei der Äußerlichkeit; frei zu sein von der Versuchung, uns mit der Macht der Welt aufzudrängen statt mit der Schwäche, die Gott Raum gibt; frei von einer religiösen Observanz, die uns starr und unflexibel macht; frei von zweifelhaften Verbindungen mit der Macht und frei von der Angst, nicht verstanden und angegriffen zu werden.“

Die Geschichten von Petrus und Paulus ließen, so fuhr Franziskus fort, vor unserem inneren Auge das Bild einer Kirche entstehen, die zwar uns anvertraut sei, aber letztlich vom Herrn selbst „mit Treue und Zärtlichkeit geführt“ werde.

Farbe der Märtyrer

„Es ist eine schwache Kirche, in der Gott jedoch machtvoll gegenwärtig ist; eine befreite Kirche, die der Welt jene Befreiung vermitteln kann, die sie sich selbst nicht geben kann: Befreiung von Sünde, Tod, Resignation, Ungerechtigkeit und vom Verlust der Hoffnung, der das Leben der Frauen und Männer unserer Zeit belastet.“

Rot war die dominierende liturgische Farbe bei der Messfeier in St. Peter: Sie erinnert an das Martyrium, das sowohl Petrus als auch Paulus, diese „Säulen der Kirche“ (Papst Franziskus), um das Jahr 67 herum in Rom erlitten haben. An der feierlichen Messe im Dom nahm auch eine hochrangige Delegation der orthodoxen Kirche teil – eine ökumenische Geste, die in den letzten Jahrzehnten üblich geworden ist. Der Papst und seine Gäste, die der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel nach Rom geschickt hatte, beteten auch einen Moment am Petrusgrab und vor der überlebensgroßen Petrusstatue im Seitenschiff der Basilika, die zur Feier des Tages mit einem prächtigen Überwurf und einer Tiara geschmückt war.

Zum Nachhören: Messe von Papst Franziskus zum Fest der römischen Stadtpatrone Petrus und Paulus

Verriegelte Türen öffnen

„Fragen wir uns: Wie sehr bedürfen unsere Städte, unsere Gesellschaften, unsere Welt der Befreiung? Wie viele Ketten müssen gesprengt und wie viele verriegelte Türen müssen geöffnet werden! Wir können an dieser Befreiung mitwirken, aber nur, wenn wir uns zuerst selbst von der Neuheit Jesu befreien lassen und in der Freiheit des Heiligen Geistes wandeln.“

Pallien: Zeichen der Einheit

Vor der Eucharistiefeier segnete der Papst Pallien: Das sind Schulterbänder aus Wolle, die mit Kreuzen bestickt sind. Metropolitan-Erzbischöfe tragen sie – ein Zeichen der Verbundenheit der Bischöfe in aller Welt mit Rom und dem Nachfolger des Petrus. Deswegen waren die Pallien eine Weile ganz in der Nähe des Petrusgrabes aufbewahrt worden, unter dem Hauptaltar von Sankt Peter. Einige der im Lauf des letzten Jahres ernannten Erzbischöfe waren auch bei der Papstmesse dabei, unter ihnen die neuen Bistumsleiter aus Sevilla und Lyon.

„Heute erhalten unsere Mitbrüder Erzbischöfe das Pallium. Dieses Zeichen der Einheit mit Petrus erinnert an die Sendung des Hirten, der sein Leben für die Herde hingibt. Indem er sein Leben hingibt, wird der von sich selbst befreite Hirte zu einem Werkzeug der Befreiung für seine Brüder und Schwestern… Wir beten für euch, für die Hirten, für die Kirche, für uns alle: dass wir, von Christus befreit, in der ganzen Welt Apostel der Befreiung sein können.“

(vatican news)

29 Juni 2021, 10:16