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Franziskus würdigt Teresa von Avila als Lehrerin des Betens

Beten hilft gegen Resignation und Pessimismus in der Kirche: Das hat Papst Franziskus in einer Videobotschaft über Teresa von Avila gesagt, die der Vatikan am Donnerstag veröffentlichte. Das Gebet habe die spanische Heilige „zu einer außergewöhnlichen Frau, zu einer kreativen und innovativen Frau“ gemacht.

Teresa von Avila beflügelt Papst Franziskus: Einem Kongress über die Mystikerin und Ordensgründerin, der an diesem Donnerstag in Avila endete, schickte er eine Videobotschaft, nachdem er sich zu Beginn schon in einem Grußwort an die Teilnehmenden gewandt hatte. „Die heilige Teresa lehrt uns, dass der Weg, der sie zu einer außergewöhnlichen Frau und zu einer Bezugsperson durch die Jahrhunderte machte, der Weg des Gebetes, all jenen offen steht, die sich demütig dem Wirken des Geistes in ihrem Leben öffnen“, sagte der Papst.

Zentral sei dabei Demut. Denn der Weg des Gebets öffne sich nicht für jene, „die sich für rein und vollkommen halten“. Im Gegenteil: „Das Bewusstsein der eigenen Sündhaftigkeit ist es, was die Tür zum Weg der Heiligkeit öffnet.“ Die heilige Teresa habe sich selbst als „elend und erbärmlich" empfunden, aber auch erkannt, dass Gottes Güte „größer ist als alle Übel, die wir tun können“.

50 Jahre Kirchenlehrerin

Anlass der Teresa-Tagung an der nach der heiligen Teresa benannten katholischen Universität in Avila ist der 50. Jahrestag ihrer Erhebung zur Kirchenlehrerin; der Titel der Veranstaltung: „Mujer excepcional”, außergewöhnliche Frau. So hatte Papst Paul VI. die große heilige Teresa genannt, als er sie als erste Frau überhaupt in die Reihen der Kirchenlehrer erhob, von denen es heute 36 gibt, darunter vier Frauen.

„Die große Versuchung besteht darin, der Desillusionierung nachzugeben“

Wie die Kirchenlehrerin Teresa „leben auch wir in harten Zeiten, nicht in leichten Zeiten“, bemerkte der Papst. Solche Zeiten brauchten „Gottes treue Freunde" - starke Freunde. „Die große Versuchung besteht darin, der Desillusionierung nachzugeben, der Resignation, der düsteren und unbegründeten Vorahnung, dass alles schiefgehen wird“, erklärte der Papst. „Dieser unfruchtbare Pessimismus, dieser Pessimismus von Menschen, die nicht in der Lage sind, Leben zu geben. Manche Menschen neigen aus Angst vor diesen Gedanken dazu, sich abzuschotten, sich in Kleinigkeiten zu flüchten.“

„Und gemeinsam mit Ihm sind wir in der Lage, jede Herausforderung zu meistern“

Franziskus nannte an dieser Stelle das Beispiel eines Frauenklosters, in dem die Nonnen sich permanent in „kleine Dinge“ flüchteten, in der Stadt sei die Gemeinschaft als „Klein-Ding-Kloster“ bekannt gewesen. „Sie schlossen sich ein in kleine Dinge, als Zuflucht, in selbstsüchtigen Projekten, die die Gemeinschaft nicht aufbauen, sondern sie zerstören.“ In einer solchen Lage helfe das Gebet. „Es lässt uns schmecken, dass Gott groß ist, dass er jenseits des Horizonts ist, dass Gott gut ist, dass er uns liebt und dass die Geschichte seinen Händen nicht entglitten ist. Und gemeinsam mit Ihm sind wir in der Lage, jede Herausforderung zu meistern, denn in Wirklichkeit ist es nur Seine Gesellschaft, nach der sich unser Herz sehnt und die uns die Fülle und Freude schenkt, für die wir geschaffen wurden.“

Teresa von Avila, genannt die „große heilige Teresa“ im Gegensatz zur „kleinen heiligen Teresa“ von Lisieux, lebte im 16. Jahrhundert in Spanien. Sie trat als außerordentlich fruchtbare geistliche Autorin und Dichterin mystischer Lyrik hervor, die bis heute gelesen wird. Ihre intellektuelle Leuchtkraft kam in der Kirche ihrer Zeit nicht bei allen gut an. Aufgrund ihrer Bücher geriet Teresa ins Visier der gefürchteten spanischen Inquisition. Erst 25 Jahre nach ihrem Tod gelangte die Inquisition zum Schluss, ihre Schriften seien frei von Häresie. Auch vor diesem Hintergrund sorgte die Erhebung Teresas zur Kirchenlehrerin 1970 für Aufsehen.

(vatican news – gs)

 

15 April 2021, 14:10