Papst Franziskus: Für „offene Schulen“

Er war selbst einmal Lehrer an Jesuitenschulen in Chile und seiner Heimat Argentinien; und er ist auch der Gründer einer Schulstiftung, die Institute aus vielen Ländern und Kontinenten miteinander vernetzt. Das Thema Schule liegt Papst Franziskus wirklich sehr am Herzen.

Darum hat er es sich am Donnerstag auch nicht nehmen lassen, an der 20-Jahr-Feier eines Verbands von Jesuitenschulen in Lateinamerika teilzunehmen – virtuell, versteht sich. In einer Videobotschaft brachte er auf den Punkt, worauf es ihm bei Schulen besonders ankommt:

„Ich wünsche mir aufnahmebereite Schulen! Orte also, wo sich die eigenen Wunden und die Wunden anderer heilen lassen. Schulen mit offenen Türen – wirklich, nicht nur angeblich. Zu denen die Armen wirklich Zugang haben und in denen man auf die Armen zugeht. Die Armen verkörpern die Weisheit des Evangeliums, also die entscheidende Optik, von der wir so viel lernen können.“

Für Schulen der Geschwisterlichkeit

Keiner weiß besser als „Padre Jorge“ alias Papst Franziskus, dass Jesuitenschulen häufig als Kaderschmiede von Eliten gelten. Nicht billig, und darum eben nur für gewisse Kreise zugänglich, die Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Sprösslinge legen. Von diesem Bild der Schule für die „chosen few“ will der Papst wegkommen. Stattdessen schwebt ihm folgendes vor:

Zum Nachhören: Papst Franziskus wünscht sich offene Schulen, zu denen Arme wirklich Zugang haben

„Schulen, die sich nicht in ein egoistisches Elitenwesen verkrümmen, sondern die mit allen zusammenzuleben wissen, wo man die Geschwisterlichkeit lebt und wo man weiß, dass alles mit allem zusammenhängt. Geschwisterlichkeit ist ja gar nicht nur eine moralische Pflicht, sondern eher die objektive Identität des Menschen und der ganzen Schöpfung! … Ich wünsche mir Schulen, in denen vermittelt wird, wie man die Zeichen der Zeit liest. Wie man das eigene Leben als ein Geschenk versteht, für das man dankbar ist und das man mit anderen teilt.“

Der heutige Papst als junger Jesuit
Der heutige Papst als junger Jesuit

Franziskus hört sich immer ziemlich idealistisch an, wenn er von Schulen spricht. Allerdings – das ist die andere Seite der Medaille – weiß er Bescheid, dass in vielen Teilen der Welt ein Bildungs- und Erziehungs-„Notstand“ herrscht. Um dem abzuhelfen, hat er einen globalen Bildungspakt initiiert: Ein breites Bündnis von Regierungen, Verbänden, NGOs soll sich das Thema vornehmen und Schulen unterstützen – gerade jetzt in der Pandemie.

(vatican news – sk)
 

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11. Juni 2021, 11:18