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Der Papst, St. Ignatius und die Kanonenkugel

Mit einer Video-Botschaft hat sich Papst Franziskus am Start des „Ignatianischen Jahres“ beteiligt. Es erinnert an den Gründer des Jesuitenordens, den heiligen Ignatius von Loyola (1491-1556).

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

In seiner Botschaft würdigt Franziskus, der selbst 1960 mit 22 Jahren in den Jesuitenorden eingetreten ist, die Bekehrung des Ignatius im Norden Spaniens vor genau einem halben Jahrtausend. Dabei sprach der Papst auch ausführlich über – eine Kanonenkugel.

„Vor 500 Jahren zersprangen in Pamplona alle weltlichen Träume des Ignatius binnen einer Sekunde in Stücke. Die Kanonenkugel, die ihn damals verletzte, änderte den Gang seines Lebens und den Gang der Welt. Wie wichtig doch die scheinbar kleinen Dinge sein können! Diese Kanonenkugel brachte mit sich, dass Ignatius in den Träumen scheiterte, die er selbst für sein Leben gehabt hatte.“

Gottes Traum für Ignatius

Die fatale Kanonenkugel zwang am 20. Mai 1521 den baskischen Adeligen, der Pamplona gegen französische Truppen verteidigen wollte, aufs Krankenbett. Dort las er in Heiligenlegenden und einer Christus-Vita – und änderte sein Leben.

Der Herr habe damals Größeres mit Ignatius vorgehabt, kommentierte Franziskus. „Der Traum Gottes für Ignatius kreiste nicht nur um Ignatius. Es ging darum, den Seelen zu helfen. Es war ein Traum der Erlösung, ein Traum des Herausgehens in die ganze Welt, von Jesus begleitet, demütig und arm.“

Zum Nachhören: Papst Franziskus über den Gründer des Jesuitenordens, Ignatius von Loyola

Die tägliche Bekehrung

Vom Offizier zum Ordensgründer: Im „Bericht des Pilgers“ hat Ignatius selbst seine erstaunliche Wandlung geschildert. Die autobiografische Schrift macht aber auch klar, dass die Bekehrung des Ritters nicht komplett abgeschlossen war. Diesen Punkt arbeitete auch Franziskus in seinem Video heraus.

„Die Bekehrung des Ignatius begann in Pamplona, aber sie endete nicht dort. Er bekehrte sich sein ganzes Leben hindurch, Tag für Tag. Und das bedeutet, dass er sein ganzes Leben lang Christus in den Mittelpunkt stellte. Das tat er durch Unterscheidung.“

 Der heutige Papst als Jesuitenprovinzial (links vorne) mit dem damaligen Jesuiten-Generaloberen Arrupe
Der heutige Papst als Jesuitenprovinzial (links vorne) mit dem damaligen Jesuiten-Generaloberen Arrupe

Kurven und Wendepunkte

Damit griff der Papst einen Terminus auf, der im Denken der Jesuiten heute noch eine große Rolle spielt. Unterscheidung bedeutet den Versuch, den Plan Gottes für das eigene Leben und Handeln zu erkennen.

„Die Unterscheidung bedeutet nicht, dass man immer von Anfang an richtig liegt, sondern dass man mit einem Kompass vorankommt auf einem Weg, der viele Kurven und Wendepunkte hat. Und dass man sich immer vom Heiligen Geist leiten lässt, der uns zum Herrn führt.“

„Menschen sind Straßenschilder“

Auf einem solchen Weg treffe man naturgemäß viele andere Menschen, spann Franziskus seinen Gedanken fort. Auch Ignatius sei das so gegangen; 1534 legte der Baske, damals Student in Paris, auf dem Montmartre zusammen mit einigen Gefährten erste Gelübde ab.

„Die anderen Menschen, denen wir begegnen, sind Signale: Sie helfen uns dabei, Kurs zu halten, und sie laden uns dazu ein, uns jedes Mal von neuem zu bekehren. Es sind Brüder und Schwestern, es sind Situationen – Gott spricht durch sie zu uns. Hören wir den anderen zu! Lesen wir die Situationen! Wir sind Straßenschilder für die anderen, auch wir, indem wir den Weg Gottes markieren. Bekehrung geschieht immer im Dialog. Im Dialog mit Gott, im Dialog mit den anderen, im Dialog mit der Welt.“

Ignatius-Jahr endet im Juli 2022

Er hoffe, dass viele Menschen „den Reichtum dieser Spiritualität, die Gott dem Ignatius gab“, entdeckten und sich auf den entsprechenden Weg machten, so Franziskus. Das Ignatius-Jahr könne dafür eine gute Gelegenheit sein.

Das Gedenkjahr wurde am Donnerstag in Pamplona eröffnet – genau 500 Jahre nach der berühmten Kanonenkugel! – und endet am 31. Juli nächsten Jahres. Am 31. Juli 1556 ist Ignatius gestorben – in Rom, nach einem bewegten Leben.

(vatican news)
 

24 Mai 2021, 10:19