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Angelus: Die Katechese des Papstes im Wortlaut

Lesen Sie hier die Katechese, die Papst Franziskus am Hochfest Peter und Paul gehalten hat, in einer Arbeitsübersetzung von Radio Vatikan. Die offizielle Übersetzung finden Sie in Kürze auf www.vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Im Zentrum des heutigen Evangeliums (Mt 16,13-19) in der Tagesliturgie steht die wichtige Frage, die der Herr den Jüngern stellt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (V. 15). Es ist die entscheidende Frage, die Jesus heute auch uns stellt: „Wer bin ich für dich?“. Wer bin ich für dich, der du den Glauben angenommen hast, aber immer noch Angst hast, auf mein Wort hin hinauszugehen? Wer bin ich für dich, der du schon so lange Christ bist, aber – von Gewohnheit ermattet – deine erste Liebe verloren hast? Wer bin ich für dich, der du eine schwierige Zeit durchmachst und dich selbst am Schopf packen musst, damit du wieder neu anfangen kannst? Jesus fragt: Wer bin ich für dich? Lasst uns ihm heute eine Antwort geben, die von Herzen kommt.

Vor dieser Frage hat Jesus den Jüngern eine andere Frage gestellt: „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ (vgl. V. 13). Es war eine Frage zu den Meinungen über ihn und den Ruhm, den er genoss – aber Berühmtheit interessiert Jesus nicht: eine solche Art von "Umfrage" interessiert ihn nicht. Warum also hat er diese Frage gestellt? Um auf einen Unterschied hinzuweisen, der im christlichen Leben den grundlegenden Unterschied macht. Da gibt es nämlich jene, die bei der ersten Frage stehenbleiben – bei den Meinungen – und über Jesus sprechen; und es gibt wieder andere, die stattdessen mit Jesus sprechen, ihm Leben bringen, in eine Beziehung mit ihm treten, den entscheidenden Schritt tun. Das ist es, was den Herrn interessiert: er will im Zentrum unserer Gedanken stehen, zum Bezugspunkt unserer Zuneigung werden; kurzum: er will die Liebe unseres Lebens sein. Es geht nicht um die Meinungen, die wir von ihm haben: Das interessiert ihn nicht. Er ist an unserer Liebe interessiert, daran, dass er in unseren Herzen ist.

Die Heiligen, die wir heute feiern, haben diesen Schritt getan und sind Zeugen geworden. Den Schritt von der Meinung über Jesus dazu, ihn im Herzen zu tragen. Sie waren keine Bewunderer, sondern Nachahmer Jesu. Sie waren keine Zuschauer, sondern Protagonisten des Evangeliums. Sie haben nicht mit Worten, sondern mit Taten geglaubt. Petrus hat nicht von einer Sendung gesprochen, er war Menschenfischer; Paulus hat – als er seine Reisen unternahm und Zeugnis ablegte – keine gelehrten Bücher geschrieben, sondern Briefe voller Leben. Beide haben ihr Leben im Dienst am Herrn und an ihren Brüdern und Schwestern gelebt. Und sie provozieren uns. Denn wir laufen Gefahr, bei der ersten Frage stehen zu bleiben: Meinungen und Ansichten zu äußern, tolle Ideen zu haben und schöne Worte zu sagen, aber nie uns selbst ins Spiel zu bringen. Und Jesus möchte, dass wir uns engagieren. Wie oft sagen wir zum Beispiel, dass wir uns eine Kirche wünschen, die eine größere Treue zum Evangelium hat, eine größere Nähe zu den Menschen, die prophetischer und missionarischer ist – konkret aber tun wir nichts! Es ist traurig zu sehen, dass viele reden, kommentieren und debattieren, aber nur wenige Zeugnis ablegen. Zeugen verlieren sich nicht in Worten, sie bringen Frucht. Sie beschweren sich nicht über andere und die Welt, sondern beginnen bei sich selbst. Sie erinnern uns daran, dass Gott nicht kundgetan, sondern gezeigt werden muss, mit dem eigenen Beispiel; dass man ihn nicht mit Proklamationen verkündet, sondern durch das Beispiel bezeugt. Das ist es, was "sein Leben mit ins Spiel bringen" bedeutet.

Wenn man das Leben des Petrus und des Paulus betrachtet, kann man jedoch folgendes einwenden: beide waren zwar Zeugen, aber nicht immer vorbildlich, sie waren Sünder! Petrus hat Jesus verleugnet, Paulus die Christen verfolgt. Aber – und genau das ist der Punkt –: sie waren auch Zeugen ihrer Niederlagen. Petrus hätte zu den Evangelisten sagen können: „Schreibt nicht die Fehler auf, die ich gemacht habe“. Doch nein: seine Geschichte geht ungeschminkt aus den Evangelien hervor, in all ihrer Erbärmlichkeit. Und das gilt auch für Paulus, der in seinen Briefen von Fehlern und Schwächen berichtet. Genau hier beginnt das Zeugnis: bei der Wahrheit über sich selbst, beim Kampf gegen die eigene Doppelzüngigkeit und Falschheit. Der Herr kann Großes durch uns tun, wenn wir nicht darauf bedacht sind, unser eigenes Image zu verteidigen, sondern mit ihm und mit den anderen ehrlich sind.

Heute, liebe Brüder und Schwestern, stellt uns der Herr eine Frage. Und diese Frage - Wer bin ich für dich? - trifft uns mitten ins Herz. Durch seine Zeugen Petrus und Paulus fordert er uns auf, unsere Masken fallen zu lassen, auf Halbheiten zu verzichten, auf die Ausreden, die uns lau und mittelmäßig machen. Möge uns die Gottesmutter, Königin der Apostel, dabei helfen. Möge sie in uns den Wunsch entfachen, Zeugnis abzulegen für Jesus.

(vatican news- übersetzung: silvia kritzenberger)


 

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29. Juni 2021, 12:36

Das Angelus ist ein Gebet, dass in Erinnerung an das ewige Geheimnis der Menschwerdung drei Mal am Tag gebetet wird: 6 Uhr morgens, am Mittag und am Abend gegen 18 Uhr, jeweils wenn die Glocken zum Angelusgebet rufen.
Der Name ‚Angelus‘ stammt aus dem ersten Vers der lateinischen Version des Gebets - Angelus Domini nuntiavit Mariae. Es besteht aus der Lesung von drei schlichten Texten, bei denen es um die Menschwerdung Jesu Christi geht, gefolgt jeweils von einem Ave Maria.
Dieses Gebet wird vom Papst auf dem Petersplatz sonntags mittags und an Hochfesten gebetet. Direkt vor dem Gebet legt der Papst kurz die Lesungen des Tages aus. Nach dem Gebet folgen Grüße an die Pilger.
Von Ostern bis Pfingsten wird an Stelle des Angelusgebets das Regina Coeli gebetet, das an die Auferstehung Jesu Christi erinnert. Zum Abschluss dieses Gebets wird das „Ehre sei dem Vater“ drei Mal gesprochen.

Gebet des Angelus / Regina Coeli mit Papst

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